Wöchentliche Marktberichte

Mai 30, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ab in die "sicheren" Häfen

USD

EUR USD (1,1535)

Auch gestern haben die politischen Turbulenzen in Italien die Nachrichten beherrscht. Diese lösten vor allen Dingen bei Italiens Staatsanleihen dramatische Bewegungen aus. So stiegen etwa die Renditen für zweijährige italienische Staatsanleihen zeitweise auf über 2,7 Prozent, während diejenige deutscher Papiere mit gleicher Laufzeit im selben Zuge bis auf -0,85 Prozent zurückfielen. Aber es fand nicht nur eine Flucht in stabilere Staatsanleihen statt, sondern vor allen Dingen waren auch die typischen Fluchtbewegungen in so genannte „sichere Häfen“ wie den Franken und interessanterweise auch den japanischen Yen zu beobachten. Letzterer legte beispielsweise gegenüber dem Euro binnen einer Woche zeitweise um mehr als 4,5 Prozent zu. Um nur die allerwichtigsten Reden von gestern zu erwähnen, sei zum einen auf den Chef der Italienischen Notenbank, Ignacio Visco, verwiesen, der sich mit einer regelrechten Brandrede zu Wort meldete. Das Land sei „nur wenige, kleine Schritte von der schwerwiegenden Gefahr entfernt, Vertrauen zu verspielen“, so Visco. Auf der anderen Seite äußerte der scheidende EZB-Vizepräsident Vitor Constancio, jede [möglicherweise notwendige] Intervention der EZB müsse „der Erfüllung unseres Mandats dienen“ und „bestimmten Bedingungen“ folgen. Italien, so Constancio, kenne die Regeln. Unterdessen gibt es kaum noch Zweifel, dass die von Carlo Cottarelli geführte Übergangsregierung ein Misstrauensvotum im Parlament wahrscheinlich nicht überstehen würde. Gut möglich, dass Cottarelli sein Amt überhaupt gar nicht erst antritt, womit Neuwahlen bereits am 29. Juli möglich wären.
Die Angst der Investoren, dass die Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega Nord bei Neuwahlen noch besser abschneiden könnten als bei der Wahl im März, ist daher verständlich. Allerdings haben es beide Parteien bislang vermieden, explizit einen Austritt aus der Eurozone zu ihrem Wahlkampfthema zu machen. Die dann notwendig werdende Restrukturierung der Schulden Italiens würde nämlich vor allem zahlreiche Privathaushalte in großem Umfange treffen, was auch den beiden Parteien bewusst sein dürfte.
Unterdessen hat der Euro während der gestrigen Handelssitzung unser nächstes Ziel bei 1,1505/10 erreicht. Und was die Entwicklung der Gemeinschaftswährung angeht, kann zumindest gesagt werden, dass deren Abwärtstrend nicht nur auf die Italien-Krise zurückzuführen ist. Wie wir bereits gestern feststellten, dürfte es Alt-Positionen geben, die noch nicht ausgekehrt worden sind. Denn deren (wahrgenommener) Einstandspreis liegt nach Berechnungen eines Modells der Behavioral Finance mit circa 1,1930 zwar recht weit entfernt, aber wahrscheinlich noch nicht weit genug, um eine Kapitulation aus verbliebenen Euro-Long-Positionen auszulösen. Der Abwärtstrend des Euro hat sich allerdings noch einmal verstärkt und kann sich durchaus in Richtung 1,1445/50 oder gar noch tiefer fortsetzen. Auf der anderen Seite ist in der näheren Kursumgebung nur wenig Angebot übriggeblieben, weswegen wir im Falle einer kräftigen Erholung erst bei 1,1715/20 mit nennenswerten Abgaben rechnen. Der Punkt für eine erste Stabilisierung des angeschlagenen Euro liegt nun bei 1,1835.

USD

USD CHF (0,9935)

Es hätte gestern nicht viel gefehlt und der Dollar hätte seine Korrekturphase beendet. Doch statt 0,9980 zu überwinden, ein Schritt, der auch heute die Abwärtskorrektur beenden könnte, erlitt der Greenback einen Rückschlag. Vermutlich, weil der Franken als sogenannter sicherer Hafen dem Dollar derzeit vorgezogen wird. Dieser kann im Rahmen erneuter korrektiver Abwärtsbewegungen immer noch bis 0,9820/30 zurückfallen.

GBP

EUR GBP (0,8715)

Ausgesprochen wenig gibt es von Pfund Sterling zu vermelden, was angesichts der Italien-Thematik auch nicht überraschen sollte. Und wenn es Interessantes zu vermelden gab, betraf dies eher die Entwicklung der britischen Währung im Verhältnis zum US-Dollar, dem gegenüber das Pfund gestern auf den niedrigsten Stand seit November vergangenen Jahres gefallen war. Hauptargument: Das Vertrauen der Akteure, dass die Bank of England die Zinsen in diesem Jahr noch einmal erhöhen wird, befinde sich auf dem Rückzug, hieß es. Relativ übersichtlich zeigte sich indes die Reaktion des Euro gegenüber Pfund Sterling – die Seitwärtsspanne zwischen 0,8620 und 0,8845 bleibt erhalten.

CHF

EUR CHF (1,1450)

Die große Fluchtbewegung in den Schweizer Franken hält an und hat den Euro gestern fast bis auf unser nächstes Ziel bei 1,1430 gedrückt. So gesehen hat der Chef der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, vollkommen recht, wenn er die Währungssituation als fragil einschätzt und sich für den Fall der Fälle zu Negativzinsen und möglichen Interventionen bekennt. Denn bereits jetzt ist der Abwärtstrend des Euro so stark, dass unterhalb vorgenannten Ziels auch noch das nächste wichtige Niveau bei 1,1315 getestet werden könnte. In diesem Falle wäre die seit Anfang 2017 begonnene Aufwärtsbewegung des Euro im Großen und Ganzen innerhalb von drei Wochen zur Hälfte zunichte gemacht worden. Unterdessen liegt der Stabilitätspunkt mit 1,1640 deutlich tiefer, aber dennoch recht weit entfernt.

PLN

EUR PLN (4,3385)

Die Italien-Krise hat auch den Zloty gestern in Mitleidenschaft gezogen, weswegen der Euro nun unser nächstes Ziel bei 4,3300 erreicht hat – die nächste Marke liegt bei 4,3550, darüber ist auch ein Test von 4,3800 möglich. Der positive Ausblick bleibt bestehen, solange an der Unterseite nun 4,2890 nicht verletzt wird.


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