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Apr 11, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Falke beflügelt Zinsfantasien

USD

EUR USD (1,2360)

Es war schon ein kleiner Aufreger, den EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny gestern in einem Interview mit Reuters verursachte. Möglicherweise wurde der Präsident der Österreichischen Nationalbank aber einfach auch nur falsch verstanden. Nowotny hatte nämlich, wie es sich für einen geldpolitischen Falken gehört, ein Ende der Anleihekäufe der EZB bis zum Jahresende in Aussicht gestellt. Und als er dann noch erklärte, er könne sich vorstellen, dass der Einlagenzins in einem ersten Schritt von -0,4 auf -0,2 Prozent und in einem zweiten auch der Hauptrefinanzierungssatz, der Leitzins, erhöht würden, war die Aufregung unter den Händlern groß. Obwohl Nowotny keine Angaben darüber machte, wann die Zinsen erstmals steigen könnten, schien es, als ob einige Akteure damit bereits vor Beendigung der Anleihekäufe rechneten. Dennoch ist der Euro eigentlich nicht rasant, aber immerhin zunächst so gestiegen, als ob alle weiteren Nachrichten keine Rolle mehr spielen sollten.
Gut möglich aber auch, dass die Projektion des US-Haushaltsinstitutes CBO, wonach die Neuverschuldung der USA bereits zwei Jahre früher als ursprünglich prognostiziert, also im Jahr 2020, die Grenze von 1 Billion USD überschreiten werde, für Druck auf den US-Dollar gesorgt hatte. Vor allem die neuen Wachstumsprognosen des CBO übertreffen lediglich für das laufende Jahr diejenigen der Trump-Administration, während für die Jahre 2019 und 2020 eine Verlangsamung des Bruttoinlandsprodukts auf 2,4 bzw. 1,8 Prozent vorhergesagt wird. Die Haushaltsplanungen der Regierung gehen indes davon aus, dass das Wachstum bis 2024 durch die Steuerreform durchgehend über 3 Prozent liegen wird.
Fast völlig ignoriert wurde von den Devisenhändlern unterdessen die Entwicklung bei den Produzentenpreisindices, die auch in der Kernrate über den Prognosen der Ökonomen lagen. Deswegen ist es auch vorstellbar, dass die Erwartungen für die heute zur Veröffentlichung anstehenden US-Konsumentenpreise mancherorts sogar noch ein wenig angehoben werden. Sollte es dort eine Überraschung geben, dürfte das am Abend publizierte Protokoll der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Makulatur sein und somit in den Hintergrund treten.
Am Ende reagierte ein EZB-Sprecher auf Nowotnys Äußerungen und erklärte, diese seien doch privater Natur und stellten nicht die Meinung des EZB-Rates dar. Trotzdem geriet der Euro nicht mehr nennenswert unter Druck und liegt nun ziemlich genau in der Mitte seiner breiten Konsolidierung zwischen 1,2150/55 und 1,2555.

USD

USD CHF (0,9560)

Die Korrektur im Dollar-Aufwärtstrend hält an, passt aber auch zur Verfassung des Greenback gegenüber anderen Valuten. Nach wie vor reicht das Korrekturpotenzial bis 0,9490/95 – dieses Niveau darf für den Erhalt des Aufwärtstrends nicht unterschritten werden. Auf der anderen Seite ist die Oberseite mit relativ geringen Widerständen vor 0,9665 versehen.

GBP

EUR GBP (0,8710)

Der britische BRC-Einzelhandels-Monitor ist gestern in aller Frühe deutlich besser als erwartet ausgefallen, fand aber im Devisenhandel zunächst wenig Beachtung. Dennoch konnte sich das Pfund peu à peu gegenüber dem Vortag befestigen. Die Äußerung des Mitglieds des Geldpolitischen Rates der Bank of England, Ian McCafferty der erklärte, die Bank solle nicht damit warten, die Leitzinsen graduell zu erhöhen, wurde jedoch von den meisten Akteuren ignoriert. Nicht zuletzt, weil McCafferty als Zinsfalke gilt und zu den beiden Mitgliedern des Ausschusses gehörte, die bei der März-Sitzung gegen die Mehrheit dafür votierten, die Zinsen unverändert zu belassen. Am Ende des Tages setzte sich ohnehin wieder die relativ stärkere Position des Euro durch, womit das Pfund per Saldo ohne Impuls blieb. Insgesamt ist der Euro im Rahmen seiner breiten Handelsspanne zwischen 0,8665 und 0,8965 des Vormonats immer noch nicht als stabil einzustufen – dies wäre frühestens nach Überschreiten von 0,8825 der Fall. Sollte die Gemeinschaftswährung doch noch die Untergrenze ihrer Konsolidierung durchbrechen, wäre bei 0,8625/30 alsbald wieder mit guter Nachfrage zu rechnen.

CHF

EUR CHF (1,1825)

Dass die Risikofreude zurückkehrte, weil sich Chinas Präsident Xi Jinping bei einem öffentlichen Auftritt in Hinblick auf den Handelskonflikt mit den USA ausgesprochen diplomatisch und zurückhaltend zeigte, kam vor allen Dingen bei Börsianern gut an und hat den Franken unter Druck gesetzt. Allerdings sind die Fortschritte des Euro auch gestern überschaubar geblieben, aber immerhin können wir unsere nächste Zielmarke auf 1,1890 anheben. Jenseits davon würde der Trend für die Gemeinschaftswährung bis 1,2035 reichen. Diese positiven Aussichten bleiben intakt, solange nunmehr 1,1740 an der Unterseite unverletzt bleibt.

PLN

EUR PLN (4,1870)

Nach mehreren Tage ist es dem Euro gelungen, ohne dass es neue ökonomischen Einblicke gegeben hätte, sein Potenzial an der Unterseite bei 4,1850 zu erfüllen. Darunter ist bekanntlich noch ein kleiner Rücksetzer auf 4,1780 möglich. Ansonsten bleibt der Euro angeschlagen, aber der Stabilisierungspunkt an der Oberseite liegt nun deutlich niedriger bei 4,2120.


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