Wöchentliche Marktberichte

Jul 12, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

2019 ist der Sommer im Juli zu Ende 

USD

EUR USD (1,1675)

Was die Euro-Entwicklung angeht, lässt sich der gestrige Handelstag in zwei Teile aufgliedern. Zunächst stand der eskalierte Handelsstreit zwischen den USA und China im Vordergrund. Denn die USA machen Donald Trumps Drohung wahr, indem sie gestern früh eine Liste von China-Importen mit einem Volumen von weiteren 200 Mrd. USD vorlegten, die in Zukunft mit einer Importsteuer in Höhe von 10 Prozent belegt werden sollen. Da jedoch für die Vorbereitung einer solch groß angelegten Aktion Zeit benötigt, kann mit einem Inkrafttreten dieser neuerlichen Importsteuer nicht vor dem 30. August dieses Jahres gerechnet werden. Vor allem die Aktienmärkte reagierten auf diese Ankündigung vergleichsweise nervös, während sich im Devisenhandel nur eine leichte Risikoaversion breitmachte. War der Euro am Dienstag noch angeblich wegen gestiegener Risikofreude gefallen, schwächte er sich gestern abermals ab, dieses Mal allerdings aus Gründen der Risikoaversion. Dazu trug auch bei, dass das chinesische Handelsministerium Vergeltung für die neuen Importzölle ankündigte. Allerdings kann China nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, da das Reich der Mitte nicht über genügend US-Importe verfügt, um mit einem gleichgroßen Volumen antworten zu können. Zumindest hat China im vergangenen Jahr lediglich US-Waren im Volumen von knapp 131 Mrd. USD importiert. Daher stellt sich nun die Frage, wie China stattdessen reagieren könnte. Das Wall Street Journal hatte in seiner gestrigen Ausgabe immerhin ein paar Antworten parat. So könnte China die Lizenzen für US-Unternehmen, die Genehmigung von Beteiligungen und Unternehmenskäufen verzögern oder US-Produkte an der Grenze gründlichen und langwierigen Inspektionen unterziehen. Außerdem könnte man eine Abwertung des ohnehin im Abwärtstrend befindlichen Yuan gegenüber dem US-Dollar (wie heute früh erneut geschehen) laufen lassen, womit ein Teil der neuen US-Steuern auf China-Importe wieder aufgefangen würde. Gestern zumindest gab es keine Intervention der chinesischen Zentralbank, um die eigene Währung zu stützen. Der zweite Teil des Tages war von einer leichten Euro-Erholung gekennzeichnet, die wieder mal aus EZB-Kreisen befeuert wurde. Nach nicht einmal einer Woche hatten nämlich sogenannte Quellen schon wieder gegenüber Reuters verlautbaren lassen, die Zinsen würden frühestens nach Ablauf des Sommer 2019 erhöht werden, wobei der Zeitpunkt dieser ersten Leitzinserhöhung jedoch unterschiedlich interpretiert werde. Während eine Gruppe von Ratsmitgliedern – wie zuletzt auch immer wieder kommuniziert – darauf besteht, dass ein Zinsschritt bis Anfang Herbst ausgeschlossen bleibt, scheint es eine andere Gruppe zu geben, die einen ersten Zinsschritt bereits bei der EZB-Sitzung am 29. Juli 2019 sieht. Als ob der Sommer bereits zu diesem Zeitpunkt zu Ende wäre. Allerdings schien diese Story die Händler nicht nachhaltig zu beeinflussen, denn der Euro beschloss den Handelstag mit einem leichten Verlust. Ohnehin hat sich nichts an der Konsolidierungszone zwischen 1,1505 und 1,1855 geändert. Und solange sich der Euro oberhalb von 1,1625 bewegt, bleibt er sogar relativ robust.

USD

USD CHF (0,9950)

Zunächst sah es gestern nicht so aus, als ob der Dollar an Boden gewinnen würde. Gut möglich, dass dann ein Statement von FOMC-Mitglied Evans dem Greenback gestern Flügel verliehen hatte. Denn der Chef der Fed von Chicago scheint nun auch auf die Linie seiner Kollegen eingeschwenkt zu sein. So äußerte er gestern gegenüber dem Wall Street Journal, er habe kein Problem damit, wenn die Notenbank in diesem Jahr noch zwei weitere Zinserhöhungen vornähme. Dieses Statement ist insofern eine Überraschung, als Evans bislang als Zinstaube ein starker Befürworter eines lockeren geldpolitischen Kurses war. Am Ende des Tages bewegte sich der Dollar allerdings immer noch in seiner Konsolidierung zwischen 0,9850 und 0,9995.

GBP

EUR GBP (0,8845)

Das politische Geschehen rund um Theresa May schien sich gestern etwas beruhigt zu haben. Und das, obwohl ein Tweet des Chefredakteurs des Politik-Ressorts der britischen Zeitung „Sun“ am Dienstagabend, nachdem zwei weitere Abgeordnete der Torys das Handtuch geworfen hatten, für Aufregung sorgte. So wollte Tom Newton Dunn von sogenannten Quellen erfahren haben, dass die Serie der Rücktritte bei der Conservative Party noch längst nicht vorbei sei. Tatsächlich sei bis zum Beginn der Sommerpause des Unterhauses [20. Juli] mit jeweils einem Rücktritt pro Tag zu rechnen, sofern die auf dem Landsitz Chequers getroffene Übereinkunft des Kabinetts nicht noch einmal überarbeitet würde. Die tröstliche Botschaft: Er hat sich geirrt, gestern gab es keinen weiteren Rücktritt. Stattdessen warteten die Akteure auf die Rede von BoE-Chef Mark Carney, um neue geldpolitische Anhaltspunkte zu bekommen. Allerdings wurde sein gestriger Auftritt in Boston kurzfristig abgesagt. Am Ende des Tages hat sich der Euro gegenüber Sterling im Rahmen seines schwachen kurzfristigen Aufwärtstrends mit Potenzial bis 0,8950/55 kaum bewegt. Allerdings bleibt Spielraum erhalten, solange 0,8770 nicht unterlaufen wird.

EUR

EUR CHF (1,1645)

Eine große Fluchtbewegung in Richtung Schweizer Franken (oder auch Yen) infolge des eskalierten Handelsstreits zwischen den USA und China hat es gestern nur ganz kurz gegeben. Allerdings konnte der Euro diesen leichten Rückschlag zeitweise wieder aufholen, obgleich es keine neuen ökonomischen Anhaltspunkte dafür gab. Indes: Die Gemeinschaftswährung hat die Obergrenze ihrer Konsolidierung bei 1,1655/60 (Untergrenze: 1,1475) erneut nicht überwinden können.

PLN

EUR PLN (4,3375)

Dass die Polnische Nationalbank gestern ihren Leitzins bei 1,5 Prozent belassen hatte, war weithin erwartet worden. Zentralbankchef Adam Glapinski fühlte sich indes in seiner Ansicht bestätigt, dass er bis Ende 2020 keine Notwendigkeit sehe, die Leitzinsen zu verändern. Zumal die jüngsten Inflationsprognosen der Zentralbank für die Jahre 2018 und 2020 gesenkt wurden. Unterdessen hat sich an der Position des Euro nicht viel geändert, weswegen die Unterseite weiterhin bis 4,2600 offen bleibt. Eine Stabilisierung ist erst oberhalb von 4,3575 angezeigt.


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