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Jun 29, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EU-Gipfel im Fokus

USD

EUR USD (1,1630)

Politik bestimmte auch gestern das Handelsgeschehen. Und es scheint sich herauszukristallisieren, dass die USA gegenüber China im Handelsstreit nur vordergründig einen sanfteren Ton angeschlagen haben. Zwar ist die Idee eines neuen Regelwerks, um chinesische Investments in den USA zu kontrollieren, vom Tisch, aber mit dem CFIUS (Committee on Foreign Investements in the US) wird ein Ausschuss aus dem Jahr 1988 reformiert, dem schon damals behördenübergreifende Entscheidungskompetenzen über geplante ausländische Investments in den USA eingeräumt wurden. Wenn auch China nicht explizit genannt wird, dürfte es wohl zu den Staaten zählen, die gemäß der Reform einer verstärkten Überprüfung unterzogen werden sollen. Ein Ökonom drückte es so aus: Es gebe zwar nicht mehr Hürden, aber dafür seien die bestehenden Hürden jetzt höher. Und dass man sich diesbezüglich keinen Illusionen hingeben muss, zeigte auch ein Statement des jüngst ins Amt zurückgekehrten Wirtschaftsberaters Donald Trumps, Larry Kudlow, in dem er unmissverständlich klarstellte, dass der US-Präsident seinen Standpunkt gegenüber China keineswegs abgemildert habe. Dennoch wird die Idee mit CFIUS als eine gewonnene Runde für Finanzminister Steven Mnuchin in der Administration gewertet, der sich gerade gegenüber China eher für einen gemäßigten Kurs einsetzt. Dies ist insofern auch verständlich, als US-Außenminister Mike Pompeo bereits nächste Woche überraschend Nordkorea besuchen wird, um dessen Denuklearisierung voranzubringen. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass Pompeo unlängst Mnuchin in dessen Streben unterstützt hat, im Handelsstreit mit China eine gemäßigte Position einzunehmen, denn ein eskalierender Handelskrieg wäre für die Verhandlungen mit Nordkorea kaum förderlich.
Wie wird China reagieren? Zumindest wird eines immer deutlicher: Die chinesische Währung wertet ganz offensichtlich ab, wobei dahingestellt ist, ob dies eine Vergeltung für die US-Importzölle auf chinesische Waren darstellen soll oder nicht – die chinesische Zentralbank scheint derzeit nichts gegen diese Kursentwicklung zu unternehmen. Vermutlich wird der Yuan im Juni gegenüber dem Dollar den größten Einmonatsverlust seit 1994 aufweisen. Alleine die Abwertung des Yuan während der vergangenen beiden Wochen (ca. 3,7 Prozent) ist fast so hoch wie die "offizielle Abwertung" des Yuan im Jahre 2015.

Immerhin begann gestern der EU-Gipfel, bei dem das Augenmerk auf den Asylstreit gerichtet war. Deswegen blieb der Appetit auf größere Engagements zunächst überschaubar. Das änderte sich jedoch schlagartig, als heute früh bekannt wurde, dass es in der Asylfrage eine Einigung gegeben hat. Infolgedessen konnte sich der am Vortag bereits stabiler wirkende Euro – auch weil die vorläufigen Juni-Inflationszahlen aus Deutschland wie erwartet ausgefallen waren – befestigen. Heute steht nun der Brexit auf der Tagesordnung. Auch wenn sich der Euro heute früh etwas fester zeigte, verbleibt er immer noch in der unteren Hälfte seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1505 und 1,1850/55.

USD

USD CHF (0,9935)

Enttäuschend fiel das endgültige Bruttoinlandsprodukt der USA für das erste Quartal 2018 aus, das von annualisiert 2,2 auf 2,0 Prozent korrigiert werden musste. Auch der endgültige Deflator wurde revidiert, und zwar von 1,9 auf 2,2 Prozent. Und so war es auch kein Wunder, dass der Dollar gerade einmal sein nächstes Ziel bei 0,9990 testen konnte. Jenseits davon ist nach wie vor ein Kursanstieg bis 1,0080 denkbar. Allerdings nur, solange nun 0,9880 an der Unterseite nicht mehr verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8875)

Plötzlich ist das Pfund – zumindest temporär – selbst gegenüber dem Euro deutlich unter Druck geraten. Obwohl kaum jemand vom heutigen Tagesordnungspunkt "Brexit" beim EU-Gipfel nennenswerte Ergebnisse erwartet. Dies mag den von EU-Vertretern mit dem Begriff „Fallschirm“ umschriebenen Vorbereitungen von Notfallplänen für die ersten Tage nach einem so genannten "hard brexit" geschuldet sein. Zumindest scheint die Möglichkeit, dass es eventuell gar keinen Brexit-Deal geben könnte, für die Akteure angesichts des laufenden Gipfels aus psychologischer Sicht „greifbarer“ zu werden. Auch scheinen die Erwartungen hinsichtlich eines Zinsschritts in diesem Jahr leicht zurückzugehen – die implizite Wahrscheinlichkeit dafür lag gestern nur noch bei 85 Prozent. Unterdessen hat der Euro die Obergrenze seiner seit Anfang Mai bestehenden Konsolidierung zwischen 0,8690 und 0,8840 deutlich überschritten und befindet sich nun zumindest pro forma in einem kurzfristigen Aufwärtstrend, der bis 0,8935 reichen könnte. Allerdings ist die Gefahr einer Fehlentwicklung, wie schon bei früheren Ausbrüchen aus Konsolidierungszonen, relativ hoch, so dass unsere Toleranz für einen sogenannten „false break“ gering ist. Mit anderen Worten: 0,8765 darf im Rahmen der neuen Aufwärtsbewegung nicht unterlaufen werden.

CHF

EUR CHF (1,1580)

Heute früh überwand der Euro nun im vierten Anlauf hintereinander die Oberseite seines Aufwärtstrends bei 1,1565 und kann innerhalb einer neuen Seitwärtsbewegung die Marke von 1,1655 erreichen. Die Unterseite eines Konsolidierungsfeldes würden wir unterdessen bei 1,1475 ansetzen.

PLN

EUR PLN (4,3600)

Das gestern veröffentlichte Protokoll der jüngsten Notenbanksitzung der Polnischen Nationalbank hat dem Zloty nicht geholfen. Denn die Mehrheit der Ratsmitglieder geht davon aus, dass der stabil gehaltene Leitzins helfen würde, das Inflationsziel zu erreichen. Damit überwand der Euro sein nächstes Kursziel im Rahmen seines Aufwärtstrends und hat nun weiteren Spielraum bis 4,3850 (modifiziert) und 4,4000. Die Untergrenze für diesen Trend liegt nun abermals deutlich höher bei 4,3220.


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