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Jun 05, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

In einem Anflug von Risikofreude

USD

EUR USD (1,1690)

Eigentlich ließ sich der gestrige Handelstag recht gut an, denn die Sorgen um Italien waren weiter abgeflaut. Beispielsweise zeigte sich dies etwa an den kurzfristigen italienischen Staatsanleihen, die zum Handelsschluss mit rund 0,77 Prozent rentierten. Und so war es auch kein Wunder, dass sich bei den Euro-Händlern wieder eine gewisse Risikofreude einstellte, denn im Vergleich zum Worst-Case-Szenario der Vorwoche, die Angst vor vorgezogenen Neuwahlen, wirkte das politische Geschehen um Italien nun weit weniger bedrohlich. Aber dies ist nur ein relativer Eindruck. Denn tatsächlich hat sich bei den Vorhaben der neuen Regierung nicht viel geändert. Und spätestens, als gestern Abend schon die ersten Pläne zu einer Steuerreform für Unternehmen und Privatpersonen für den Anfang des kommenden Jahres bekannt wurden, müsste eigentlich den Akteuren klar geworden sein, dass sich bei der Ausgabenpolitik der neuen Regierung wahrscheinlich nicht viel ändern wird. Zumindest was die geplanten ökonomischen Wohltaten angeht, deren Finanzierung völlig offen ist.
Vielleicht waren es aber auch die Hoffnungen, die sich auf den Gipfel von Nordkorea und den USA am 12. Juni in Singapur richten, die zu einer erhöhten Risikofreude führten. Denn der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un plant südkoreanischen Medienberichten zufolge, die Armeespitze umzubauen. Nicht nur soll der Chef des Politbüros der Armee ausgewechselt werden, sondern auch das Amt des Verteidigungsministers mit einer moderateren Persönlichkeit besetzt werden. Auch wenn solche Personalwechsel Bestandteil eines regelmäßigen Verfahrens sein mögen, ist doch der Zeitpunkt dieser Neubesetzungen bedeutungsvoll. Denn es sieht so aus, als wolle Kim Jong Un ein Zeichen setzen, dass er es mit der Entnuklearisierung seines Landes ernst meint. Die zurückgekehrte Risikofreude zeigt sich allerdings auch daran, dass die Wetten auf eine Leitzinserhöhung der EZB für Juni 2019 wieder interessanter geworden sind. Nachdem die implizite Wahrscheinlichkeit eines derartigen Schritts noch Dienstag vergangener Woche bei 30 Prozent lag, beträgt diese nun wieder etwa 50 Prozent. Aber auch die Wahrscheinlichkeit von vier Zinsschritten in den USA noch in diesem Jahr hat sich wieder erhöht und liegt nun gemäß CME FedWatch Tool bei 38,5 Prozent, nachdem sie in der Vorwoche temporär bis auf 25 Prozent gefallen war.
Am Ende des Tages konnte der Euro allerdings seine zwischenzeitlichen Kursgewinne nicht verteidigen und landete etwa auf dem Eröffnungsniveau der europäischen Handelssitzung. Damit bleibt der Abwärtstrend des Euro erhalten und würde sich nach Unterlaufen von 1,1595 in Richtung 1,1445 verstärken. Ein Ende des steilen Trendverlaufs und eine damit einhergehende Stabilisierung sind nun bei Überschreiten von 1,1755/60 angezeigt.

USD

USD CHF (0,9880)

0,9820 scheint für den Dollar an der Unterseite derzeit das Maß der Dinge, sprich: der Korrekturen zu sein. Zumal man nicht vergessen sollte, dass sich die Wachstumsaussichten für die USA für das zweite Quartal abermals verbessert haben. Denn das viel beachtete Prognosemodell der Fed von Atlanta, GDPNow, sieht das Bruttoinlandsprodukt der USA nunmehr bei 4,8 Prozent. Diese Entwicklung ist insofern bemerkenswert, als diese normalerweise volatilen Zahlen sich im zweiten Quartal von Beginn an sehr stabil gezeigt haben. Seit dem 9. Mai liegt das Modell durchweg bei 4 Prozent Wachstum oder höher. Dennoch ist die Korrekturphase des Dollar noch nicht beendet – dies wäre nach Überschreiten von 0,9950 der Fall. Solange bleibt das Risiko tieferer Bewegungen bis auf 0,9785/90 bestehen.

GBP

EUR GBP (0,8780)

Ökonomischen Daten spielen für die Entwicklung des britischen Pfundes offenbar eine untergeordnete Rolle. Zumindest hat der etwas besser als erwartet ausgefallene Einkaufsmanagerindex des Baugewerbes Sterling gestern nicht geholfen. Medienberichten zufolge will die Regierung um Premierministerin Theresa May anscheinend einen Plan vorlegen, um die festgefahrenen Brexit-Verhandlungen in der Grenzproblematik zwischen Irland und Nordirland wiederzubeleben. Der jüngste Vorschlag, eine 10 Meilen breite Freihandels-Pufferzone entlang der Grenze zwischen Irland und Nordirland einzurichten, stößt jedoch auf Widerstand der nordirischen DUP. Und genau auf deren Stimmen ist die Regierung May angewiesen, will sie einen Mehrheitsbeschluss im Unterhaus durchsetzen. Allerdings ist nicht gesichert, dass der Euro sich gegenüber dem Pfund wegen jener Meldung wieder besser durchsetzen konnte. Am Ende bewegt sich der Euro ohnehin immer noch in seiner Seitwärtsspanne zwischen 0,8620 und 0,8845.

CHF

EUR CHF (1,1545)

Obgleich angeblich die Risikofreude zurückgekehrt ist, scheint dies im Verhältnis des Euro zum Schweizer Franken nicht wirklich zu gelten. Zwar hat Ersterer seine Kursgewinne halten können, kam aber letztlich an vier Handelstagen hintereinander nicht richtig voran auf dem Weg nach oben. Allerdings ist es gut möglich, dass die Beschäftigungslage in der Schweiz, die sich im ersten Quartal spürbar verbessert hat, dem Franken Unterstützung verliehen hat. Vor allem beim verarbeitenden Gewerbe war das Beschäftigungsplus mit 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum so stark wie zuletzt im Jahr 2008. An der grundsätzlichen Situation des Euro hat sich unterdessen nichts geändert, da dieser den derzeitigen Abwärtstrend ohnehin erst oberhalb von 1,1645 verlassen kann. Solange dies nicht der Fall ist, kann sich der Abgabedruck in Richtung 1,1425 bzw. 1,1355 jederzeit wieder neu entfalten.

PLN

EUR PLN (4,2820)

Die wiedergewonnene Risikofreude – auch wenn sie nicht lange Bestand haben sollte – hat zumindest dem Zloty derart geholfen, dass die wichtige Marke bei 4,2890 nunmehr gefallen ist. Damit ist der kurzfristige Trend des Euro zwar noch aufwärtsgerichtet, hat aber deutlich an Kraft eingebüßt, die nur mit Überschreiten von 4,3100 wiederaufleben würde. An der Unterseite würde der Gemeinschaftswährung unterhalb von 4,2750 weiteres Momentum verloren gehen – unterhalb von 4,2340 würde der Trend gänzlich zum Erliegen kommen.


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