Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Jun 18, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Großbritannien bald orientierungslos?

USD

EUR USD (1,1590)

„We never pre-commit!“ – wir legen uns niemals vorab fest! Keinen Satz verbindet man wohl stärker mit Jean-Claude Trichet, dem früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Franzose wurde niemals müde, diese Floskel in beinahe jeder Pressekonferenz der Notenbank fallen zu lassen – wenn nötig auch mehrmals. Sein Nachfolger, Mario Draghi, hatte zu Beginn seiner Amtszeit diese markante Aussage seines Vorgängers übernommen und auch angewendet, nach und nach aber wieder aus seinem Repertoire gestrichen. Spätestens seit vergangenem Donnerstag dürfte klar sein: Bis zum Ende seiner Amtszeit wird man dieses Statement vermutlich nicht mehr von ihm zu hören bekommen. Denn jetzt hat sich die EZB-Führung vorab festgelegt.
Bemerkenswert war, dass am Freitag kaum noch negative Ausläufer des Vortageshandels zu spüren waren. Dies ist angesichts des deutlichen Rückschlages, den der Euro am Donnerstag einstecken musste, nicht selbstverständlich. Auch das stramme Wochenpensum ökonomischer Highlights, das immerhin zwei wichtige Notenbanksitzungen, eine Zinsanhebung in den USA, eine Verschärfung des US-Handelsstreits mit China sowie den dreifachen Verfallstag an den Terminbörsen enthielt, ließ Marktteilnehmer nicht kopflos agieren. Insofern hielt sich die Volatilität in der vergangenen Handelswoche bei Euro und US-Dollar insgesamt in Grenzen – sieht man einmal vom EZB-getriebenen Euro-Kursrutsch aufgrund der unerwarteten Ankündigung ab. Augenfällig war übrigens auch, wie unterschiedlich heftig die Reaktion von Anleihe- und Devisenhändlern auf die EZB-Festlegungsverkündung war. Am Rentenmarkt fielen die Reaktionen, im Vergleich zum Devisenmarkt, merklich zurückhaltender aus.
Die EZB-bezogene Kursbewegung hat vermutlich lediglich die Euro-Händler unter Druck gesetzt, die zuvor auf eine umfangreichere Erholung gehofft hatten. Nachhaltige Schieflagen sind aber anscheinend nicht entstanden, sonst hätten sich die Kursverluste am Freitag sicherlich fortgesetzt. Aufgrund des nahenden Wochenendes wären zumindest weitere Positionsglattstellungen zu erwarten gewesen. Diese blieben aber aus. Selbst gute US-Konjunkturdaten konnten nicht verhindern, dass der Euro sich wieder über die 1,16er Marke schob. Der jüngste Rückschlag dürfte also lediglich eine einmalige Kursberichtigung gewesen sein, nicht aber ein neuer Trend. Im besten Fall wird sich die obere Schwelle des kurzfristigen Euro-Abwärtstrends, der zwischen 1,1850 und 1,1425 verläuft, in die Oberkante einer neuen Konsolidierung verwandeln.

USD

USD CHF (0,9970)

Mit der verbesserten US-Verbraucherstimmung und den gestiegenen Geschäftsaktivitäten des verarbeitenden Gewerbes im Großraum New York im Rücken konnte der US-Dollar zwar auf seine Vortagesgewinne noch ein wenig draufpacken. Am Ende schloss der Greenback aber nur unwesentlich höher. Dem USD bleibt aber alle Zeit der Welt, seine Aufwärtsbewegung bis 1,0055 und danach bis 1,0120 fortzusetzen. Um dieses Szenario nicht zu gefährden, darf der Dollar nicht mehr unter 0,9840 rutschen.

GBP

EUR GBP (0,8735)

Auch wenn der Brexit erst nächstes Jahr erfolgen wird. Die Auswirkungen des bevorstehenden EU-Austritts sind bereits an zahlreichen Stellen zu spüren. Beispielsweise deutet vieles darauf hin, dass britische Unternehmen bei der Vergabe weiterer Aufträge für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo künftig ausgenommen werden. Das ist in diesem Zusammenhang aber nicht der einzige Punkt, der Großbritannien Kummer bereitet. Laut EU-Kommission sollen die Briten auch von der Nutzung des regulierten Dienstes PRS (Public Regulated Service) ausgeschlossen werden. Dies ist ein brisantes Thema, da der verschlüsselte PRS als tragende Säule für Navigationssysteme gilt, allerdings aber nur EU-Mitgliedern zur Verfügung steht. Aufgrund der wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Tragweite eines Ausschlusses ist die steigende Nervosität der verantwortlichen britischen Verhandlungsführer durchaus nachvollziehbar. Euro-Sterling-Händler haben sich in den letzten beiden Tagen der zurückliegenden Handelswoche genauso verhalten wie ihre EUR/USD-Kollegen. Einziger Unterschied: Der Euro vollzog diese Kursbewegungen gegenüber dem Pfund innerhalb einer klar abgesteckten Konsolidierung, die unverändert zwischen 0,8695 und 0,8835 verläuft.

CHF

EUR CHF (1,1560)

Auch gegenüber dem Franken war es am Freitag weniger die EZB-Ankündigung, die Euro-Händler beschäftigte, sondern eher der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China, denn dieser droht sich langsam, aber sicher zu einem handfesten Handelskrieg zu entwickeln. US-Präsident Donald Trump verhängte Zölle auf Importe aus China in Höhe von 50 Milliarden USD. Interessanterweise führte diese Nachricht aber nicht zu der üblichen Flucht in sichere Häfen. Der Euro war sogar in der Lage, die Hälfte seiner Vortagesverluste wieder wettzumachen. Hierdurch könnte eine Mini-Konsolidierung entstanden sein. Die Unterkante verläuft bei 1,1530, die obere Begrenzung bei 1,1650. Letztere wirkt aber schwammig.

PLN

EUR PLN (4,2840)

Am Wochenende entfachte der schwelende Streit zwischen polnischer Regierung und EU-Kommission erneut. Dem stellvertretenden Präsidenten der EU-Kommission, Frans Timmermans, warf die polnische Regierung vor, eine Lösung im Streit um die Justizreform zu blockieren. Zloty-Händler scheint dieser Zwist jedoch bisher kalt zu lassen. Der Euro klettert indes weiter langsamen Schrittes in Richtung 4,3050 und bleibt in leicht positivem Fahrwasser, solange er sich oberhalb von 4,2550 halten kann.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.