Wöchentliche Marktberichte

Jun 19, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Politik lässt die Märkte kalt 

USD

EUR USD (1,1640)

Auch wenn Angela Merkel im Asylstreit mit der Schwesterpartei CSU zwei Wochen Zeit gewonnen hat, ist es schon erstaunlich, wie wenig der Euro gestern auf die politischen Unwägbarkeiten in Deutschland reagierte. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Streit innerhalb der Koalition durchaus auch zu einem Ende der derzeitigen Regierung führen könnte. Aber vielleicht ist für viele Akteure ein derartiges Szenario einfach zu irreal, als dass man sich mit entsprechenden Euro-Positionierungen dagegen absichern müsste. Auch ist beachtlich, dass es nach den Zentralbank-Sitzungen der vergangenen Woche nicht zu weiteren Euro-Abgaben gekommen ist. Gerade weil sich die US-Notenbank etwas falkenhafter als erwartet zeigte und die EZB sich im Gegensatz dazu eher taubenhaft aufführte, hätte es durchaus auch noch weitere Euro-Verkäufe geben können. Wenn man jedoch die mittelfristigen Positionierungen der Marktteilnehmer betrachtet, muss man davon ausgehen, dass es immer noch alte Euro-Long-Positionen im Markt gibt, deren (wahrgenommener) Einstandspreis gemäß einem modellhaften Behavioral-Finance-Ansatz nun bei ca. 1,1850 liegt. Dies wäre das Niveau, an dem schiefliegende Akteure wahrscheinlich bereit wären, sich von ihren Euro-Beständen zu trennen.
Eine Statistik, die vom Markt wahrscheinlich kaum wahrgenommen wurde, ist diejenige der jüngsten TIC-Daten des US-Finanzministeriums, die die ausländischen Bestände an US-Staatsanleihen ausweist. Dabei stellen China und Japan nach wie vor die größten Gläubiger von US-Bonds. Interessanterweise sind die Anleihebestände Chinas bis Ende April gegenüber dem Jahresende 2017 fast unverändert geblieben. Dies widerspricht der oftmals geäußerten Theorie einiger Kommentatoren, China könnte im Handelskrieg mit Anleiheverkäufen im großen Stil an den USA Rache üben. Noch interessanter sind übrigens die Veränderungen beim drittgrößten Anleihegläubiger Irland. Nach dem Rekord-Rückgang der Anleihebestände im Februar in Höhe von 13,5 Milliarden USD zeigt nun die Statistik einen neuen Rekord: Irland hat sich per Ende April gegenüber dem Vormonat von US-Anleihen in Höhe von 17,5 Milliarden USD getrennt! Bereits vor zwei Monaten wurde darüber spekuliert, dass US-Unternehmen etwa in Irland unterhaltene Guthaben infolge der US-Steuerreform repatriiert hätten. Allerdings dürften diese auf US-Dollar lautenden Zahlungsströme den Wechselkurs des Euro nicht direkt tangiert haben. Aber es ist denkbar, dass im Rahmen solcher Rückführungstransaktionen auch auf Fremdwährung lautende Guthaben von US-Unternehmen in Dollar umgetauscht werden mussten, was zu vermehrtem Euro-Angebot vor allem Anfang des zweiten Quartals geführt haben könnte.
Per Saldo hat sich indes unser Verdacht erhärtet, dass es sich bei dem Kursrückgang des Euro in der vergangenen Woche im Gefolge der EZB-Sitzung um einen Einmaleffekt gehandelt haben dürfte. Denn trotz der politischen Entwicklungen in Deutschland konnte die Gemeinschaftswährung am Ende sogar etwas zulegen. Zwar bleibt der Abwärtstrend des Euro erhalten und reicht derzeit bis 1,1415. Aber die Chancen einer Konsolidierung mit einer Obergrenze bei 1,1850 sind gestiegen.

USD

USD CHF (0,9930)

Vermutlich auch mangels ökonomischer Daten bildete sich der Dollar gestern ein wenig zurück, bleibt aber im Rahmen seiner Aufwärtsbewegung, innerhalb dessen 1,0055 und danach 1,0120 erreichbar sind – zumindest solange 0,9840 an der Unterseite nicht verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8770)

Zum einen beschäftigt Pfund-Händler in dieser Woche der Gesetzentwurf zum Austritt Großbritanniens aus der EU, über dessen verschiedene Vorschläge zur so genannten "meaningful vote amendment" gestern das britische Oberhaus diskutierte. Das House of Lords hat bei der Ausgestaltung des Vorschlags, welche Rolle das Parlament spielen wird, falls die Abgeordneten einen von der Premierministerin und der EU ausgehandelten Brexit-Deal zurückweisen würden oder eine Übereinkunft mit der EU überhaupt nicht erst zustande kommen sollte, ein Mitsprachrecht. Übrigens: Das Oberhaus pochte gestern auf ein Vetorecht des Parlaments beim Brexit-Gesetz, weswegen die Gesetzesvorlage nun an das Unterhaus zur Abstimmung (vermutlich am Mittwoch) zurückgegeben wurde.  Das zweite wichtige Ereignis in dieser Woche ist die Sitzung des Geldpolitischen Ausschusses der Bank of England (MPC), von der die meisten Marktteilnehmer allerdings keine Veränderung der geldpolitischen Linie erwarten. Wichtiger dürfte allerdings der ökonomische Ausblick des MPC sein, von dem viele Akteure erwarten, dass der Wachstumseinbruch des ersten Quartals 2018 von den Zentralbankern als "vorübergehend" klassifiziert wird; eine weitere Zinserhöhung im August würde dann wahrscheinlicher. Am Ende bewegt sich der Euro gegenüber Sterling aber immer noch in seiner breiten Konsolidierung zwischen 0,8695 und 0,8835/40.

CHF

EUR CHF (1,1530)

Der IWF hat sich gestern in einem Bericht zur Schweizer Notenbankpolitik geäußert und der Nationalbank empfohlen, sie solle ihre lockere Geldpolitik beibehalten. Die Empfehlung geht aber noch weiter, denn eine etwaige Straffung der Geldpolitik solle nicht nur von der Entwicklung der Fundamentaldaten, sondern auch von der geldpolitischen Positionierung anderer Zentralbanken abhängen. Damit dürfte wohl in erster Linie die EZB gemeint sein, die letztlich mit ihrem Commitment, die Leitzinsen mindestens über den Sommer 2019 hinweg unverändert zu belassen, der SNB gewissermaßen eine ähnliche Verhaltensweise aufzwingt. Unterdessen bewegt sich der Euro innerhalb seines übergeordneten Abwärtstrends in einer Mini-Konsolidierung, deren Grenzen bei 1,1530 und 1,1650 verlaufen.

PLN

EUR PLN (4,3050)

Die polnischen Löhne sind im Mai gegenüber dem Vorjahr um 7,0 Prozent gestiegen und lagen somit ganz leicht unter den Erwartungen der Ökonomen. Gegenüber dem Vormonat wurde indes ein Rückgang von 3,0 Prozent festgestellt. Ungeachtet dieser Daten ist der Euro weiter gestiegen und bewegt sich, während wir schreiben, auf Höhe seines Auslösers für mehr bullishe Dynamik bei 4,3050. Darüber visieren wir weitere Kursgewinne in Richtung 4,3200 und 4,3550 an. Dieses Szenario bleibt nach wie vor erhalten, solange 4,2550 nicht unterlaufen wird. 


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