Wöchentliche Marktberichte

Apr 19, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Risikofreude ist in aller Munde

USD

EUR USD (1,2380)

Die Risikofreude sei zurückgekehrt, hieß es gestern vielerorts. Nicht zuletzt, weil die USA und Nordkorea anscheinend direkt miteinander verhandeln wollen. Allerdings hat davon der Euro recht wenig profitiert, was eventuell auch daran liegt, dass die endgültigen Konsumentenpreise in der Eurozone gegenüber dem Vorjahr etwas schlechter als zuletzt geschätzt ausgefallen sind. Allerdings – und damit wäre dieses Argument weitgehend entkräftet – gilt dies nicht für die Kerninflation, die mit den ursprünglich geschätzten 1,0 Prozent (ebenfalls gegenüber dem Vorjahr) der Prognose genau entsprochen hat. Einen anderen Grund, warum die Gemeinschaftswährung zumindest gegen den US-Dollar nicht so richtig an Fahrt gewinnen will, könnte man aus der jüngsten Fondsmanagerumfrage von BofA Merrill Lynch herauslesen. Danach stehen Shortpositionen in US-Dollar in der Beliebtheitsskala der Fondsmanager an zweiter Stelle. Das passt auch zu den am vergangenen Freitag veröffentlichten Daten der CFTC in Hinblick auf die Futures-Börse in Chicago. Und ein Teil dieser Shortpositionen im USD spiegelt sich auch in bullishen Euro Positionen wider. Unter den gestrigen Nachrichten ist möglicherweise ein Statement von EZB-Ratsmitglied Villeroy de Galhau von den Händlern nicht zur Kenntnis genommen worden. Obwohl der Präsident der Banque de France der Eurozone ein robustes Wachstum bescheinigte, sei ihm nicht entgangen, dass sich dieses möglicherweise verlangsamt habe. Auch machte Villeroy de Galhau auf die gestiegenen Risiken aufgrund von Protektionismus, ungünstigen Wechselkursentwicklungen oder Marktverwerfungen aufmerksam, weswegen sich die Geschwindigkeit hinsichtlich einer strafferen Geldpolitik der EZB möglicherweise verlangsamten könnte. Da Villeroy de Galhau jedoch eher als Zinstaube gilt, brachte seine Rede den Euro nicht in Verlegenheit. Dieser bleibt fast unbewegt innerhalb seiner Konsolidierungszone zwischen 1,2155 und 1,2555.

USD

USD CHF (0,9680)

Auch wenn sich hartnäckig das Gerücht hält, dass der US-Dollar gestern von zurückgekehrter Risikofreude profitiert haben soll – gegenüber einem Korb von Währungen war dieser Gewinn doch ausgesprochen übersichtlich. Immerhin: Im Verhältnis zum Franken hat der Greenback unseren nächsten Widerstand überwunden und ist nun auf dem Weg in Richtung 0,9800. Um dieses Momentum allerdings aufrechtzuerhalten, darf an der Unterseite 0,9575 ab sofort nicht mehr unterlaufen werden.

GBP

EUR GBP (0,8650)

Sterling-Optimisten sind gestern ziemlich enttäuscht worden. Nicht nur weil der Aufwärtstrend gegenüber dem Euro an einer entscheidenden Stelle (0,8625/30) gebremst wurde. Darüber hinaus sind die britischen Inflationsdaten für den Monat März durchweg niedriger als erwartet ausgefallen. Das gilt für den Konsumentenpreisindex, der gegenüber dem Vormonat mit 0,3 Prozent im Plus erwartet, aber dann nur mit +0,1 Prozent publiziert wurde, wie auch für die Jahresinflation, die in der Kernrate mit +2,3 Prozent nicht nur unter den Erwartungen, (+2,5 Prozent), sondern auch noch unter dem Wert des Vormonats lag. Nach den am Dienstag bereits enttäuschend ausgefallenen durchschnittlichen Wochenlöhnen dürfte sich die Zahl derjenigen, die im Mai mit einem Zinsschritt der Bank of England rechnen, mittlerweile verringert haben. Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung des Euro gegenüber dem Pfund wider, der sich von seinem wichtigen Nachfrageniveau bei 0,8620/25 (geringfügig modifiziert) eindrucksvoll abgestoßen hat. Allerdings hat es bislang noch nicht für eine Stabilisierung gereicht – das Niveau dafür liegt nun bei 0,8755.

CHF

EUR CHF (1,1990)

Der Euro hat gestern gegenüber dem Franken beinahe die berüchtigte 1,20er Linie touchiert und somit den höchsten Kurs seit 39 Monaten erreicht. Wie bereits berichtet, erwarten wir bei diesem Niveau keinen größeren Widerstand, und auch der gestrige kleine Rücksetzer des Euro mochte bestenfalls historischer Ehrfurcht oder der Angst vor einer runden Zahl geschuldet sein. Auch gehen wir nicht davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank nun als Abgeber von Euro-Reserven tätig wird, die sie zwischen Oktober 2011 und Januar 2015 angesammelt hat. Stattdessen setzen wir auf eine Trendfortsetzung in Richtung 1,2015, darüber auch bis 1,2050. Zur Wahrung dieses positiven Szenarios darf nun die Unterstützung bei 1,1850 nicht mehr unterlaufen werden.

PLN

EUR PLN (4,1610)

Nun hat sich mit Jerzy Kropiwnicki ein Mitglied des Geldpolitischen Rates der Polnischen Nationalbank dem Gedankenspiel etwaiger unkonventioneller geldpolitischer Maßnahmen seines Kollegen Łukasz Hardt angeschlossen. Zwar sieht Kropiwnicki die Inflationsentwicklung derzeit als unbedenklich an. Aber außergewöhnliche Maßnahmen könnten im Falle einer größeren Wachstumsschwäche notwendig sein. Auch wenn es sich derzeit nur um theoretische Überlegungen handelt, hat sich der Euro gestern geringfügig befestigen können. Er bleibt jedoch immer noch in seinem leichten Abwärtssog in Richtung 4,1365 (modifiziert), wobei nun allerdings bereits nach Überschreiten von 4,1720 eine Stabilisierung angezeigt wäre.


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