Wöchentliche Marktberichte

Mai 29, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Nach der Wahl ist fast schon vor der Wahl

USD

EUR USD (1,1630)

Wegen der feiertagsbedingten Abwesenheit der Händler aus London (Bankfeiertag) und New York (Memorial Day) hätten die europäischen Marktteilnehmer eigentlich einen ruhigen Tag verdient. Aber es sollte anders kommen. Denn die gescheiterte Regierungsbildung in Rom hatte gestern in einer ersten Reaktion am frühen Morgen zu einer kleinen Euphoriewelle an Italiens Aktienmärkten geführt, und auch der Euro zeigte sich von seiner freundlichen Seite. Woher der plötzliche Optimismus kam, war eigentlich nicht so recht nachzuvollziehen, denn Giuseppe Contes Verzicht auf das Amt des Ministerpräsidenten konnte eigentlich nichts Gutes bedeuten. Aber diese Tatsache war von den Akteuren eben zunächst „weniger schlecht“ als erwartet (eine Regierung mit einem Euro-kritischen Finanzminister) wahrgenommen worden. Die Folgen waren indes vorgezeichnet. Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella hatte dann auch recht schnell den Wirtschaftsexperten Carlo Cottarelli mit der Bildung einer sogenannten Technokraten-Regierung für den Übergang bis zu späteren Neuwahlen beauftragt. Diejenigen, die sich anfänglich bezüglich des Euro optimistisch gezeigt hatten, mussten alsbald einsehen, dass der Trend in die andere Richtung ging: Mit 1,1605 wurde nicht nur ein neues Jahrestief, sondern auch beinahe das untere Ende unseres Abwärtstrends berührt. Die Unsicherheit und auch die wirtschaftlichen Risiken für Italien bis zu den Neuwahlen machen nicht nur den Händlern Sorgen. Zumal Umfragen zufolge eine mögliche Neuauflage des Bündnisses aus Lega Nord und der Fünf-Sterne-Bewegung bei Neuwahlen sogar noch mehr Stimmen als zuletzt bekommen könnten.
Dass sich der Euro derart schwach präsentiert, liegt jedoch auch an den Schieflagen. Sie haben den starken Abwärtstrend, der immer noch geordnet verläuft, verursacht. Man muss sich nur einmal die jüngsten CFTC- Zahlen spekulativer Positionen an der Chicagoer Futures-Börse ansehen, um ein Stimmungsbild zum Euro zu bekommen. Zwar ist dort die Anzahl der Euro-Long-Kontrakte zum fünften Mal hintereinander auf den tiefsten Stand dieses Jahres gefallen, aber gegenüber dem Allzeithoch vom 20. April (151.000 Kontrakte) beträgt dieser Rückgang seither nicht einmal 30 Prozent. Auch wenn diese Zahlen bereits eine Woche alt und auch nicht für den Gesamtmarkt repräsentativ sind, verraten sie doch viel über Positionierungen im Markt. Viele Akteure haben sich noch nicht von der Vision eines festen Euro verabschiedet – nicht aus Überzeugung, sondern meist einfach aus einem einzigen Grund: Die Einstandspreise ihrer Engagements befinden sich mittlerweile so weit entfernt vom aktuellen Kursniveau, dass man diese Verluste möglichst nicht realisieren möchte. Unterdessen reicht der Abwärtstrend mit der derzeitigen Geschwindigkeit heute bis 1,1585 (keine gute Unterstützung), und auch Kursverluste bis 1,1505/10 wären denkbar. Wie erwartet zeigten sich gestern erste Verkäufer bereits kurz oberhalb von 1,17, eine weitere Angebotsschicht wartet bei 1,1805/10; allerdings ist eine Stabilisierung erst oberhalb von 1,1910/15 möglich.

USD

USD CHF (0,9935)

Mangels Fundamentaldaten und wegen des gestrigen US-Feiertages blieben die Kursausschläge überschaubar. Dass der Franken per se gestern nicht von Kapitalzuflüssen profitiert hat, zeigt sich an dessen Verhältnis zum US-Dollar. Dieser konnte sich sogar ein wenig befestigen, ohne seine Korrekturphase allerdings abschließen zu können. Diese sehen wir nach wie vor erst nach Überschreiten von 0,9980 als beendet an. Bis dahin sind leichte korrektive Schwächeanfälle des USD bis 0,9820/30 möglich, aber nicht zwingend.

GBP

EUR GBP (0,8745)

Ein Bankfeiertag wie gestern in Großbritannien hindert Politiker nicht daran, Reden zu halten. So meldete sich die Chefin der schottischen Regionalregierung, Nicola Sturgeon, zu Wort, sie habe EU-Chefunterhändler Michael Barnier über die Absichten Schottlands in Sachen Brexit informiert. Sturgeon betonte noch einmal, dass Schottland Teil der EU bleiben wolle, und verwies darauf, dass man im Falle einer Unabhängigkeit aber nicht den Euro, sondern weiterhin das britische Pfund als Währung behalten wolle. Tatsächlich ist ein derartiges zweites Referendum geplant, sobald die Bedingungen für den Brexit klar sind. Allerdings hat Pfund Sterling gestern kein Eigenleben entwickelt. Vielmehr geht der Rückgang des Wechselkurses in die Mitte seiner Seitwärtsspanne zwischen 0,8620 und 0,8845 fast nur auf Euroschwäche zurück.

CHF

EUR CHF (1,1550)

Gestern dürfte wohl der wieder wahrscheinlich gewordene Gipfel zwischen den USA und Nordkorea, möglicherweise unter Mitwirkung von Südkorea, Frankenhändler kaum interessiert haben. Denn geopolitisch liegen die unsicheren Verhältnisse in Italien einfach näher. Und so kam es nach anfänglicher Beruhigung wieder zu (relativer) Franken-Stärke, die allerdings nicht aus einer intrinsischen Stärke der Schweizer Währung herrührt, sondern ihre Ursache im Abwärtstrend des Euro hat. Dieser kann sich gegenüber dem Franken ebenfalls fortsetzen und zwar in Richtung 1,1475, darunter auch auf 1,1430. Eine erste Stabilisierung des kurzfristigen Trends wäre indes erst nach Überschreiten von 1,1695/00 angezeigt. 

PLN

EUR PLN (4,3040)

Die Gemeinschaftswährung kommt nicht so recht voran auf ihrem Weg nach oben. Gestern gab es sogar einen leichten Rückschlag, aber der Kurs auf 4,3300 bzw. 4,3550 wurde dadurch nicht beeinträchtigt. Dieser positive Ausblick bleibt nach wie vor bestehen, solange 4,2650 nicht verletzt wird.


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