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Mai 28, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Furcht vor neuer Euro-Krise wächst

USD

EUR USD (1,1720)

Einmal mehr prasselten zum Ende der vergangenen Woche zahlreiche politische Nachrichten auf die Finanzmärkte ein. So viele, dass die am Freitag veröffentlichten Fundamentaldaten dies- und jenseits des Atlantiks fast nebensächlich oder zumindest nur am Rande wahrgenommen wurden. Dieser Umstand war vermutlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Zahlen allesamt recht durchwachsen ausfielen. In Deutschland bewegte sich beispielsweise das Ifo-Geschäftsklima im Vergleich zum Vormonat nicht von der Stelle. Optimisten versuchten vergeblich, das Beste aus dem Stimmungsindex herauszuholen, indem sie darauf hinwiesen, er sei immerhin zum ersten Mal seit fünf Monaten nicht mehr gefallen. In den USA trübte sich die Verbraucherstimmung im laufenden Monat hingegen weiter ein. Der Auftragseingang langlebiger US-Wirtschaftsgüter konnte ebenfalls nicht überzeugen – er war im April rückläufig.
Zum einen war es also der Mangel an positiven Wirtschaftsmeldungen, zum anderen die hohe Zahl an teils beunruhigenden politischen Entwicklungen, die zum Wochenschluss auf die Finanzmärkte wirkten – allen voran die verwirrenden Aussagen von US-Präsident Donald Trump rund um den Nordkorea-Gipfel. Die Nachrichten aus Südeuropa waren keinen Deut besser: Für Verunsicherung sorgte ein Misstrauensvotum, das die Sozialisten im Parlament gegen die Regierung des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy eingebracht hatten. Nervös macht Investoren auch weiterhin die politische Situation in Italien, was an der Sprunghaftigkeit der Verantwortlichen liegen dürfte. Abzulesen war dies an den Aktienindices, die in beiden Ländern deutlich in die Verlustzone rutschten. Da gleichzeitig Anleihen gesucht waren und der Goldpreis auf den höchsten Stand seit Ende vergangenen Jahres kletterte, erstaunt es nicht, dass erste Finanzmarktkommentatoren die nächste Euro-Krise im Anmarsch sehen. Dieser Verdacht erhärtete sich am Wochenende, als die Ratingagentur Moody's bekannt gab, sie ziehe in Erwägung, Italiens Bonität herabzusetzen.
Die negative Entwicklung hat unübersehbar auf den Euro abgefärbt. Der Abwärtstrend lässt weitere Kursrückgänge bis 1,1600 (gesenkt) erwarten. Erste Verkäufer warten nun bereits knapp oberhalb der 1,17er Schwelle sowie bei 1,1855. Eine Stabilisierung ist jedoch erst jenseits von 1,1930 möglich.

USD

USD CHF (0,9910)

Davon abgesehen, dass die Konjunkturdaten aus den USA am Freitag sehr dürftig ausfielen, dürften solche „Fundamentals“ derzeit ohnehin nur eine untergeordnete Rolle für die Dollar-Kursentwicklung spielen. Denn Händler schauen momentan eher auf politische Schlagzeilen. Hier stach am Freitag unter anderem die Aussage von Russlands Präsident Wladimir Putin hervor, der auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg vor einer Wirtschaftskrise, wie sie „die Welt noch nicht gesehen hat“ warnte. Die Korrekturphase des US-Dollar ist noch nicht abgeschlossen und könnte sich auch noch bis 0,9820/30 ziehen. Dieses Potenzial muss aber nicht vollständig ausgeschöpft werden. Im Gegenteil. Eine rasche Gegenbewegung jenseits des 0,9980er Widerstands würde die laufende Korrektur bereits vorzeitig beenden.

GBP

EUR GBP (0,8785)

Kurz bevor am Freitag das britische Statistikamt ONS die zweite Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das erste Quartal veröffentlichte, keimte bei einigen wenigen Pfund-Händlern noch die Hoffnung auf, es würde ein besseres Ergebnis zustande kommen als bei der vorangegangenen Berechnung. Dieser Wunsch erfüllte sich jedoch nicht. Das BIP lag unverändert bei plus 0,1 Prozent, die britische Wirtschaft ist also seit Jahresbeginn so gut wie nicht gewachsen. Das bekümmert auch Bank of England-Gouverneur Mark Carney. Bei einer Rede am Freitag zog er – im Zusammenhang mit einem „ungeordneten“ Austritt Großbritanniens aus der EU – sogar in Erwägung, gegebenenfalls auf geplante Leitzinserhöhungen zu verzichten. Sterling-Händler ließen sich vor dem Wochenende aber nicht auf Interpretationen ein. So verblieb der Euro, wie schon an den Tagen zuvor, in der Mitte seiner Seitwärtsrange, die zwischen 0,8620 und 0,8845 verläuft.

CHF

EUR CHF (1,1615)

Die Abfuhr, die US-Präsident Donald Trump Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un erteilte, sorgte für Verunsicherung, was Anleger am Freitag erneut in den Schweizer Franken trieb. Ob das anschließende Verwirrspiel, das Trump veranstalte, indem er den zuvor abgeblasenen Nordkorea-Gipfel-Termin am 12. Juni in Singapur erneut als mögliches Datum für ein Treffen ins Spiel brachte, heute früh beruhigend auf den Handel wirken wird, darf jedoch bezweifelt werden. Der Euro-Abwärtstrend hat sich stark beschleunigt und kann sich bis auf 1,1475 fortsetzen. Der Stabilisierungspunkt dieses kurzfristigen Trends liegt nun tiefer bei 1,1745.

PLN

EUR PLN (4,3040)

Polens zentraler Haushaltsüberschuss summierte sich im Betrachtungszeitraum von Januar bis April dieses Jahres auf 9,3 Milliarden Zloty (ca. 2,52 Milliarden USD). Der Überschuss sowie die positive Arbeitsmarktentwicklung haben zu einer Ermäßigung der Transferleistungen geführt, die das Finanzministerium in den Topf der staatlichen Sozialversicherung abführt. Auf den Euro-Aufwärtstrend hatte diese Nachricht aber keine Wirkung. Die Gemeinschaftswährung bleibt auf Kurs in Richtung 4,3300 und könnte jenseits dieser Marke gar bis 4,3550 vordringen. Voraussetzung bleibt, dass 4,2650 nicht verletzt wird.


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