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Wöchentliche Marktberichte

Apr 24, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Veränderte Wahrnehmung

USD

EUR USD (1,2220)

Bei der Wahrnehmung der Marktteilnehmer scheint sich während der vergangenen drei Handelstage offenbar einiges verändert zu haben. Denn der Euro musste nicht nur deutlich Federn lassen, sondern fiel auch noch auf den niedrigsten Stand seit dem 1. März dieses Jahres. Es kann aber nicht nur daran gelegen haben, dass die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen – sie rückte vor allen Dingen wegen der runden 3-Prozent-Marke in den Vordergrund – für ein Umdenken beim Euro gesorgt hat. Denn auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen hat während der vergangenen Tage deutlich angezogen. Offensichtlich haben sich die Euro-Bullen zu sicher gefühlt, vermutlich auch wegen der seit Wochen anhaltenden Seitwärtsbewegung.
Aber macht der Euro – genau genommen müsste man eigentlich eher vom Dollar sprechen – nicht das, was man angesichts der steigenden Zinsdifferenz ohnehin erwarten müsste? Abgesehen davon, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China nicht mehr im Brennpunkt des Marktgeschehens steht, sind es in erster Linie auch veränderte Meinungen hinsichtlich der Entwicklung der kurzfristigen Zinsen in den USA und Europa. Für beide gab es gestern eigentlich recht ordentliche Daten zu den Einkaufsmanager-Indices. Dass die Zahlen in den USA über den Erwartungen lagen, passte den Händlern ohnehin ins Konzept. Aber waren die europäischen Daten denn so schlecht? Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone (Composite, erste Schätzung) lag nicht nur etwas über den Erwartungen, sondern auf dem gleichen Niveau wie im Vormonat. Dennoch hatte man den Eindruck, die Akteure hätten sich schon längst damit abgefunden, dass die EZB nicht nur bei ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag, sondern auch bei der Zusammenkunft im Juni wohl keinen Aktionismus an den Tag legen wird, um einen Hinweis zu geben, wann das Anleihekaufprogramms beendet wird.
Schließlich sorgte auch noch ein Statement des designierten Chefs der Fed von New York, John Williams, dafür, dass die Akteure ihr Augenmerk immer weniger auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China richten. Williams vertrat nämlich in einem Interview die Auffassung, man könne noch nicht sagen, ob das Risiko eines Handelskrieges ernsthaft bestehe. Natürlich wären die Folgen für die Wirtschaft im Falle eines Falles negativ, aber der geldpolitisch als Falke einzuordnende Williams machte deutlich, dass er seinen Glauben an fortgesetzte Zinserhöhungen beibehalten würde.
Am Ende des Tages ist der Euro nun immer weiter in die Nähe der Untergrenze seiner Konsolidierungszone zwischen 1,2155 und 1,2555 gerutscht. Allerdings wäre selbst nach einem Versagen der unteren Begrenzung noch nicht sofort ein neuer Abwärtstrend des Euro eingeläutet. Dieses Risiko würde sich nämlich erst unterhalb von 1,2070 erhöhen.

USD

USD CHF (0,9785)

Der US-Dollar verbuchte den fünften Handelstag hintereinander einen deutlichen Gewinn, vermutlich auch wegen der sich vergrößernden Zinsdifferenz zum Franken. Dabei steht der Greenback nun vor dem nächsten größeren Widerstand bei 0,9790 und kann seinen Trend darüber auch noch in Richtung 0,9835 fortsetzen. Dies unter der Voraussetzung, dass nun an der Unterseite 0,9680 nicht mehr verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8755)

Das Interesse der Akteure mag sich während der vergangenen Handelstage vor allen Dingen auf die Frage konzentriert haben, ob nun die Bank von England bei ihrer Sitzung im Mai oder später den Leitzins erhöhen würde. Dabei mag es dem einen oder anderen entgangen sein, dass nach der Niederlage der britischen Regierung im Oberhaus diese zwar am Montag ihren Entschluss bekräftigte, nicht in der Zollunion mit der EU bleiben zu wollen. Allerdings formiert sich derzeit im Unterhaus immer deutlicherer Widerstand gegen diese Pläne, so dass man sich von einer nicht bindenden Abstimmung am Donnerstag zumindest einen Überblick über die Kräfteverhältnisse von Gegnern und Befürwortern der Zollunion – auch in der eigenen Partei – verspricht. Medienberichten zufolge könnte Premierministerin Theresa May, sofern sich die EU-freundlichen Kräfte durchsetzen sollten, bei einer späteren verbindlichen Abstimmung im Mai indes gezwungen sein, diese mit einer Vertrauensfrage zu verbinden. Den Wechselkurs haben diese Nachrichten allerdings kaum beeinflusst. Für den Euro bleibt die Ausgangslage unverändert stabil, wobei sich oberhalb von 0,8800 ein neuer kurzfristiger Aufwärtstrend in Richtung 0,8965 eröffnen würde.

CHF

EUR CHF (1,1945)

Eigentlich musste es so kommen, dass der Euro kurz über der 1,20er Marke hängen blieb und dann einen Rücksetzer erlitt. Gut möglich, dass an dieser Stelle einige kurzfristige Short-Positionen im Euro etabliert wurden, wohl in der Hoffnung, mit 1,20 einen guten Einstandspreis zu haben. Wir glauben indes, dass diese kurzfristigen Engagements gegen den Euro schon bald wieder zurückgenommen werden. Deswegen gehen wir nach wie vor davon aus, dass sich der Aufwärtstrend des Euro nach kurzer Zeit wieder fortsetzen wird. Der Weg weist immer noch in Richtung 1,2015 und darüber nun bis 1,2080. Das Ganze aber nur unter der Voraussetzung, dass 1,1880 nicht unterlaufen wird.

PLN

EUR PLN (4,2015)

Eigentlich sind die Einzelhandelsumsätze im März in Polen deutlich höher ausgefallen als erwartet. Und auch die Zahlen zum Budgetdefizit können sich eigentlich sehen lassen. Allerdings wird nicht erwartet, dass die Zentralbank deswegen die sich auf niedrigstem Niveau befindenden Leitzinsen erhöhen wird. Unterdessen: Einige Marktteilnehmer müssen, insbesondere wegen der Entwicklung an den Bondmärkten, auf dem falschen Fuß erwischt worden sein. Der Euro bleibt allerdings ohne richtungsweisendes Trendpotenzial in seiner stabilen Umgebung, solange 4,1810 nicht unterlaufen wird.


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