Wöchentliche Marktberichte

Apr 23, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Flatterhafte Zinstaube

USD

EUR USD (1,2275)

Am europäischen Verbrauchervertrauen kann es nicht gelegen haben, dass der Euro am Freitag auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen zurückgefallen ist. Denn dieses war besser als erwartet ausgefallen. Auch glauben wir nicht, dass der Produzentenpreisindex in Deutschland, der geringfügig hinter den mittleren Erwartungen zurückgeblieben war, der Gemeinschaftswährung einen solchen Stoß versetzt hat. Vielmehr muss man den Blick nach Amerika richten, wo sich am vergangenen Freitag einige Vertreter des Offenmarktausschusses der US-Notenbank zu Wort gemeldet hatten. Im Großen und Ganzen ohne Überraschungseffekt. Von einer Ausnahme abgesehen. Lael Brainard, Direktoriumsmitglied der Fed. Diese hatte nämlich geäußert, dass sich die US-Ökonomie im Einklang mit der Strategie gradueller Zinserhöhungen befinden würde. Dies war insofern recht starker Tobak, als Brainard normalerweise eher zu den Zinstauben als den Falken gerechnet wird. Ihr Statement gegenüber dem TV-Sender CNBC mag sogar den Ausschlag gegeben haben, weshalb vor dem Wochenende die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA mit einem Intraday-Hoch von rund 2,96 Prozent höher als zuletzt im Januar 2014 gelegen hatten. Zugleich setzte der Dollar mit einem Male Nachfragekräfte in Bewegung, so dass auch der Euro Federn lassen musste.
Aber es war nicht nur Lael Brainard, die für Missmut bei den Euro-Bullen sorgte. Zuvor hatten sich nämlich EZB-Präsident Mario Draghi und Bundesbankpräsident Jens Weidmann zu Wort gemeldet. Als ausgewiesene Zinstaube äußerte sich Draghi zum Wachstum in der Eurozone gewohnt vorsichtig und bescheinigte der Euroland-Konjunktur, sie könnte im laufenden Zyklus bereits ihren Zenit überschritten haben. Weidmann hingegen, wohl der extremste Falke im EZB-Rat, wollte indes nichts davon wissen und prognostizierte für Deutschland schlimmstenfalls eine leichte, temporäre Verringerung des Wachstumstempos. Diese beiden Stellungnahmen per se hätten vermutlich keine Positionsverschiebung ausgelöst. Wenn da nicht wieder die so genannten „verlässlichen Quellen“ gewesen wären, die gegenüber Bloomberg durchblicken ließen, die EZB-Entscheider würden sich womöglich noch nicht mal bei ihrer Juni-Sitzung bezüglich einer Änderung des geldpolitischen Kurses und der Beendigung des Anleihekaufprogramms äußern. Vielmehr wolle man sich Zeit nehmen und sich erst bei der folgenden Zusammenkunft im Juli dazu äußern, so mit der Angelegenheit vertraute EZB-Offizielle.
Auch wenn diese Quellen sich gerade in der jüngeren Vergangenheit oftmals nicht als zuverlässig erwiesen haben, hatte es diesmal gereicht, den Glauben der Akteure an eine straffere Geldpolitik zunächst einmal zu untergraben. Damit ist auch unser Aufwärtsimpuls aus der vergangenen Woche erwartungsgemäß wieder einmal nicht zum Tragen gekommen. Der Euro bewegt sich unterdessen nach wie vor in der bekannten Konsolidierungszone zwischen 1,2155 und 1,2555.

USD

USD CHF (0,9755)

Auch am Freitag bewegte sich der US-Dollar weiter in Richtung 0,9800, wobei nun direkt davor für heute bei 0,9790 recht guter Widerstand ausgewiesen ist. Um die Dynamik aufrechtzuerhalten, darf nun 0,9605 an der Unterseite nicht mehr gebrochen werden.

GBP

EUR GBP (0,8755)

Der Chef der Bank von England, Mark Carney, ist angesichts der enttäuschenden ökonomischen Daten der abgelaufenen Handelswoche – etwa die hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Inflationszahlen, die Entwicklung bei den Stundenlöhnen und dem Einzelhandel – hinsichtlich einer Leitzinserhöhung im Mai leicht auf die Bremse getreten. Nach dem Motto, es fänden in diesem Jahr auch noch weitere Sitzungen [und nicht nur diejenige im Mai] statt, an denen man die Zinsen erhöhen könne. Und so ist es alles andere als verwunderlich, dass die implizite Wahrscheinlichkeit für einen derartigen Schritt gemäß BoEWatch (Reuters) auf unter 50 Prozent gefallen ist, nachdem diese zu Wochenanfang noch bei knapp 70 Prozent gelegen hatte. Nach wie vor gilt, dass ein Überschreiten von 0,8800 den Euro in eine wesentlich bessere Position mit Perspektive in Richtung 0,8945 bringen würde. Einzig nennenswerter Widerstand wäre auf diesem Weg bei 0,8885 zu vermelden – zum Erhalt dieser positiven Entwicklung dürfte in jedem Fall 0,8680 nicht mehr unterlaufen werden.

CHF

EUR CHF (1,1975)

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, muss wohl zu denjenigen Zentralbankern gehören, die sich momentan besonders gut fühlen. Denn ein Euro über 1,20, wenn auch nicht deutlich, ist für ihn noch kein Grund, geldpolitische Änderungen vorzunehmen. Die ökonomische Lage sei immer noch trotz einer sich abschwächenden Währung fragil, äußerte Jordan. Damit stehen die Zeichen weiterhin günstig, dass sich der Aufwärtstrend des Euro in Richtung 1,2015 und darüber 1,2060 fortsetzen wird. Nach wie vor aber nur, solange die Unterstützung bei 1,1880 nicht unterlaufen wird.

PLN

EUR PLN (4,1750)

Ohne weitere ökonomische Einflüsse hat sich der Euro am Freitag relativ leicht stabilisieren können. Tendenziell könnte nun eine kleine Konsolidierungszone zwischen 4,1500 und 4,1840 entstehen, wobei eine direktionale Trendentwicklung derzeit nicht besonders wahrscheinlich ist.


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