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Wöchentliche Marktberichte

Jun 01, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Typische Erholung

USD

EUR USD (1,1680)

Immerhin hat Italien eine neue Regierung, nachdem gestern der Rechtswissenschaftler Giuseppe Conti erneut dazu beauftragt wurde, eine Koalitionsregierung aus Fünf-Sterne-Partei und Lega Nord zu bilden. Damit ist nun auch die größte Angst vieler Investoren geschwunden, dass es zu vorgezogenen Neuwahlen kommen könnte. Immerhin gab es einige Beobachter, die diese mit einem Referendum zum Verbleib Italiens in der Eurozone gleichgesetzt hätten. Nun hat sich nicht nur der Euro kräftig erholt – er blieb gestern an dem von uns antizipierten Widerstandsniveau (bei 1,1715/20) hängen, sondern auch die Renditen italienischer Staatsanleihen sind deutlich zurückgefallen. Allerdings unter heftigen Schwankungen, wenn man etwa bedenkt, dass die Rendite für zweijährige italienische Staatsanleihen alleine gestern eine Bandbreite von 60 Stellen durchlaufen hat und am Ende leicht über der 1-Prozent-Marke lag. Ob diese Erholung allerdings von Bestand sein wird, ist mit einigen Fragezeichen zu versehen. Aber es lässt sich immer wieder beobachten, dass nach Tagen des Dramas allein schon aufgrund der Gewöhnungsprozesse der Marktteilnehmer eine relative Beruhigung eintritt, bei der typischerweise positive Nachrichten einen Kontrast zum vorher Erlebten bilden. In diesem Fall waren es zwei Umfragen, die ergaben, dass sich 60 bzw. 72 Prozent der Italiener für einen Verbleib ihres Landes in der Eurozone aussprechen. Da bleibt nur zu hoffen, dass diese 60 bzw. 72 Prozent nicht auch die Wohltaten bekommen möchten, die ihnen die Koalition aus Lega Nord und Fünf-Sterne-Partei versprochen haben. Denn eine einheitliche Steuer, eine Rentenreform oder auch das bedingungslose Grundeinkommen wären nur über eine massive Neuverschuldung Italiens finanzierbar, die aber wegen ihrer Größenordnung ganz klar gegen den Euro-Stabilitätspakt verstoßen würde.
Doch ist der Euro gestern und vorgestern nicht nur wegen der Erleichterung über die Beruhigung der Ereignisse in Italien gestiegen. So übertrafen etwa die Konsumentenpreise in der Eurozone auch in der Kernrate die Erwartungen der Ökonomen. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass die EZB deswegen im Juni eine Entscheidung zur Beendigung der Anleihekäufe bekannt geben wird, denn die Entwicklung in Italien, aber auch in Spanien mit dem zu erwartenden Misstrauensvotum gegen Premierminister Rajoy, haben die Unsicherheitsfaktoren deutlich erhöht. Auch wenn Falken innerhalb des EZB-Rates durchaus der Meinung sein könnten, dass man mit den erhöhten Renditen in Italien womöglich leben müsste.
Von den USA ist gestern mit der Verkündung der Zölle auf Aluminium und Stahl, die jetzt auch für die Eurozone gelten, der Handelskrieg eröffnet worden, so dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die EU mit Gegenmaßnahmen reagieren wird. Und daher ist es auch nicht verwunderlich, dass angesichts der globalen Unwägbarkeiten die implizite Wahrscheinlichkeit für eine US-Leitzinserhöhung im Juni auf unter 90 Prozent und die diejenige für insgesamt vier Zinserhöhungen in diesem Jahr auf 30 nach gestern zutiefst 25 Prozent (vgl. CME FedWatch Tool) gesunken ist. In der vergangenen Woche betrug diese noch über 50 Prozent! Wie erwartet hat sich der Euro indes auch aufgrund des von uns avisierten fehlenden Angebots deutlich erholt und wäre sogar in der Lage, nach Überschreiten von 1,1795/00 erste Stabilität zu erreichen. Allerdings würde dies nicht eine Beendigung, sondern lediglich eine Verlangsamung des Abwärtstrends (1,2070) bedeuten, der an der Unterseite bis 1,1445 reicht.

USD

USD CHF (0,9880)

Unter den US-Inflationsdaten, die gestern veröffentlicht wurden, fand sich wenig, was dem Dollar hätte Auftrieb verleihen können. So barg der Index der privaten Konsumausgaben (PCE) per Saldo keine Überraschungen für die Anleger. Am Ende hat der Greenback seine Korrektur gegenüber dem Franken fortgesetzt und unser Korrekturpotenzial bei 0,9820/30 punktgenau erreicht. Weitere Korrekturen in Richtung 0,9745 sind denkbar, aber nicht zwingend. Die Korrekturphase ist indes nach Überschreiten von 0,9955 als abgeschlossen zu betrachten.

GBP

EUR GBP (0,8800)

Die Stimmung unter Unternehmenslenkern in Großbritannien ist so schlecht wie noch nie seit der Brexit-Abstimmung 2016. Das ergab jetzt eine monatlich durchgeführte Umfrage der Bank of England. Und je produktiver die Unternehmen, desto stärker glauben deren Bosse, dass der Brexit ihr Geschäft negativ beeinflussen werde. Die Manager der oberen Hälfte unter den produktivsten aller befragten Unternehmen rechnen damit, dass ihre Umsätze durch den Brexit um durchschnittlich 3 Prozent sinken werden. Nicht viel besser sieht das GfK-Verbrauchervertrauen für den Monat Mai aus, das zwar etwas besser als erwartet ausfiel, aber sich nach wie vor nicht (genauer gesagt: seit 29 Monaten!) im positiven Bereich befindet. Allerdings bewegt sich Sterling immer noch in der Seitwärtsspanne zwischen 0,8620 und 0,8845.

CHF

EUR CHF (1,1535)

Auch gegenüber dem Schweizer Franken konnte sich der Euro deutlich erholen, dank der während der vergangenen beiden Handelstage wieder aufgeflammten Risikofreude einiger Akteure. Tatsächlich ist aber auch diese Reaktion, die in etwa der Erholung des Euro im Verhältnis zum US-Dollar entsprach, nur als Korrektur im Abwärtstrend zu verstehen. Dieser könnte sich unterhalb von 1,1415 in Richtung 1,1345 (modifiziert) verstärken. Zumindest gilt dies solange, wie der Stabilitätspunkt bei 1,1600 nicht überwunden wird.

PLN

EUR PLN (4,3125)

Aufgrund des Fronleichnamstages gab es aus Polen gestern keine Fundamentaldaten. Der Zloty konnte sich immerhin etwas erholen, da sich die Krisensituation in Italien nun zu beruhigen scheint – ein Umstand, der auch den osteuropäischen Währungen geholfen hat. Dennoch peilt der Euro weiterhin 4,3550 an – oberhalb davon ist auch ein Test von 4,3800 denkbar. Nach wie vor bleibt der positive Ausblick bestehen, solange an der Unterseite 4,2890 unverletzt bleibt.


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