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Wöchentliche Marktberichte

Mai 03, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ein beinahe ausgewogenes Statement

USD

EUR USD (1,1975)

Wer sich noch einmal vergewissern wollte, wie es um das Wachstum hierzulande bestellt ist, musste sich nur die gestrige erste Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt der Eurozone für das zweite Quartal 2018 vor Augen führen. Es ist gegenüber dem Vorquartal zwar schwächer, aber dennoch wie erwartet ausgefallen. Tatsächlich sieht es nach einer Wachstumsdelle aus. In diesem Tenor äußerte sich gestern auch sinngemäß Bundesbankpräsident Jens Weidmann in einer Rede; allerdings hält er die Befürchtung, der konjunkturelle Aufschwung sei zu Ende, für überzogen. Immerhin gab Weidmann auch noch eine Einschätzung in Sachen Leitzinsen ab: Er findet es „nicht unvernünftig“, den ersten Zinsschritt für Mitte 2019 zu erwarten. Für einen ausgewiesenen Zinsfalken wie ihn stellt dies allerdings keine überzogene Prognose dar.
Unterdessen machten sich die Marktteilnehmer gestern über etwaige Kapitalströme aus dem Euro-Raum heraus in Richtung USA Gedanken. Denn die von Irland gehaltenen US-Staatsanleihen sind im Februar auffallend deutlich um 13,5 Milliarden USD gesunken – es handelt sich um den größten monatlichen Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen des US-Finanzministeriums. Auch wenn es sich hierbei bislang nur um ein einziges Datum handelt, wurde von einigen Beobachtern sofort die gedankliche Brücke zu Repatriierungsströmen wegen der US-Steuerreform geschlagen. In diesem Zusammenhang mögen Sie sich vielleicht daran erinnern, dass es im Rahmen der US-Steuerreform auch eine Regelung für die im Ausland befindlichen Gewinne von US-Unternehmen gibt. Diese werden nämlich mit einem einmaligen Steuersatz von 15,5 Prozent für liquide und mit 8 Prozent auf illiquide Investments belegt. Die Gewinne, die schätzungsweise zwischen 2,5 und 3,5 Billionen USD betragen sollen, werden in jedem Fall – ob in die USA zurückgeführt oder nicht – mit dem einmaligen Steuersatz belastet. Und weil ein Teil dieser Gewinne auf Fremdwährungen lautet, die im Zweifel gegen US-Dollar verkauft werden müssten, gab es im vergangenen Dezember (wir berichteten darüber) Prognosen, dass der Euro deswegen unter die Räder kommen könnte. Nun ist das erste Quartal dieses Jahres zunächst überhaupt nicht so verlaufen, als ob es großartige Repatriierungsströme in Richtung USA gegeben hätte. Tatsächlich ist diese Diskussion erst mit dem Rückgang des Euro wieder aufgeflammt. Gut möglich, dass sich US-Unternehmen erst einmal en detail mit der Steuerreform auseinandersetzen mussten, bevor entsprechende Entscheidungen gefällt wurden.
Gestern gab es nun auch noch eine Sitzung der US-Notenbank. Wie von fast allen Akteuren erwartet, erfolgten keine geldpolitischen Beschlüsse des Offenmarktausschusses (FOMC), womit die Zielzone für die Fed Funds zwischen 1,5 und 1,75 Prozent verbleibt. Das Communiqué kann unter dem Strich fast als ausgewogen bezeichnet werden. Zwar war das Vertrauen in den Inflationsausblick gegenüber der vergangenen Sitzung etwas erhöht, aber mit dem feinsinnigen Hinweis verbunden, man werde auch ein leichtes Überschießen bei einem Inflationsziel von 2 Prozent tolerieren. Auf der anderen Seite zeigten sich die FOMC-Mitglieder hinsichtlich des Wachstums etwas zurückhaltender und billigten diesem nur eine moderate Geschwindigkeit zu. In einer ersten Reaktion gab der US-Dollar etwas nach, doch der Abwärtstrend des Euro bleibt intakt und kann sich in Richtung 1,1905/10 fortsetzen. Auf der anderen Seite würde mit Überschreiten von 1,2090/95 dem Abwärtstrend bereits ein Teil seiner Dynamik genommen – jenseits von 1,2210/15 ergäbe sich für die Gemeinschaftswährung eine erste Stabilisierung.

USD

USD CHF (0,9985)

Auch unser nächstes Ziel bei 0,9980 ist mittlerweile erfüllt worden, so dass das Überschreiten der Parität nur noch eine Formsache darstellen dürfte. Allerdings sehen wir aktuell aufgrund der Steilheit des derzeitigen Aufwärtstrends – elf der vergangenen zwölf Handelstages sind positiv beendet worden – von weiteren Zielmarken an der Oberseite ab. Der Trend bleibt jedenfalls mit hohem Momentum intakt, solange 0,9900 nicht unterlaufen wird.

GBP

EUR GBP (0,8820)

Jacob Rees-Mogg, Abgeordneter der Torys, will den jüngsten Brief der Brexit-Anhänger an Theresa May nicht als Ultimatum verstanden wissen. Dennoch haben ihn zahlreiche Beobachter als Drohung aufgefasst. Denn nach einem Bericht des "Telegraph" warnte Rees-Mogg davor, die britische Regierung werde zusammenbrechen, wenn sich die Premierministerin wie geplant auf eine Zoll-Partnerschaft mit der EU einlassen sollte. Gemäß dem Vorschlag zu dieser Partnerschaft würden Grenzkontrollen zwischen Großbritannien und der EU nach dem Brexit vermieden werden. Dennoch blieben die Reaktionen im Wechselkurs überschaubar, zumal mit dem Einkaufsmanagerindex für das Baugewerbe zum ersten Mal seit längerem wieder einmal ein ökonomisches Datum auf der positiven Seite überraschte. Dennoch hat der Euro nach wie vor das Zeug, seinen Aufwärtstrend bis mindestens 0,8895 fortzusetzen – zumindest solange an der Unterseite das Niveau von 0,8710 nicht verletzt wird.

CHF

EUR CHF (1,1940)

Auch wenn die Schweizer Einzelhandelsumsätze deutlich schwächer als erwartet ausgefallen sind, hat dies dem Franken bestenfalls temporär etwas geschadet. Am Ende des Tages befand sich der Euro wieder auf seiner Unterstützung bei 1,1940, mit deren Unterlaufen der Aufwärtstrend zwar nicht beendet, aber das Erreichen weiterer Niveaus an der Oberseite bei 1,2035 und 1,2075 verzögert würde. Die Untergrenze des Aufwärtstrends liegt nun bei 1,1890.

PLN

EUR PLN (4,2745)

Der Konsumentenpreisindex Polens hat sowohl im Monats- als auch im Jahresvergleich etwas über den Erwartungen gelegen. Dies mag auch ein Grund dafür gewesen sein, dass der Euro seinen scharfen Aufwärtsimpuls der vorvergangenen beiden Handelstage gestern nicht fortgesetzt, sondern sich stattdessen konsolidiert hat. Die Aufwärtsbewegung kann jederzeit in Richtung 4,3050 bzw. 4,3300 fortgesetzt werden, solange an der Unterseite 4,2350 nicht unterlaufen wird.


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