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Wöchentliche Marktberichte

Apr 27, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EZB regungslos, Devisenmarkt nicht

USD

EUR USD (1,2105)

Es ist schon bezeichnend, wenn eine der erkenntnis- und ereignislosesten EZB-Sitzungen der vergangenen Monate den Auslöser darstellt, den Euro aus seiner ausgedehnten Konsolidierung zu bugsieren. Natürlich dürfte jedem Marktteilnehmer klar gewesen sein, dass die EZB den Leitzins auf seinem Rekordtief von 0 Prozent belassen und auch den Einlagenzins von -0,4 Prozent nicht antasten würde. Dass es aber nicht den Hauch einer Änderung in der geldpolitischen Marschrichtung gab, dürfte einige Akteure sehr wohl überrascht haben. Noch bemerkenswerter ist allerdings ein anderer Umstand: Das formale Notenbank-Statement entsprach Wort für Wort dem im März veröffentlichten Communiqué. Dies bedeutet im Klartext: Das Anleihekaufprogramm wird, wie geplant, bis September 2018 mit 30 Milliarden Euro pro Monat fortgeführt. Auch in diesem Punkt zeigte EZB-Präsident Mario Draghi keinerlei Hinweis von Änderungsbedarf. Was also um alles in der Welt hat Devisenhändler dazu getrieben, den Euro erst auf ein neues Tagestief zu drücken, dann ein neues Tageshoch zu markieren, um ihn danach auf den tiefsten Stand seit Mitte Januar – und damit aus seiner dreimonatigen Seitwärtsphase – zu schieben?
Hat Draghi vielleicht etwas nicht gesagt, was eigentlich insgeheim erwartet wurde? Mag sein, aber zumindest hat sich nicht erfüllt, worüber im Laufe der vergangenen Wochen immer wieder unter Händlern und Investoren spekuliert wurde: Die EZB könnte das laufende Anleihekaufprogramm womöglich schneller als allgemein erwartet beenden. Auch wirkte Draghi optimistisch, als es in der Pressekonferenz um den langfristigen Aufschwung, das Lohnwachstum, vor allem aber um Risiken ging. Sogar bei der Nennung potenzieller Störfeuer, wie beispielsweise den schwelenden Handelskonflikt zwischen USA und China, strahlte Draghi, Zuversicht aus.
Auf der Suche nach etwas Geldpolitischem, das sich von der vorangegangenen EZB-Sitzung unterscheidet, fiel lediglich ein Satz in der Pressekonferenz auf: Draghi bemerkte, der Rat habe die Geldpolitik (in Hinblick auf die Juni-Sitzung) nicht diskutiert. Was am Ende blieb, war der Eindruck: Passiert ist nichts, aber die EZB hält sich alle Optionen offen.
Draghi hat an seinem geldpolitischen Kurs festgehalten, der Euro an seiner Konsolidierung hingegen nicht. Er sitzt nun kurz vor seiner 1,2070er Unterstützung, die seinen mittelfristigen Aufwärtstrend verteidigt. Versagt diese Marke, könnte sich dies angesichts des bevorstehenden Wochenendes negativ auf die weitere Kaufbereitschaft kurzfristig operierender Euro-Händler auswirken.

USD

USD CHF (0,9895)

Wenn der Franken, wie gestern, noch nicht einmal gegen den ansonsten sehr lädiert wirkenden Euro punkten konnte, wird schnell klar: Der US-Dollar hatte leichtes Spiel. Er setzte sich – wie schon in den vergangenen zwei Wochen – mühelos gegen den Franken durch. Positive US-Konjunkturdaten – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen auf den tiefsten Stand seit fast 50 Jahren, Aufträge für langlebige Güter stiegen überraschend stark an – zündeten den Turbo des kurzfristigen USD-Aufwärtstrends. Der Greenback steuert zielstrebig auf unsere 0,9925er Marke (darüber gar 0,9975) zu. Dieses starke Momentum wird aber nur solange zur Verfügung stehen, wie die 0,9785er Unterstützung verteidigt wird.

GBP

EUR GBP (0,8695)

Das Pfund glänzte gestern eigentlich nicht mit eigener Stärke. Der Euro lieferte indes auf breiter Front eine schwache Vorstellung ab – auch gegenüber Sterling. Obgleich ein Zinsschritt der Bank of England am 10. Mai alles andere als ausgemacht scheint, litt der Wechselkurs gestern in erster Linie, weil sich Marktteilnehmer eine Vergrößerung der Zinsdifferenz zugunsten von Sterling vorstellen konnten. Immerhin hatten sich die von der CBI (Confederation of British Industry) berichteten Einzelhandelsumsätze nicht ganz so schlecht entwickelt, wie ursprünglich befürchtet. Nach den Daten versprühten Einzelhändler immer noch eine gewisse Zuversicht. Der gestrige Rücksetzer war zwar recht deutlich, jedoch hat der Euro seine jüngst zurückeroberte Stabilität noch nicht verloren. Um sie zu bewahren, darf er die 0,8660er Marke nicht unterschreiten.

CHF

EUR CHF (1,1980)

Angesichts der enormen Summen, die von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) als Währungsreserven gehalten werden, hätte es eigentlich keine große Überraschung sein dürfen. Trotzdem fiel nach Vorlage ihrer Geschäftszahlen – die Notenbank hatte gestern Morgen für das erste Quartal einen Verlust von 6,8 Milliarden Franken ausgewiesen – die SNB-Aktie um mehr als 6,5 Prozent. Schuld war der Bewertungsrückgang der gewaltigen Währungsreserven. Aktienhändler hielt das ordentlich auf Trab. Devisenmarktteilnehmer hingegen beobachteten das Treiben gelassen von der Seitenlinie. Der Euro notierte gegenüber dem Franken kaum verändert und besitzt immer noch die Möglichkeit, in Richtung 1,2035, darüber auch noch bis 1,2080 vorzudringen. Bedingung dafür bleibt, dass die 1,1910er Unterstützung nicht verletzt wird.

PLN

EUR PLN (4,2260)

Seit gestern hat der polnische Präsident Andrzej Duda dazu eingeladen, über eine neue Verfassung zu debattieren, so dass die Bürger des Landes möglichst bald über die Besetzung der politischen Ämter entscheiden, ergo, die Verfassung mitgestalten werden dürfen. Vergleichsweise unspektakulär ging es indes im Zloty-Handel zu, obwohl der Euro gestern nach der starken Performance der vergangenen Tage den höchsten Kurs seit Mitte März erreichte und die Oberkannte einer neuen Konsolidierung (4,13 - 4,24) formte. Ein erneuter Angriff der Oberseite ist jedoch höchst wahrscheinlich. Wichtige Nachfrage wartet indes bei 4,1950.


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