Wöchentliche Marktberichte

Jul 23, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EU begegnet UK-White-Paper mit Skepsis

USD

EUR USD (1,1735)

Am vergangenen Freitag war deutlich zu spüren, dass sich die Finanzmarktteilnehmer im Vorfeld des G20-Gipfels in zwei Lager spalteten. Zwar hatten alle den US-Handelsstreit im Sinn, um den sich derzeit die gesamte wirtschaftspolitische Welt zu drehen scheint, aber jeder verband damit auch bestimmte politische Köpfe. Einige glaubten, dass Verhandlungen und Kooperationsbereitschaft helfen würden, den Konflikt zu lösen, und vertraten zudem die Ansicht, innerhalb der laufenden Sommerpause dürfte niemand eine Eskalation anstreben. Für diesen Kurs stehen insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. In der Tat versuchte Merkel am Freitag während der Sommer-Pressekonferenz, möglichen US-Autostrafzöllen mit Gesprächsangeboten entgegenzutreten. Juncker wird dafür diese Woche sogar eigens in die Vereinigten Staaten reisen, um am Mittwoch mit US-Präsident Donald Trump ein persönliches Gespräch zu führen. Die zweite Gruppe richtet sich auf zunehmende Spannungen bzw. einen offenen Konfrontationskurs der im Handelsstreit verstrickten Staaten ein. Vermutlich verknüpfen diese Akteure ihr Szenario hauptsächlich mit dem Bild von US-Präsident Donald Trump.
Wer auf die Verhandlungskarte setzt, richtete seine Hoffnung sicherlich auf den G20-Gipfel, der am Wochenende Finanzminister und Notenbankchefs der beteiligten Staaten vereinte. Ein Konsens wurde dort aber leider nicht gefunden. So boten die USA lediglich ein Freihandelsabkommen für die G7-Staaten an, was Frankreichs Vertreter sofort dankend ablehnte. Wer hingegen auf Eskalation wettete, kam auf seine Kosten. Trump warf China und der EU in einem Interview mit dem US-Sender CNBC vor, "illegale Währungsmanipulation" zu betreiben, und drohte der Volksrepublik sogar damit, demnächst sämtliche Importe mit Strafzöllen belegen zu wollen.
Alle Akteure dürften sich in jedem Fall Strategien entsprechend ihrer jeweiligen Einschätzung der Lage zurechtgelegt haben. Auffällige Kursbewegungen gab es vor allem im europäischen Aktienmarkt, wo sich Verkäufe belastend im Automobil- und Rohstoffsektor niederschlugen. Aber auch von der Gold- und Dollarschwäche nahmen Marktkommentatoren Notiz. Weder das Zweieinhalb-Jahres-Tief des Edelmetalls noch der fallende Greenback schienen jedoch ins Bild einer Eskalation zu passen, zumal die G20 ausdrücklich vor den wirtschaftlichen Risiken des Handelskonflikts gewarnt hatten. Doch während der Goldpreis einen mittelfristigen Abwärtstrend etabliert hat, ist die Schwäche des Dollar eher kurzfristiger Natur. Denn das Geschehen findet bislang innerhalb der bekannten Konsolidierungszone statt, die wie gehabt zwischen 1,1505 und 1,1855 verläuft.

USD

USD CHF (0,9910)

Vor dem Hintergrund des US-Handelsstreits beteuerte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, dass sein Land „den freien und fairen Handel stärken“ will. Damit stieß er in dasselbe Horn wie US-Finanzminister Steven Mnuchin, der im Vorfeld des G20-Gipfels ebenfalls faire Chancen für sein Land im Handel mit China und der EU forderte. Trotz dieser Gemeinsamkeit dürften die Interessen beider in unterschiedliche Richtungen weisen. Der Dollar konnte seinen Vorteil vergangene Woche nicht ausspielen und befindet sich nun wieder in der Mitte einer breiten Seitwärtsspanne. Unterstützung bei 0,9895 verhindert derzeit, auf 0,9855 abzudriften. Nach oben hin findet sich kurzfristiges Angebot bei 0,9985. 

GBP

EUR GBP (0,8930)

Der neue britische Brexit-Minister Dominic Raab ist beileibe nicht zu beneiden. Am vergangenen Donnerstag hatte er seinen Einstand, aber bereits einen Tag später musste er reichlich Kritik erdulden. Zwar begrüßte EU-Chefunterhändler Michel Barnier Teile des britischen „White Paper“. Alles in allem wirkte er aber recht zurückhaltend. Barnier versuchte zu klären, ob die vorgelegten Vorschläge „im Interesse der EU" lägen bzw. mit den Grundsätzen Europas „vereinbar“ seien. Der irische Außenminister Simon Coveney zeigte sich hingegen deutlich skeptischer und ließ kurzerhand wissen: Er rechne nicht mit der vollen Zustimmung der EU. Es scheint, als habe Dominic Raab ein äußerst schweres Erbe übernommen. Nach einem neuen Hoch am Freitag im laufenden Aufwärtstrend (0,8955), gönnte sich der Euro eine kleine Pause. Das Aufwärtspotenzial reicht indes nach wie vor bis 0,8990 und zwar unter der Prämisse, dass nunmehr 0,8855 nicht mehr verletzt wird. Gute Zwischenunterstützung ist bei 0,8885 gegeben. 

CHF

EUR CHF (1,1630)

Am Wochenende war die Schweiz als Gast beim Treffen der G20 mit von der Partie. Allerdings waren die beiden Vertreter, Finanzminister Ueli Maurer und Nationalbank-Präsident Thomas Jordan, unter anderem dort, um sich mit dem Finanzminister und dem Gouverneur der Zentralbank des krisengeschüttelten Gastgeberlandes Argentinien zu treffen. Vermutlich stand die Schweizer Delegation den Südamerikanern beratend zur Seite, da eine schrumpfende Wirtschaft und die Talfahrt des Pesos geschicktes Handeln erfordern. Vergangene Woche hat der Schweizer Franken den jüngsten Auftrieb des Euro ein wenig abgebremst. Eine moderate Aufwärtsbewegung sollte sich jedoch weiter zwischen 1,1525 und 1,1730 fortsetzen. 

PLN

EUR PLN (4,3210)

Der stellvertretende polnische Finanzminister Piotr Nowak stellte am Freitag klar, dass sein Ministerium keine Ambitionen habe, den heimischen Anleihemarkt im letzten Quartal des laufenden Jahres mit höherem Angebot zu belasten. Für das dritte Quartal ist die geschätzte Emissionsspanne allerdings noch sehr breit angelegt – zwischen 8 und 18 Milliarden Zloty (2,15 bis 4,85 Milliarden USD). Allerdings hält sich Nowak offen, bei Bedarf andere Quellen anzuzapfen und möglicherweise in Euro oder Dollar denominierte Anleihen aufzulegen. Der Euro gelangte am Freitag fast bis an unsere 4,3570er Marke, die wir als potenzielle Obergrenze einer Konsolidierung einstuften, bevor er wieder deutlich abdriftete. Die wichtigste Unterstützung liegt derzeit bei 4,2890.


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