Wöchentliche Marktberichte

Jul 19, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Powells Goldilocks-Szenario

USD

EUR USD (1,1635)

Auch der gestrige Handelstag ist über weite Strecken für den Dollar gelaufen. Und da es überdies keine überraschenden Daten zum Euro gab, war es wohl Fed-Chef Jerome Powell und seinen Anhörungen vor Ausschüssen des US-Senats und des Repräsentantenhauses zu verdanken, dass die Akteure zumindest einen guten Grund für ihre positive Haltung zum US-Dollar fanden. Obwohl Powell kaum Abweichendes von der vergangenen Sitzung der US-Notenbank geäußert hatte, schien die Kombination aus robustem Wachstum und überschaubarer Inflation – ein sogenanntes Goldilocks-Szenario – so überzeugend, dass es sich offenbar für einige Akteure anbot, noch einmal auf den Dollar zu setzen. Vor allem, weil der Handelskrieg der USA gegen den Rest der Welt in den Ausführungen Powells eher heruntergespielt wurde.
Dabei brodelt diese Thematik unter der Oberfläche natürlich weiter, obwohl sich die meisten Akteure längst daran gewöhnt haben. So schwächte sich etwa die chinesische Währung weiter ab und sorgte dafür, dass der US-Dollar nach einigem Zögern endlich die magische Linie von 6,70 CNY deutlich überschritt. Und das, obwohl noch zu Beginn des Monats Vertreter der People‘s Bank of China verbal verhindern wollten, dass die chinesische Währung zu stark abwertet. Auch wenn man diese Verbalinterventionen ernst nehmen sollte, kommt es China im Handelskonflikt mit den USA natürlich gelegen, wenn ein Teil der neuen US-Importzölle über eine sich abschwächende Währung abgefangen wird.
Ob der Euro gestern tatsächlich wegen Jerome Powells Statement zeitweise unter Druck geriet, mag dahingestellt sein. Zumindest fand der Abwärtsimpuls ein jähes Ende, als die Zahlen zu den US-Neubaubeginnen und den Baugenehmigungen publiziert wurden. Beide lagen deutlich unter den Erwartungen der Ökonomen, so dass der Dollar einen Teil seiner Gewinne wieder abgeben musste. Am Ende bleibt die Gemeinschaftswährung in ihrer Konsolidierungszone zwischen 1,1505 und 1,1855 gefangen, ohne dass auch nur der Hauch eines neuen Trends erkennbar wäre.

USD

USD CHF (0,9990)

Am Ende des Tages ist gestern aus der Dollarstärke gegenüber dem Franken nichts geworden – die zwischenzeitlichen Kursgewinne wurden alle wieder zunichte gemacht. Dennoch hat der Dollar das Zeug, einen erneuten Anlauf in Richtung 1,0110 zu nehmen, wobei mit 1,0080 allerdings zuvor für heute ein recht robuster Zwischenwiderstand ausgewiesen ist. An der Unterseite bleibt 0,9925 das maßgebliche Niveau für den Bestand unseres Aufwärtstrends, das nicht unterlaufen werden darf.

GBP

EUR GBP (0,8910)

Das war gerade noch einmal gut gegangen. Denn Theresa May hatte sich am Dienstag bei der Abstimmung zum Brexit-Handelsgesetz im Unterhaus mit einem Vorsprung von nur sechs Stimmen und damit also äußerst knapp gegen parteiinterne Rebellen – dieses Mal auf Seiten der pro-europäischen Tory Abgeordneten – durchsetzen können. Und auch nur, so einem Bericht der britischen "Times" zufolge, weil sie ihren Widersachern mit Neuwahlen gedroht habe. Eine Karte, die man nicht allzu oft spielen kann, werden sich Sterling-Händler gestern gedacht haben. Immerhin dürfte sich die Regierung um Premierministerin Theresa May damit in die am 20. Juli beginnende Sommerpause gerettet haben. Aber nicht nur deswegen geriet das britische Pfund unter Druck. Denn die Konsumentenpreisinflation blieb (neben anderen Preis-Indices) hinter den Erwartungen der Ökonomen weitgehend zurück, wobei die Kernrate im Juni sogar unter das Inflationsziel der Bank of England von 2 Prozent gefallen ist. Dennoch gehen viele Akteure davon aus, dass sich die BoE bei ihrer Sitzung Anfang August nicht davon wird abhalten lassen, die Zinsen um 25 Basispunkte zu erhöhen. Die implizite Wahrscheinlichkeit für diesen Schritt ist nämlich lediglich von 80 Prozent zu Anfang dieser Woche auf zuletzt 69 Prozent (vgl. Reuters) gefallen. Immerhin hat sich der Euro im Rahmen seines nicht gerade dynamischen Aufwärtstrends mit Potenzial in Richtung 0,8970 bzw. 0,8990 weiter befestigt. Dieses Szenario behält Gültigkeit, solange an der Unterseite 0,8790 nun nicht mehr verletzt wird.

EUR

EUR CHF (1,1630)

Nachdem sich der Schweizer Finanzminister Maurer gestern wieder einmal zur Währung äußerte und den Schweizerfranken für überbewertet hält, aber dennoch mit einem Wechselkurs zum Euro von 1,16 leben kann, schienen sich die Franken-Händler genau an dieses Skript halten zu wollen und drückten den Euro exakt auf das von Maurer genannte Niveau. Damit ist der Euro in eine frühere Konsolidierungszone zurückgefallen und hat seinen Aufwärtstrend beendet. Insofern befindet sich die Gemeinschaftswährung derzeit trendtechnisch im Niemandsland, käme allerdings unterhalb von 1,1535 unter deutlicheren Druck.

PLN

EUR PLN (4,3060)

Die im Juni mit einem Plus von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr besser als erwartet ausgefallene Industrieproduktion und ein Produzentenpreisindex, der über der mittleren Prognose der Ökonomen lag, hätten dem Zloty gestern eigentlich auf die Füße helfen können. Aber stattdessen hat der Euro etwas angezogen, dessen kurzfristiger Abwärtstrend allerdings deshalb keine Dynamik verloren hat. Das Risiko weiterer Kursverluste in Richtung 4,2820 bzw. 4,2600 bleibt erhalten, aber nur solange nun 4,3290 nicht überwunden wird.


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