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Wöchentliche Marktberichte

Jun 26, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Einfach abgeschüttelt

USD

EUR USD (1,1700)

Auch gestern hätte man trefflich gegen den Euro argumentieren können. Angefangen vom ifo-Geschäftsklimaindex, der von den publizierten Zahlen her eigentlich gar nicht einmal so schlecht aussah – mit gutem Willen hätte man sagen können: durchwachsen. Allerdings hat diese Umfrage weder die Koalitionskrise noch die jüngsten etwa vom Wall Street Journal kolportierten Maßnahmen des US-Finanzministeriums enthalten. Danach erwägt das Ministerium, chinesischen Investoren den Kauf bestimmter US-Technologieunternehmen ab einer gewissen Größenordnung zu untersagen. Die Rede ist von einer Größenordnung von 25 Prozent. Finanzminister Steven Mnuchin disqualifizierte die Meldung zwar als sogenannte „fake news“, aber nur, um im selben Atemzug den Kreis der Betroffenen noch zu erweitern: Außer China gelte diese Maßnahme für alle Staaten, die versuchen würden, „US-Technologie zu stehlen“. So gesehen hätte der Ifo-Index zu einem späteren Erhebungszeitpunkt natürlich viel schlechter ausfallen können.
Während die Aktienbörsen – auch in den USA – teils mit deutlichen Abschlägen reagierten, zeigte sich indes beim Euro keinerlei Risikoaversion. Auch die in solchen Situationen typische Fluchtbewegung in so genannte „sicheren Häfen“ wie Franken und Yen blieb weitgehend aus. Dabei hätte man durchaus noch weitere Argumente gegen den Euro anführen können. So etwa die Kommunalwahlen in Italien, bei denen die Lega Nord einige Stadtparlamente erobern konntte. Überhaupt zeigen die jüngsten Umfragen einen deutlichen Stimmenzuwachs für Matteo Salvinis europakritische Lega Nord. Mittlerweile ist davon auszugehen, dass 28 Prozent der Wähler die Lega unterstützen würden, das sind doppelt so viele wie vor der Parlamentswahl im März.
Während zweijährige italienische Staatsanleihen inzwischen wieder über 1,0 Prozent notieren, bleiben Euro-Händler gelassen. Denn die Gemeinschaftswährung befestigte sich gestern per Saldo weiter und überschritt sogar die Mitte ihrer Konsolidierungszone, die zwischen 1,1505 und 1,1850/55 verläuft. In diesem Zusammenhang zeigt übrigens unser auf den Erkenntnissen der Behavioral Finance basierende modellhafte Ansatz, dass der wahrgenommene Einstandspreis aus etwaigen (schiefliegenden) früheren Euro-Long-Positionen mittlerweile etwa bei durchschnittlich 1,1745 liegen dürfte. Allerdings glauben wir nicht, dass diese früheren Positionen noch besonders hoch sind. Unsere gestern erwähnte Positionierung der spekulativen Euro-Händler an der Chicagoer Futures-Börse ist sogar ein Indiz dafür, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr um marktbewegende Engagements handeln dürfte. Mit anderen Worten: Ohne große Schieflagen gibt es auch keine großen Trends, und deshalb bleibt der Euro in der oben genannten Konsolidierung auf jeden Fall stabil, solange er sich oberhalb von 1,1580 bewegt.

USD

USD CHF (0,9870)

Obgleich die US-Neubauverkäufe oder der Hersteller-Index der Fed von Dallas – letzterer deutlich – über den Erwartungen der Ökonomen lagen, konnte der Dollar gestern nicht punkten. Vermutlich auch weil vielen Akteuren mittlerweile klar wird, dass der Handelskonflikt nicht nur für die Weltwirtschaft, sondern auch für die USA selbst negative Konsequenzen haben dürfte. Zumindest ist der Dollar gestern weiter abgebröckelt und nähert sich nun seiner Grenze bei 0,9855, die nicht unterlaufen werden darf, da der Dollar ansonsten sein Aufwärtsmomentum und das damit verbundene Potenzial bis 1,0080 verlieren würde. Die Folge wäre eine Konsolidierung zwischen 0,9790 und 0,9990. 

GBP

EUR GBP (0,8810)

Welchen Vorschlag Theresa May hinsichtlich einer Zoll-Vereinbarung für die Zeit nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU vorlegen wird, wenn sie bei dem am 28. und 29. Juni stattfindenden EU-Gipfel eintrifft, ist noch nicht klar. Immerhin handelt es sich um den bislang größten Hemmschuh bei den Brexit-Verhandlungen mit Brüssel. Genau diese Unsicherheit könnte Händler dazu veranlassen, Sterling "short" zu gehen. Diesem Ansinnen steht jedoch die Bank of England entgegen. Denn mittlerweile beträgt die implizite Wahrscheinlichkeit, dass die Bank bereits im August die Zinsen um 25 Basispunkte erhöhen wird, bei mehr als 50 Prozent und diejenige, dass es überhaupt in diesem Jahr zu einem Zinsschritt kommt, bei rund 90 Prozent. Per Saldo konnte sich der Euro gestern jedoch gegenüber dem Pfund durchsetzen und liegt nun im oberen Bereich seiner Konsolidierung zwischen 0,8690 und 0,8835/40. 

CHF

EUR CHF (1,1555)

Dass es gestern wohl keine signifikante Fluchtbewegung in den Schweizer Franken trotz der anziehenden italienischen Anleiherenditen oder des eskalierenden Handelskrieges zwischen den USA und China gab, zeigt sich an der Entwicklung des Euro. Dieser hat sich zunächst zwar in Richtung seiner Unterstützung bei 1,1475 abgeschwächt, ohne diesem Niveau allerdings richtig nahe zu kommen. Stattdessen gab es am Ende des Tages sogar eine Erholungsbewegung der Gemeinschaftswährung, so dass abermals keine Abwärtsdynamik entstehen konnte. Allerdings bedarf es für eine vollständige Stabilisierung des Wechselkurses eines Überschreitens des 1,1565er Niveaus. 

PLN

EUR PLN (4,3400)

Die polnische Arbeitslosenquote fiel mit 6,1 Prozent im Mai zwar wie erwartet aus, aber dieses ökonomische Datum konnte die weitere Schwäche des Zloty nicht verhindern. Und so zog der Euro weiter nach oben in Richtung seines nächsten Potenzialpunktes bei 4,3580 – jenseits davon wäre auch ein Ziel 4,3900 denkbar. Die Untergrenze dieses positiven Szenarios liegt nun noch einmal deutlich höher bei 4,3020. 


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