Wöchentliche Marktberichte

Jul 13, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Protokoll mit leichten Änderungen 

USD

class="xyz"EUR USD (1,1660)

Wer gestern gedacht hatte, das EZB-Protokoll, die so genannten „Accounts“, würde eine Erleuchtung bringen, muss sich getäuscht sehen. Die Rede ist vom Termin, an dem frühestens eine Leitzinserhöhung der EZB erwartet werden kann. Und zwar geht es um einen Satz aus dem Statement der EZB-Sitzung vom 14. Juni. Dort hieß es, dass bis „über den Sommer 2019 hinweg“ nicht mit einer ersten Leitzinserhöhung zu rechnen sei. Ein Satz, über den während der vergangenen Tage immer wieder gerätselt wurde. Obwohl EZB-Ratsmitglieder immer wieder versicherten, dass eine erste Zinserhöhung nicht vor Herbst 2019 zu erwarten sei, gab es zuletzt Verwirrendes aus sogenannten gut informierten Quellen der EZB. Danach müsste man womöglich sogar bereits mit einer ersten Zinserhöhung Ende Juli 2019 rechnen, war zu vernehmen. Nun hat auch das EZB-Protokoll nicht dafür gesorgt, dass das Sätzchen „über den Sommer 2019 hinweg“ dechiffriert werden konnte. Im Gegenteil: Der Zinsausblick wurde offen gelassen. Noch interessanter liest sich eine andere Passage. So wird die weit verbreitete Annahme, dass die Anleihekäufe der EZB definitiv zum Jahresende abgeschlossen sein würden, im Protokoll nicht bestätigt: Das Ende der Nettoanleihekäufe zum Jahresende wird stattdessen von der weiteren ökonomischen Datenlage abhängig gemacht. Und so wirkt das Protokoll noch taubenhafter als das ursprüngliche Statement, mit dem sich der EZB-Rat festgelegt hatte. Interessanterweise markierte der Euro aber ausgerechnet zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der „Accounts“ sein Tagestief während der europäischen Handelssitzung.
Im weiteren Verlauf stand gestern mit der Veröffentlichung des US-Konsumentenpreisindex ein wichtiges Datum an. Obwohl der CPI im Juni auch in der Kernrate im Jahresvergleich wie erwartet und gegenüber dem Vormonat mit einer ganz leichten Note zur Schwäche publiziert wurde, machte der Euro zum Dollar sogar einen kleinen Sprung. Offensichtlich waren die Erwartungen der Marktteilnehmer insgeheim doch von einer leicht höheren Inflationsrate ausgegangen. Außerdem interessant: Die durchschnittlichen Stundenlöhne, denen zuletzt immer wieder ein Aufwärtstrend nachgesagt wurde, sind inflationsbereinigt im Juni gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben.
Am Ende des Tages hat sich der Euro nicht gerade besonders auffällig bewegt und verharrt innerhalb seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1505 und 1,1855 fast ein wenig wie eingesperrt. Zumindest bleibt die Gemeinschaftswährung innerhalb des Feldes robust, solange sie sich oberhalb von 1,1625 bewegt.

USD

USD CHF (1,0015)

Auch gegenüber dem US-Dollar präsentierte sich der Franken gestern in schwacher Verfassung. Dabei scheinen sowohl Aspekte der wieder aufgekommenen Risikofreude, aber auch der weiter steigenden Zinsen in den USA eine wichtige Rolle zu spielen. Zumal die implizite Wahrscheinlichkeit (vgl. CME FedWatch Tool) für weitere zwei Zinsschritte in diesem Jahr während der vergangenen Tage zeitweise auf knapp 60 Prozent gestiegen war. Zur Orientierung: Vor einer Woche lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei 54 Prozent. Gleichzeitig ist der Dollar recht frühzeitig an der Oberseite seiner Konsolidierung ausgebrochen und peilt nun im Rahmen seines neuen, nicht sonderlich starken Aufwärtstrends 1,0110 an. In diesem Zusammenhang darf die Unterstützung bei 0,9920/25 nicht unterlaufen werden.

GBP

EUR GBP (0,8850)

Stunde der Wahrheit im Unterhaus: Das „White Paper“ mit den Vorschlägen von Premierministerin Theresa May zu den künftigen Beziehungen zur EU wurden veröffentlicht und vom neuen Brexit-Minister Dominic Raab im Unterhaus präsentiert. Und dieses Grundlagenpapier entspricht im großen Ganzen dem, worauf sich das Kabinett am vergangenen Freitag auf dem Landsitz in Chequers geeinigt hatte. Danach strebt Großbritannien eine Freihandelszone mit der EU an und würde sich im Gegenzug an europäische Regeln und Produktstandards halten. Bei den Dienstleistungen, die 80 Prozent der britischen Wirtschaft ausmachen, möchte das Vereinigte Königreich indes eigene Wege gehen, verbunden mit dem Nachteil, dass der Zugang zum Binnenmarkt in Zukunft eingeschränkt sein würde. Auch soll die unkontrollierte Zuwanderung von EU Bürgern verhindert werden. Nun ist fraglich, wie die EU auf diesen Vorschlag reagieren wird, zumal EU-Chefunterhändler Michel Barnier in der Vergangenheit immer wieder deutlich gemacht hatte, dass Großbritannien nicht die Vorzüge des Binnenmarktes für Güter in Anspruch nehmen könne, während für Dienstleistungen eine solche Regelung nicht gelten solle. Sterling befestigt sich daraufhin zeitweise und drückte so den Euro im Rahmen seines schwachen kurzfristigen Aufwärtstrends ein wenig nach unten. Allerdings bleibt Spielraum mit Potenzial bis 0,8955 erhalten, solange 0,8770 nicht unterlaufen wird.

EUR

EUR CHF (1,1680)

Dass die Risikofreude bei den Marktteilnehmern zurückgekommen ist, zeigt sich vor allem am Verhältnis des Euro zum Schweizer Franken (auch gegenüber dem japanischen Yen). Und so gelang es der Gemeinschaftswährung ohne ökonomischen Anlass und nach drei Tagen vergeblichen Anrennens, endlich die Obergrenze ihrer Konsolidierungszone bei 1,1660 zu überwinden. Wie bereits an den Vortagen erwähnt, ist damit ein Euro-Aufwärtstrend eingeleitet worden, dessen erste Etappe bis 1,1800 reicht. Das Ganze unter der Voraussetzung, dass nun an der Unterseite 1,1620 nicht mehr verletzt wird.

PLN

EUR PLN (4,3100)

Die zurückgekehrte Risikofreude hat auch dem Zloty gestern etwas auf die Beine geholfen und so den Euro, dessen Unterseite ohnehin bis 4,2600 geöffnet ist, wieder unter Druck gesetzt. Der Stabilisierungspunkt im Rahmen der korrektiven Schwäche des Euro liegt unverändert bei 4,3575.


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