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Wöchentliche Marktberichte

Jul 18, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

UK: Noch einmal davongekommen

USD

EUR USD (1,1640)

Dass die EU und Japan ein Freihandels-abkommen unterzeichnet haben – das bislang größte bilaterale Handelsabkommen der EU –, hat den Euro bestenfalls am Vormittag der gestrigen Handelssitzung positiv beeinflusst. Das Abkommen, das noch von den Parlamenten bestätigt werden muss, würde unter anderem immerhin dazu führen, dass Zölle auf EU-Exporte nach Japan in einer Höhe von rund 1 Mrd. EUR jährlich künftig weitgehend entfallen werden. Genau genommen kann man jedoch die gestrigen Kursentwicklungen bis zum späten Nachmittag weder auf politische noch ökonomische Ereignisse zurückführen. Zumal man während der europäischen Handelssitzung für die Euro-Entwicklung eigentlich ein Brennglas benötigt hätte, um etwaige Ursachen zuordnen zu können. Eines hat allerdings doch ein wenig überrascht: Betrachtet man die Entwicklung der beiden Valuten gegenüber jeweils einem ganzen Währungskorb, wird deutlich, dass der Euro bis gestern Abend sogar ein kleines Plus verzeichnen konnte. Allerdings legte der Dollar-Index noch deutlicher zu, so dass es am Ende zu einer Abschwächung der Gemeinschaftswährung kam. Diese Dollarstärke lässt sich zumindest teilweise mit der gestrigen Anhörung von Fed-Chef Jerome Powell vor dem Bankenausschuss des US-Senats erklären. Zwar hat Powell nichts wesentlich Überraschendes geäußert. Aber es bleibt klar, dass die Fed an ihrem Kurs der graduellen Zinserhöhungen festhalten wird. Dafür sprechen schon allein die positiven Wachstumseinschätzungen der Fed bei gleichzeitig moderater Inflation. Eigentlich ein Goldilocks-Szenario.
Allerdings bereitet eine andere Geschichte einigen Analysten Sorge. Die Rede ist von der Entwicklung der Renditen bei den US-Anleihen. So ist zu beobachten, dass etwa die Rendite der zweijährigen Staatsanleihen derjenigen von Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit immer näher kommt. Zuletzt betrug der Vorsprung der langlaufenden Anleihen gerade noch 25 Basispunkte, so wenig wie zuletzt im Jahr 2007. Und es gibt nicht wenige Beobachter, die befürchten, dass es sogar zu einer inversen Renditekurve bei den US-Anleihen kommen könnte – in den vergangenen 50 Jahren regelmäßig der Vorbote einer starken Rezession. Allerdings sind sich Analysten derzeit nicht einig, ob sich diese Geschichte so wiederholen wird. Dass es dieses Mal anders kommen könnte, zeigt etwa der Kapitalmarktbericht des Asset Managers von Flossbach und Storch. Denn das extrem niedrige Zinsniveau in der Eurozone, so der Bericht, wirke möglicherweise einem starken Anstieg der US-Renditen entgegen. Allerdings muss man sich fragen, warum trotz des erhöhten Angebots an US-Anleihen alleine durch die Neuverschuldung wegen der US-Steuerreform die Anleihekurse nicht stärker unter Druck bzw. die Renditen der Langläufer immer noch deutlich unter 3 Prozent liegen. Zumindest ist für diese Anleihen zurzeit ausreichend Nachfrage vorhanden.
Am Ende des Tages ist der Euro in seiner Konsolidierungszone leicht unter die Räder gekommen, ohne jedoch innerhalb der Grenzen 1,1505 und 1,1855 einen trendartigen Impuls zu begründen.

USD

USD CHF (0,9990)

Es war gestern der Tag des US-Dollar. Nicht einmal wegen ökonomischer Daten, sondern vor allen Dingen, weil man vielerorts davon ausgeht, dass die US-Leitzinsen in diesem Jahr weiter angehoben werden. Zumindest beträgt die implizite Wahrscheinlichkeit für zwei weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr laut CME FedWatch Tool nunmehr 61 Prozent. Unterdessen hat sich der Dollar von unserer Unterstützung bei 0,9925 eindrucksvoll abgestoßen, die als Basis und maßgebliches Niveau für einen erneuten Anlauf auf 1,0110 bestätigt wurde.

GBP

EUR GBP (0,8885)

Die innerparteilichen Spannungen bei der britischen Conservative Party reißen nicht ab. Nachdem Theresa May am späten Montagabend noch die umstrittene Zoll-Abstimmung (Customs Bill) durch das Unterhaus gepeitscht hatte, machte sich gestern neues Ungemach breit. Denn es stand nun das Handelsgesetz zum Brexit zur Abstimmung an. Dabei hatten oppositionelle Labour-Abgeordnete Medienberichten zufolge angekündigt, eine Änderung der Gesetzesvorlage von pro-europäischen Tory-Abgeordneten ("Remainer") zu unterstützen. Letztere zeigten sich gestern über die Änderung der Vereinbarung von Chequers aufgrund der Initiative der "Brexiteers" enttäuscht und wollten das Vereinigte Königreich in der Zollunion mit der EU halten, sofern bis zum 21. Januar 2019 kein Handelsabkommen abgeschlossen würde. Am Ende konnten sich jedoch die Rebellen mit ihrem Änderungsvorhaben nicht durchsetzen – die Regierung um Theresa May gewann die Abstimmung mit gerade einmal sechs Stimmen Vorsprung. Bereits Stunden zuvor hatte das Gerangel Skepsis unter den Pfund-Händlern aufkommen lassen. Und so konnte sich der Euro gegenüber Sterling im Rahmen seines schwachen kurzfristigen Aufwärtstrends mit Potenzial in Richtung 0,8965 (darüber auch 0,8990) etwas befestigen – der Trend bleibt erhalten, solange 0,8785 nicht verletzt wird.

EUR

EUR CHF (1,1665)

Wie befürchtet hat der Euro weiteres Aufwärtsmomentum gegenüber dem Franken verloren. Allerdings kann man nicht von einer Fluchtbewegung in den Franken sprechen, zumal die andere typische Fluchtwährung, der Yen, gestern gegenüber Euro und US-Dollar eher zur Schwäche neigte. Somit bleibt als letzte Bastion im Aufwärtstrend an der Unterseite die Marke bei 1,1620, und solange dieses Niveau nicht verletzt wird, bleibt das Aufwärtspotenzial für den Euro bei 1,1800 bestehen.

PLN

EUR PLN (4,2900)

Die polnischen Löhne sind im Juni stärker als erwartet gestiegen, was dem Zloty möglicherweise etwas Auftrieb gegeben hat. Somit bleibt das Risiko weiterer Kursverluste für den Euro bestehen – diese können bis 4,2820 bzw. 4,2600 reichen – zumindest solange auf der anderen Seite nunmehr 4,3325 nicht überschritten wird.


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