Wöchentliche Marktberichte

Apr 17, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Britische Konsumenten auf dem Rückzug

USD

EUR USD (1,2380)

Es liegt wohl allein im Auge des Betrachters, ob man den Euro momentan als besonders fest oder eher als anfällig einstuft. Gestern zumindest war einer dieser Tage, an denen der Euro stabil aussah. Tatsächlich wissen viele Händler im Augenblick nicht, wie sie den Euro bewerten sollen. Und da sich die Gemeinschaftswährung aktuell nach einem Modell der Behavioral Finance auch noch in der Nähe des wahrgenommenen durchschnittlichen Einstandspreises mittelfristig orientierter Marktteilnehmer bewegt, scheinen zurzeit keine allzu großen Schieflagen die Akteure unter Zugzwang zu setzen. Aber eigentlich müsste man zumindest aus fundamentaler Sicht einigen Grund zur Sorge haben. Denn die Zahl derer, die ein sich verlangsamendes Wachstum für die Eurozone vorhersehen, scheint zunehmend größer zu werden.
So war etwa einem Artikel der Financial Times zu entnehmen, dass nach einem Echtzeitmodell (Fulcrum Nowcast) das Wachstum in der Eurozone nur noch 1,2 Prozent betragen soll. Ende 2017 sprach man noch von 3,5 Prozent! Das Modell wäre keiner weiteren Erwähnung wert, wenn es im vergangenen Jahr nicht bereits frühzeitig das überraschende Wachstum in der Eurozone, getragen vor allen Dingen von Deutschland und Frankreich, angezeigt hätte. Ein Wachstum, das immerhin die Europäische Zentralbank noch bei ihrer vergangenen Sitzung im März zu einem positiven Tonfall im Protokoll, aber auch in ihrem ökonomischen Bulletin desselben Monats zu einer ausgesprochen optimistischen Wachstumsprognose veranlasste hatte. Diese scheint nun infrage zu stehen. Allerdings sind die schlechten Wachstumsaussichten, über die sich Kommentatoren bereits seit einigen Wochen Sorgen machen, keineswegs lokal auf die Eurozone begrenzt. Auch sind deren Ursachen noch nicht klar. Ob die lockere Geldpolitik der EZB langsam an Wirkung zu verlieren scheint? Im besten Fall kamen die ungünstigen Aussichten jenes Modells aufgrund des ungünstigen Wetters im ersten Quartal zustande und wären somit nur temporärer Natur. Der Euro jedenfalls zeigte sich gestern innerhalb seiner Konsolidierungszone zwischen 1,2155 und 1,2555 wieder einmal von seiner stabilen Seite, wobei wir dieses positive Signal zwar begrüßen, aber dennoch die Gefahr eines erneuten Fehlimpulses – gerade innerhalb dieser Marktphase ohne direktionalen Trend – als relativ hoch bewerten.

USD

USD CHF (0,9605)

Wenig Richtungsweisendes gab es gestern auch im Handel mit USD/CHF. Immerhin waren in den USA die Einzelhandelsumsätze besser als erwartet ausgefallen, allerdings nicht in der Kernrate, die gerade einmal den mittleren Erwartungen der Ökonomen entsprach. Am Ende geriet der Dollar auch gegenüber dem Franken minimal unter Druck, wobei sich an der Oberseite nach wie vor relativ wenig Widerstand bis 0,9690 einstellen dürfte. Darüber wäre sogar eine Fortsetzung des Aufwärtstrends bis zur wichtigen 0,9780er Marke möglich. Um das gegenwärtige Momentum zu wahren, darf nun 0,9520 (leicht modifiziert) nicht unterlaufen werden.

GBP

EUR GBP (0,8635)

Die heimische Nachfrage sei so schlecht, wie seit dem vierten Quartal 2016 nicht mehr, beklagte der Chef der britischen Handelskammer in der vergangenen Woche. Nun veröffentlichte gestern das Kreditkartenunternehmen Visa die inflationsbereinigten Ausgaben der Konsumenten für das erste Quartal 2018, die gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent gefallen waren – immerhin handelt es sich um den stärksten Rückgang seit dem vierten Quartal 2012. Darüber hinaus sind die Online-Umsätze zum ersten Mal seit zehn Monaten gesunken. Visa, deren Kartenumsätze etwa ein Drittel der britischen Verbraucherausgaben ausmachen, zeigt sich allerdings zuversichtlich, dass dieser Rückgang in erster Linie nur auf das schlechte, schneereiche Wetter zurückzuführen sei. Dennoch bleibt die Stärke von Sterling bemerkenswert, so dass sich der Euro nicht mehr so recht von seiner Unterstützung bei 0,8625/30 lösen kann. Sollte diese versagen, würde sich der Trend des Euro unweigerlich in Richtung 0,8500 entwickeln. Der Stabilisierungspunkt an der Oberseite ist indes nur geringfügig auf 0,8765 gesunken.

PLN

EUR PLN (4,1550)

Die polnische Netto-Inflationsrate ist im März sowohl gegenüber dem Vormonat als auch dem Vorjahr etwas höher als erwartet ausgefallen. Dies mag aber nur einer der Gründe dafür gewesen sein, dass sich der Zloty weiter befestigte. Wie auch die Valuten Tschechiens und Ungarn war die polnische Währung angeblich als sogenannter sicherer Hafen gesucht. Wie auch immer: Der Abwärtssog des Euro hält an und kann sich nunmehr in Richtung 4,1335, gegebenenfalls auch 4,1250 verstärken. Auf der anderen Seite wäre allerdings Stabilität schon recht schnell erreicht; und zwar mit Überschreiten von 4,1785.

CHF

EUR CHF (1,1890)

Die Schweizer Erzeugerpreise sind im März deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben – sowohl im Monats- als auch im Jahresvergleich. Aber die Kursreaktionen blieben überschaubar, zumal sich der Euro gestern in einer Bandbreite von weniger als 30 Stellen bewegte. Aktuell und während wir schreiben, liegt der Euro exakt auf seiner 1,1890er Zielmarke. Ist diese überwunden, dürfte sich der Aufwärtstrend in Richtung 1,2015 fortsetzen. Dieses Szenario bleibt gültig, solange an der Unterseite 1,1805 nicht verletzt wird.


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