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Wöchentliche Marktberichte

Jun 14, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Leichter Flügelschlag der Zinsfalken

USD

EUR USD (1,1800)

Die US-Notenbanksitzung hat gestern den ganzen Tag über das Handelsgeschehen gedämpft. Dennoch gab es ein paar Ereignisse, die erwähnenswert sind. Zum einen, so wurde bereits am Dienstagabend bekannt (und von vielen Marktteilnehmern nicht beachtet!), plant US-Notenbankchef Jerome Powell, künftig (Anm: ab Januar 2019) im Anschluss an jede Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) eine Pressekonferenz abzuhalten. Dies führte unter Händlern sogleich zu Spekulationen, die Fed wolle sich die Möglichkeit offenhalten, in diesem Jahr eventuell mehr als vier Zinserhöhungen zu beschließen. Zum anderen nahm das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Wachstumsprognose für Deutschland in diesem Jahr gleich um ein halbes Prozent zurück, weswegen man dort nur noch mit einem BIP von 1,9 Prozent rechnet – für 2019 wurde die Prognose gegenüber März von 1,9 auf 1,7 Prozent gesenkt. Gut möglich, dass sich die EZB bei ihrer heutigen Sitzung ebenfalls mit den Gründen dieser Wachstumsrevision befassen wird. Diese dürfte in erster Linie auf die Unsicherheiten um Italien, aber auch in Sachen Handelskonflikt der USA mit der EU zurückgehen. Und schließlich stiegen die US-Produzentenpreise im Mai stärker als erwartet. Allerdings ohne Folgen für den Wechselkurs.
Nun aber zur US-Notenbanksitzung von gestern Abend: Wie erwartet hat der Offenmarktausschuss (FOMC) die Zielzone für die Fed Funds um 25 Basispunkte auf 1,75-2,00 Prozent angehoben. Interessantes hat sich auch hinsichtlich der Zinsprojektion der FOMC-Mitglieder, bei den so genannten „Dot Plots“, ereignet. Danach ergeben sich für dieses Jahr insgesamt vier Zinserhöhungen, wobei bereits bei der Sitzung im März die Stimme eines einzigen FOMC-Mitglieds genügt hätte, um zu einem gleichen Ergebnis zu kommen. Für 2019 sind übrigens drei Zinsschritte vorgesehen. Die Medianprognose für das Jahr 2020 bleibt unverändert bei 3,4 Prozent, und auch die langfristige Zinsvorhersage liegt mit 2,9 Prozent auf Höhe des März-Ergebnisses. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Vorhersagebänder gegenüber März an der Oberseite zum Teil sogar zurückgenommen wurden und etwas schmaler ausfallen – ein Indiz für eine gestiegene Konformität innerhalb des Ausschusses.
Die ökonomischen Prognosen für 2019 und 2020 wurden hinsichtlich des Wirtschaftswachstums lediglich für dieses Jahr um 0,1 Prozent gegenüber der März-Sitzung angehoben, während die anderen Vorhersagen unverändert blieben. Damit verfestigt sich der Eindruck, dass die Wirtschaft moderat wachsen wird. Auch die Inflationsvorhersagen (gemessen an der PCE-Kernrate) zeigen, abgesehen von einem leichten Anstieg in diesem Jahr, für 2019 und 2020 im Median unveränderte Werte.
Die erste Reaktion des Euro gestern Abend machte deutlich, dass die Händler das Statement der Fed und die Prognosen zunächst recht falkenhaft interpretiert haben mögen, aber bei näherem Hinsehen wohl zu dem Schluss gekommen sind, dass die Fed – und dies vermittelte auch die Pressekonferenz, in der Fed-Chef Jerome Powell relativ zurückhaltend wirkte – vor allen Dingen hinsichtlich ihrer Prognosen zuversichtlicher geworden ist. Und somit hat sich der Euro letztlich bereits von seiner ersten Unterstützung wieder abgestoßen und behält seinen Spielraum für weitere korrektive Aufwärtsbewegungen in Richtung 1,1955/60.

USD

USD CHF (0,9850)

Die Zinsanhebung der US-Notenbank und die erhöhte Zinsprognose, die insgesamt vier Zinsanhebungen für dieses Jahr vorsieht, hat dem Dollar nicht wirklich geholfen. Zumindest wurde die nach wie vor bestehende Hürde bei 0,9900 sogar in einer ersten „Bauchreaktion“ des Handels (0,9890) nicht einmal getestet. Damit bleibt das Risiko für eine abermalige korrektive Dollarschwäche in Richtung 0,9730 bestehen – und zwar solange, wie vorgenannte Hürde nicht überwunden werden kann.

GBP

EUR GBP (0,8790)

Die Reaktion des Devisenhandels auf den wichtigen Abstimmungssieg von Premierministerin Theresa May ("meaningful vote amendement") am Dienstagabend im britischen Unterhaus war kurzlebig. Dies zeigte zumindest die gestern eingeleitete Erholungsphase des britischen Pfundes, die kurzerhand wieder abgewürgt wurde. Spätestens mit Bekanntgabe der Inflationszahlen – der Konsumentenpreisindex blieb im Mai mit einem Plus von 2,4 Prozent im Jahresvergleich hinter den Erwartungen der Ökonomen leicht zurück – gab Sterling wieder nach. Nicht zuletzt auch weil die Inflation auf dem niedrigsten Niveau seit März 2017 notierte. Allerdings hatten die Inflationsdaten nur geringen Einfluss auf die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Punkte im August, die nach Veröffentlichung der Daten bei 43 Prozent lag. Unterdessen preist der Geldmarkt für das laufende Jahr lediglich eine einzige Zinserhöhung ein. Der Euro bleibt indes weiterhin in seiner Konsolidierungszone zwischen 0,8695 und 0,8835/40 gefangen.

CHF

EUR CHF (1,1620)

Die Schweizer Importpreise sind im Mai gegenüber dem Vormonat mit einem Plus von 0,2 Prozent nicht nur gefallen, sondern auch hinter den Erwartungen der Ökonomen zurückgeblieben. Aufs Jahr gesehen ist der Index jedoch um 3,2 Prozent gestiegen und befand sich auch im Rahmen der mittleren Prognosen. Allerdings hatten diese Daten genauso wenig Einfluss wie die für das vierte Quartal 2018 solide ausgefallene Industrieproduktion. Deswegen blieb der Euro gestern in einer recht engen Range von 40 Stellen und verharrte deswegen auch fast impulslos innerhalb seiner korrektiven, ganz leicht steigenden positiven Entwicklung, die zwischen 1,1555 und 1,1675 verläuft.

PLN

EUR PLN (4,2750)

Das besser als erwartet ausgefallene Leistungsbilanzdefizit Polens am gestrigen Handelstag hatte keine Auswirkung auf den Zloty. Und so verweilte auch der Euro in einem eher lethargischen Zustand; sein Aufwärtstrend dürfte erst nach Überschreiten von 4,3050 wiederbelebt werden. Solange die Gemeinschaftswährung nicht unter 4,2500 fällt, bleibt diese Chance immerhin erhalten.


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