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Wöchentliche Marktberichte

Jun 22, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Euro noch einmal aufgefangen

USD

EUR USD (1,1610)

Die Ausgangsposition für den Euro war gestern ausgesprochen ungünstig. Denn es gab keinerlei Argumente dafür, sich als Euro-Käufer zu betätigen. Sicherlich mag auch die schlechte Stimmung zu dieser Haltung beigetragen haben, die die Diskussionen um die möglichen Folgen eines Handelskrieges zwischen den USA und China erzeugt hatten. Obwohl die Konferenz der Zentralbanker im portugiesischen Sintra bereits vorgestern Abend zu Ende gegangen war, blieben die Warnungen vor den Folgen eines Handelskonflikts für die Weltwirtschaft – auch wenn diese Erkenntnisse nicht überraschend waren – dennoch nicht ungehört und beschäftigten die Akteure auch gestern. Auch zeichnet es sich ab, dass Akteure das Commitment der EZB, die Zinsen frühestens nach dem Sommer 2019 anzuheben, langsam zu verstehen beginnen. Dies vor allem mit Hinblick auf die Sorgen, die den EZB Rat – sofern man den von uns gestern erwähnten Quellen Vertrauen schenken möchte – derzeit umtreiben. Tatsächlich kommt die drohende Eskalation des Handelskonflikts zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da man sich hierzulande auf das Ende der Anleihekäufe eingestellt hat. Insofern ist es auch verständlich, wenn etwa Bundesbankpräsident Jens Weidmann gestern betonte, das Ende der quantitativen Lockerungsmaßnahmen sei nur ein erster Schritt innerhalb einer mehrjährigen Normalisierung. Und es könne noch einige Zeit dauern, bevor der Einlagensatz wieder die 0-Prozent-Linie überschreiten werde. Dennoch: Für den geldpolitischen Falken Weidmann sind solche Statements eher als zurückhaltend einzustufen – nicht wenige bezeichneten sie sogar als taubenhaft. Dennoch darf man auf der anderen Seite nicht vergessen, dass Weidmann als Nachfolger von EZB-Präsident Mario Draghi im kommenden Jahr gehandelt wird und sich deswegen gerade nicht im Vorherein festlegen (pre-committen) möchte.
Ungemach kam gestern allerdings auch noch von anderer Seite, als sich die Renditen der italienischen Staatsanleihen wieder gen Norden bewegten. Wahrscheinliche Ursache: Die Abgeordneten der Lega Nord Alberto Bagnai und Claudio Borghi, die beide als vehemente Euro-Kritiker gelten, sind zwar nicht mit Ministerämtern, aber dennoch mit wichtigen Posten bedacht worden. Bagnai wurde nämlich zum Vorsitzenden des Finanzausschusses des Senats und Borghi zum Chef des Haushaltskomitees im Unterhaus ernannt.
Obwohl so ziemlich alles gegen den Euro sprach, gab es abermals kein neues Jahrestief zu markieren. Tatsächlich blieb die Gemeinschaftswährung gerade dort an unserer wichtigen Unterstützung hängen und schoss bei erster Gelegenheit aus einer anscheinend überverkauften Situation (Auslöser: ein ziemlich schlecht ausgefallener Philly Fed Index) um 100 Punkte nach oben. Damit haben sich die Konsolidierungsbestrebungen der Gemeinschaftswährung bestätigt, so dass im gegenwärtigen Abwärtstrend nun eine entsprechende Zone 1,1500/05 und 1,1850/55 erkennbar ist.

GBP

EUR GBP (0,8785)

Wie erwartet beließ die Bank of England gestern die Zinsen unverändert. Aber dass sich zu den bisherigen beiden Gegnern dieses Beschlusses, die Langzeitabweichler Michael Saunders und Ian McCafferty, nun auch der Chefvolkswirt der Bank, Andy Haldane, hinzugesellen würde, stellte für viele Beobachter eine Überraschung dar. Damit ergab sich für den gestrigen Beschluss ein Stimmenverhältnis von 6 zu 3. Gleichzeitig dürfte sich damit die Tür für einen Zinsschritt im August etwas weiter als bisher geöffnet haben, wobei die implizite Wahrscheinlichkeit für einen derartigen Schritt nach der BoE-Sitzung immer noch weniger als 50 Prozent betrug (vgl. Reuters). Zumindest gehen nun 95 Prozent der Marktteilnehmer davon aus, dass die BoE noch einen Zinsschritt in diesem Jahr vornehmen wird. Falkenhaft war die Ankündigung der BoE zu verstehen, sie werde den Bestand ihrer Anleihen, die sie während des Stimulusprogrammes erworben habe, erst dann abzubauen beginnen, wenn der Leitzins bei 1,5 Prozent (zuvor 2,0 Prozent) liege. Unterdessen vollführte das Pfund nach der BoE-Sitzung einen Sprung nach oben, aber der Euro konnte seine Verluste zum Handelsschluss wieder weitgehend wettmachen und bewegt sich weiterhin in der Konsolidierungszone zwischen 0,8690 (modifiziert) und 0,8835/40.

CHF

EUR CHF (1,1515)

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweizerische Nationalbank den Zins für Sichtguthaben bei -0,75 Prozent belassen würde, dürfte wohl bei nahezu 100 Prozent gelegen haben. Und so lauschten die Akteure den Worten von SNB-Chef Thomas Jordan, der die größten Risiken in den politischen Entwicklungen und den protektionistischen Tendenzen [der USA] sieht. Auch war klar, dass Jordan keinen Kommentar darüber abgeben wollte, wann die Normalisierung der Geldpolitik beginnen werde. Allerdings scheint es dafür eine wichtige Voraussetzung zu geben: einen höheren EUR/CHF Kurs. Dieser bewegte sich gestern erst einmal in die andere Richtung und setzte (erwartungsgemäß) kurz vor unserer Unterstützung bei 1,1475 auf, bevor er sich wieder erholte. Eine Stabilisierung ist nun noch leichter möglich, da hierfür ein Überschreiten von 1,1565 ausreichen würde.

PLN

EUR PLN (4,3280)

Die besser als erwartet ausgefallenen polnischen Einzelhandelsumsätze haben dem Zloty gestern nicht geholfen. Stattdessen setzte der Euro seinen Aufwärtstrend in Richtung 4,3580 fort. Die Untergrenze für das derzeitige positive Szenario liegt nun noch einmal höher bei 4,2870.


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