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Jul 02, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Hängepartie im Asylstreit

USD

EUR USD (1,1660)

Die Einigung in der Asylfrage, die beim EU-Gipfel am frühen Freitagmorgen erzielt werden konnte, hatte während des ganzen Handelstages für eine positive Stimmung gesorgt, so dass der Euro den Monat Juni praktisch auf dem Niveau beenden konnte, auf dem er ihn begonnen hatte (1,1680). Zumindest wurden das Maßnahmenpaket für einen schärferen Kurs in der Flüchtlingspolitik und die Zusage von anfänglich 14 Staaten, Migranten schnell zurückzuführen, von den Marktteilnehmern als positives Indiz dafür wahrgenommen, dass auch die Wahrscheinlichkeit einer Lösung im Asylstreit zwischen CDU und CSU steigen würde. Nun ist es anders gekommen. Denn im Streit zwischen CDU und CSU bleibt es nach langen Diskussionen in der gestrigen Nacht unklar, ob Innenminister Horst Seehofer seine Ämter als Innenminister und Parteichef niederlegen wird. Zumindest möchte Seehofer seine politische Zukunft vom Einlenken der CDU am heutigen Montag abhängig machen.
Auf der anderen Seite feierte US-Präsident Donald Trump die ersten sechs Monate seiner „erfolgreichen“ Steuerreform. Und so wurde er auch nicht müde, darauf hinzuweisen, dass bislang im Ausland erzielte Gewinne von US-Unternehmen in Höhe von 300 Mrd. USD in die USA zurückgeführt worden seien. Tatsächlich findet sich in einem Artikel des Wall Street Journal vom vergangenen Mittwoch ein Hinweis auf diese Zahlen. Danach befände sich der Repatriierung-Prozess allerdings gerade erst am Anfang. Tatsächlich hätten US-Firmen nur einen Bruchteil ihrer mehr als 2 Billionen USD an im Ausland „geparkten“ Gewinnen zurückgeführt. Die Ratingagentur Standard & Poor‘s geht hingegen nur von einem Volumen in Höhe von 1,3 Bio. USD aus. Und tatsächlich scheint die Steuerreform mit ihrer Einmal-Besteuerung von im Ausland befindlichen US-Unternehmensgewinnen Früchte zu tragen. Und schenkt man den Zahlen von J.P. Morgan Glauben, sind alleine im ersten Quartal 217 Mrd. USD zurück in die USA transferiert worden. Nach Angaben des Kreditinstituts sollen noch einmal 400 Mrd. USD den Weg in die Heimat finden. Finanzminister Steven Mnuchin sprach am Freitag wiederum von Billionen US-Dollar. Wie schon häufiger erwähnt, dürften ein Teil dieser im Ausland befindlichen Profite auf Fremdwährung lauten und haben im zweiten Quartal möglicherweise den Kurs des Euro belastet. Allerdings gibt es diesbezüglich immer noch kein belastbares Zahlenmaterial.
Schließlich gab es auch noch Fundamentaldaten aus den USA, von denen vor allen Dingen der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE), den die US-Notenbank gerne als Grundlage für ihre Zinsentscheidungen heranzieht, höher als erwartet ausgefallen war. So war die Kernrate im Mai gegenüber dem Vorjahr um 2,0 Prozent höher – erwartet wurden 1,9 Prozent im Mittel – ausgefallen, was für die Notenbanker sicherlich erfreulich war. Denn die Kernrate befand sich damit gleichzeitig auf dem höchsten Niveau seit April 2012. Am Ende war der Euro am Freitag der Tagesgewinner und legte mit einem Plus von 1,1 Prozent einen schönen Aufwärtsimpuls hin, der ihn in die Mitte seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1505 und 1,1850/55 zurückführte.

USD

USD CHF (0,9920)

Der US-Dollar hat sich am Freitag nicht nur gegenüber dem Franken, sondern auch gegenüber vielen anderen Valuten deutlich abgeschwächt. Möglicherweise, weil der Umfang des privaten US-Konsums im Mai deutlich zurückgegangen war, so dass das Modell der Fed von Atlanta, GDPNow, am Freitag für das US-Bruttoinlandsprodukt nur noch ein Wachstum von 3,8 Prozent im zweiten Quartal berechnete. Im Rahmen der seit Wochen auffallend stabilen Prognosen ist dies der niedrigste Wert. Am Ende bleibt festzustellen, dass der US-Dollar derzeit nicht imstande ist, seinen Aufwärtstrend richtig durchzusetzen. Zwar ist der nächste Potenzialpunkt bei 1,0080 noch erreichbar, aber nur, solange 0,9880 an der Unterseite nicht verletzt wird. Sollte dies der Fall sein, würde eine neue Konsolidierungszone zwischen 0,9785 und 0,9990 entstehen.

GBP

EUR GBP (0,8845)

Wechselhaft gestaltete sich das Handelsgeschehen am Freitag bei Sterling. Konnte sich die Gemeinschaftswährung immerhin anfangs noch auf 0,8890 befestigen, fiel sie im weiteren Verlauf bis zum Handelsschluss wieder auf die ehemalige Obergrenze ihrer Konsolidierungszone bei 0,8840 zurück. Wohl kaum jemand dürfte erwartet haben, dass beim EU-Gipfel in Sachen Brexit mehr herauskommen würde als die Kommentare von EU-Chefunterhändler Michel Barnier, der bekräftigte, dass Fortschritte erzielt worden seien. Nun ruhen die Hoffnungen auf Theresa Mays Gesetzesvorlage („White Paper“), die noch im Juli erwartet wird. Unterdessen gab es für Sterling positive Wirtschaftsdaten. Zum einen wurde das britische Wachstum des ersten Quartals aktuell mit einem Plus von 0,2 Prozent (nach zuvor 0,1 Prozent) überraschend nach oben revidiert. Allerdings zeigten sich manche Beobachter bei genauem Hinsehen auf die abschließenden Zahlen skeptisch, ob es sich tatsächlich um eine strukturelle Verbesserung des Bruttoinlandsprodukts handelte. Immerhin: Auch der britische Dienstleistungssektor überraschte positiv und nahm im April Fahrt auf, was mancherorts zu erhöhten Wachstumserwartungen für das zweite Quartal führte. Am Ende befindet sich der Euro zwar in einem schwachen kurzfristigen Aufwärtstrend, der bis 0,8935 reicht. Aber bereits jetzt mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Gemeinschaftswährung wieder in ihre frühere Konsolidierungszone (0,8690-0,8840) zurückzufallen droht. Das Umfeld für den Euro bleibt daher nur positiv, solange 0,8765 nicht unterlaufen wird.

CHF

EUR CHF (1,1555)

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, wird es vermutlich nicht mit Freude vernommen haben, was Finanzminister Ulrich Maurer zum Franken-Wechselkurs im Verhältnis zum Euro zu sagen gehabt hat. Maurer findet nämlich, dass sich das Wechselkursverhältnis normalisiert hat. Außerdem hält er das Volumen der SNB-Bilanzsumme in Höhe von ca. 800 Milliarden Franken für am Limit des Erträglichen und möchte sie deshalb reduzieren. Die Worte Maurers sind insofern ungewöhnlich, als sich der Finanzminister normalerweise nicht in die Belange der Nationalbank einmischt. Für den Wechselkurs blieb dies jedoch ohne Konsequenzen. Der Euro hielt sich innerhalb seiner Konsolidierung zwischen 1,1475 und 1,1655 recht stabil in der Mitte des Feldes.

PLN

EUR PLN (4,3760)

Der Aufwärtstrend des Euro scheint gegenüber dem Zloty (auch gegenüber dem ungarischen Forint) unaufhaltsam zu sein. Somit sind die Potenziale an der Oberseite bis 4,3850 bzw. 4,4000 näher gerückt. Unterdessen liegt die Untergrenze für den Aufwärtstrend heute abermals höher bei 4,3325.


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