Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Mai 07, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Verliert Europa den Anschluss?

USD

EUR USD (1,1945)

Interessanterweise richtete sich die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte während der vergangenen Handelstage wieder verstärkt auf den Euro. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Gemeinschaftswährung hat an Wert verloren. Kommentatoren begründen inzwischen sogar die Erholung des deutschen Aktienmarkts mit besagtem Wertverlust. Die Exportwirtschaft, heißt es in solchen Situationen, würde davon profitieren. Dass die meisten Großunternehmen ihre Währungsrisiken aktiv managen und deutsche Exporteure auch schon mit Kursen um die 1,60 USD zu leben wussten, muss den betreffenden Kommentatoren wohl entgangen sein.
Tatsächlich schwächelt der Euro bereits seit Mitte April. Seitdem gab es zahlreiche Fundamentaldaten, die Akteuren den Eindruck vermittelten, die Vereinigten Staaten seien Europa, was künftige Inflations- und Konjunkturaussichten angeht, eine Nasenlänge voraus. Daher sehen einige Analysten mittlerweile eine drohende Konjunkturabkühlung auf Europa zusteuern, was die Europäische Zentralbank allerdings völlig anders darzustellen versucht. US-Marktbeobachter nutzen die Gunst der Stunde. Sie betrachten die jüngste Datenentwicklung der Eurozone mit Sorge. Der Zustand der eigenen Konjunktur wird hingegen als florierend oder gar boomend dargestellt. Mit entsprechenden Erwartungen blickte man am Freitag auf anstehende Konjunkturdaten, sowohl hierzulande als auch in Übersee. Tatsächlich entsprachen sie der zuvor beschriebenen Situation: Die Eurozone vermeldete eine leicht eingetrübte Unternehmensstimmung sowie schwächere Einzelhandelsumsätze als erhofft. Demgegenüber stand ein robuster US-Arbeitsmarktbericht. Zwar hinkte der Stellenzuwachs den Erwartungen ein wenig hinterher. Ein 17-Jahres-Tief bei der Arbeitslosenquote, die nun bei 3,9 Prozent liegt, ließ aber keine Zweifel aufkommen. Diese Rate liegt nun fast auf dem zuletzt prognostizierten Niveau (Median) der US-Notenbankvertreter, das für 2018 bei 3,8 Prozent liegt.
Der Euro tendiert nach wie vor schwächer und könnte in Richtung 1,1865/70 abgleiten. Eine kurzfristige Stabilisierung erfordert hingegen ein Überwinden des 1,2165er Widerstandes.

USD

USD CHF (1,0000)

Nach Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten preschte der Dollar auf ein neues Sechs-Monats-Hoch vor. Das hohe Aufwärts-Momentum bleibt vorerst intakt und lässt dem USD Möglichkeiten, bis 1,0105 vorzudringen. Kurzfristig darf dafür jedoch die 0,9900/05er Marke (angehoben) nicht verletzt werden.

GBP

EUR GBP (0,8825)

Der Kursverlauf des Euro gegenüber dem britischen Pfund zeigt, dass es sich bei der jüngsten Schwäche, die die Gemeinschaftswährung insbesondere zum US-Dollar an den Tag legt, nicht um eine generelle Erschöpfungsphase handelt. Allerdings leidet das Pfund derzeit auch unter den politischen Querelen, die vergangene Woche erneut den Takt vorgaben. Zum einen aufgrund der Kommunalwahlen in England, bei denen Labour nicht punkten konnte und UKIP völlig unterging. Zum anderen, weil die britische Premierministerin Theresa May nicht nur mit der stagnierenden Wirtschaftstätigkeit ihres Landes, sondern auch mit Kollegen aus den eigenen Reihen – einer Gruppe konservativer Brexit-Hardliner, die als sogenannte European Research Group firmiert – zu kämpfen hat. Dies könnte gegebenenfalls für Irritationen, im schlimmsten Fall sogar für böse Überraschungen sorgen. Deshalb geben Devisenhändler derzeit dem Euro den Vorzug. Damit kann dieser weiter seinen Aufwärtstrend in Richtung 0,8895 vorantreiben. Jedenfalls solange an der Unterseite 0,8715 nicht verletzt wird.

CHF

EUR CHF (1,1955)

Am 10. Juni wird in der Schweiz wieder einmal abgestimmt. Diesmal geht es um die sogenannte „Vollgeld-Initiative“. Sie soll Sparguthaben sicherer machen und die Kreditvergabe der Banken einschränken. Kurz vor dem Wochenende äußerte sich Notenbank-Präsident Thomas Jordan zum Thema: „Vollgeld wäre wie Sand im Getriebe unseres Kreditwesens“, warnte er. In der Schweizer Bevölkerung zeichnet sich ein gespaltenes Meinungsbild ab. Umfrageergebnisse der Mediengruppe Tamedia von Ende April zeigen, dass 42 Prozent sich klar bzw. eher für die Initiative entscheiden würden, während 45 Prozent sie ablehnen. 13 Prozent hatten indes keine konkrete Meinung. Auch bleibt unklar, inwieweit sich die Abstimmung auf den Franken auswirken könnte. Die jüngste Konsolidierung des Euro dauert weiter an. Die 1,1940er Bastion ist mehrfach getestet worden. Für den Erhalt des Euro-Aufwärtstrends ist aber die 1,1915er Marke weit wichtiger. Solange sie standhält, kann die Gemeinschaftswährung bis auf 1,2035 und 1,2095 vordringen. 

PLN

EUR PLN (4,2420)

Polens umstrittene Justizreformen haben in der EU-Kommission schon für reichlich Unruhe gesorgt. Nun könnte die polnische Regierung kurzfristig zu weiteren Zugeständnissen bereit sein. Nachbesserungen würden dem Parlament bereits vorliegen, vermeldete die Nachrichtenagentur PAP am Freitag. Der Zloty machte zum Wochenschluss seine kompletten Mai-Verluste wett. Die Aufwärtsbewegung des Euro ist dadurch jedoch bisher nicht neutralisiert worden. Solange die Gemeinschaftswährung oberhalb von 4,2350 notiert, kann sie weiter in Richtung 4,3050 bzw. 4,3300 vordringen.

HUF

EUR HUF (313,60)

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban ist im Allgemeinen für seine markigen Sprüche und im Speziellen für seine rigide Haltung gegenüber der EU bekannt. Am Freitag hat er wieder einmal gepoltert und in einem Radiointerview mit einem Veto gegen den neuen EU-Haushaltsplan gedroht. Über den Vorschlag der EU-Kommission müssten die Mitgliedstaaten einstimmig entscheiden, weswegen sich „die Ungarn keine Sorgen machen" müssten. Der Euro behält gegenüber dem Forint die Oberhand. Seinen Aufwärtstrend kann er in Richtung 316,10 ausbauen, solange die 312,00er Marke hält.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.