Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Apr 26, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Alte Statements und die Schweigeperiode 

USD

EUR USD (1,2175)

Als wir vorgestern über die Schweigeperiode bei der US-Notenbank wegen der am kommenden Mittwoch endenden Sitzung schrieben, konnten wir noch nicht wissen, dass dieses Thema gestern noch einmal aufgekocht werden würde. Allerdings nicht wegen der Fed, sondern wegen der EZB. Während die meisten Akteure davon ausgegangen waren, dass sich am Tag vor der heutigen Sitzung der Notenbank Ruhe unter den Händlern breitmachen würde, sorgte ein Statement von EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch für etwas Aufsehen. Denn während man mehrheitlich eigentlich davon ausgeht, dass die EZB sich heute bei ihrer Pressekonferenz eher vorsichtig zeigen und zumindest keine Entscheidungen hinsichtlich der Beendigung des Anleihekaufprogramms treffen wird, vermittelte Mersch einen anderen Eindruck. Die Rede ist von einem Statement, das gestern auf einer Website von Eurofi zu lesen war. Danach hätten die Entscheidungsträger der EZB ihre Bedenken über die jüngste Schwäche bei den Konjunkturdaten und auch hinsichtlich der Inflation weggewischt, so Mersch. Zumal die Entwicklung beim Rückgang der Inflationsrate nicht so stark ausgefallen war, wie dies die internen Berechnungen ergeben hätten. In ein ähnliches Horn stieß Merschs Ratskollege Vitas Vasiliauskas, der sich zuversichtlich zeigte, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm bald auslaufen lassen könnte. Vermutlich nicht um dieses Statements zu relativieren, sondern eher wegen der auch bei der EZB einzuhaltenden Schweigeperiode, erfolgte umgehend eine Richtigstellung der EZB: Die Statements für die Webseite der Eurofi seien bereits am 21. März versandt worden. Damals waren die Akteure tatsächlich in Hinblick auf eine frühere Bekanntgabe der Rückführung des Anleihekaufprogramms durch die EZB noch wesentlich optimistischer gewesen.
Am Ende fällt jedoch auf, dass der Euro auch vor der Richtigstellung der EZB nicht mit einem großen Sprung nach oben reagierte. Stattdessen bewegte er sich weiterhin peu à peu in Richtung der Untergrenze unserer seit Wochen gültigen Konsolidierungszone zwischen 1,2150/55 (leicht modifiziert) und 1,2555. Wahrscheinlich nicht einmal aus eigener Schwäche, sondern weil sich der Greenback auch gestern von seiner starken Seite zeigte. In jedem Fall würde auch nach Versagen der Untergrenze noch 1,2070 als letzte Bastion im mittelfristigen Aufwärtstrend dienen.

USD

USD CHF (0,9825)

Zwar zeigt vorgenannte Befragung auch für die US-Konjunktur seit zwei Monaten negative Erwartungen der Investoren, aber der Haupteinfluss für die eingetrübte Stimmung beruht auf wesentlich niedrigeren Erwartungen hinsichtlich der Schweizer und auch der Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone. Abgesehen davon spricht natürlich auch für die gestrige Entwicklung des US-Dollar – es handelt sich immerhin um den siebten Tagesgewinn hintereinander – die Zinsdifferenz zum Franken. Dabei wurde gestern unser nächstes Ziel an der Oberseite (0,9845) fast punktgenau erreicht. Jenseits davon könnte im Rahmen einer relativen kurzfristigen Überhitzung auch noch 0,9925 angesteuert werden. Dieses hohe Momentum kann jedoch nur Bestand haben, solange 0,9745 ab sofort nicht mehr unterlaufen wird.

GBP

EUR GBP (0,8730)

Das britische Pfund sieht gegenüber dem Euro zwar etwas fester aus, aber die Bewegungen halten sich in Grenzen. Vielleicht lag es aber auch an Brexit-Minister David Davis, der zwar in Sachen Brexit zumindest von einem grob umrissenen Deal mit der EU ausgeht und gestern vor einem Parlamentsausschuss diesbezüglich nichts wesentlich Neues von sich gab, wovon Sterling hätte profitieren können. Allerdings machte Davis deutlich, dass das Unterhaus eine entsprechende Vereinbarung korrigieren könnte. Um dann sogleich hinzuzufügen, dass er wie selbstverständlich davon ausgehe, dass das Parlament für den Austritt aus der Zollunion – eine entsprechende Abstimmung könnte bereits im nächsten Monat erfolgen – stimmen würde. Auch sei er nicht bereit, darüber zu spekulieren, was im Falle einer Abstimmungsniederlage der Regierung passieren würde. Alles gut? Zumindest gehen Brexit-Beobachter davon aus, dass es eine Mehrheit für einen Verbleib in der Zollunion im Parlament geben wird. So gesehen, verlief das Handelsgeschehen noch vergleichsweise ruhig. Für den Euro bleibt die Ausgangslage unverändert stabil, wobei sich oberhalb von 0,8800 ein neuer kurzfristiger Aufwärtstrend in Richtung 0,8965 eröffnen würde.

CHF

EUR CHF (1,1965)

Das Stimmungsbild der Schweizer Investoren hat sich einer Konjunktur-Umfrage der Crédit Suisse zufolge im April deutlich eingetrübt. Die Erwartungen sind damit auf den niedrigsten Stand seit Ende 2016 gefallen. Erwartungsgemäß hat die Umfrage allerdings keinen wesentlichen Einfluss auf den Wechselkurs gehabt. Nach wie vor gehen wir nämlich davon aus, dass der Euro das Zeug hat, in Richtung 1,2035, darüber auch noch bis 1,2080 zu marschieren. Dabei darf an der Unterseite 1,1900 nicht mehr verletzt werden.

PLN

EUR PLN (4,2300)

An der polnischen Arbeitslosenquote (sie fiel wie erwartet aus) hat es bestimmt nicht gelegen, dass der Zloty weiter abgerutscht ist. Dabei nähert sich der Euro der Obergrenze seiner breit angelegten mittelfristigen Seitwärtsbewegung bei 4,2425. Die Gemeinschaftswährung bleibt in freundlicher Verfassung, aber ohne konkretes Kurspotenzial, solange 4,1930 nicht unterlaufen wird.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.