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Wöchentliche Marktberichte

Apr 06, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Unfaire US-Strafzölle?

USD

EUR USD (1,2240)

Am Mittwoch sah es noch danach aus, als würde der Handelsstreit zwischen China und den USA nicht weiter eskalieren. Gestern Nacht ist diese Besorgnis mit der Ankündigung neuer Strafzölle von US-Präsident Donald Trump allerdings wieder aufgeflammt. Zunächst aber hatten sich gestern die Finanzmärkte merklich entspannt. Es wurde reichlich analysiert und angeregt diskutiert. Dies könnte einerseits an der dünnen Ausbeute der ökonomischen Datenlandschaft gelegen haben, die keine allzu großen Überraschungen barg, was sich heute angesichts des anstehenden US-Arbeitsmarktberichts allerdings ändern könnte. Auf der anderen Seite haben die betroffenen Staaten erkannt, wie schnell sich auch nur das Androhen von Strafzöllen auf das Preisgefüge der zugrundeliegenden Waren oder Rohstoffe auswirken kann. Beispielsweise wurden die Kurse für Sojabohnen am Terminmarkt seit Mitte der Woche ordentlich durcheinandergewirbelt, was nicht nur den involvierten Akteuren nicht sonderlich gefallen haben dürfte.
Finanzmarktteilnehmer kritisierten aber auch noch zwei weitere Aspekte: US-Präsident Donald Trump stieß mit seiner Rechtfertigung, China würde Diebstahl an geistigem US-Eigentum verüben, nicht bei jedem auf Verständnis. Nicht etwa, weil dieser Vorwurf haltlos sei, sondern weil dieses Argument ursprünglich nicht der alleinige Auslöser des Streits gewesen war. Um von Europa Strafzölle zu verlangen, wäre es jedenfalls keine glaubhafte Erklärung. Der andere Punkt, den Akteure in die Waagschale warfen, war mangelnde Fairness. Denn von einem Handelskrieg sind nicht nur große Konzerne betroffen. Ähnlich wie bei einer bewaffneten Auseinandersetzung werden häufig auch Unschuldige mit hineingezogen. US-Kommentatoren warfen gestern die Frage auf, ob Strafzölle auf Nahrungsmittel – anstatt ausschließlich auf Luxusgüter – ein verantwortungsvolles Mittel seien. Die hervorgerufene Teuerung könnte möglicherweise Geringverdiener treffen und dadurch bestehende Einkommensungleichgewichte verstärken. Zum Beispiel wird Sojabohnenmehl für die Schweinefleischproduktion benötigt. Höhere Fleischpreise für chinesische Verbraucher wären somit die Folge.
Dem Dollar schienen diese Überlegungen aber keineswegs im Magen zu liegen. Gestern schlingerte der Euro in Richtung der unteren Begrenzung seiner Konsolidierung, die wie gehabt zwischen 1,2155 und 1,2555 verläuft. Es benötigt jedoch offensichtlich noch ein größeres Ereignis bzw. erfordert eine Überraschung, ihn aus dieser Range hinauszubewegen. Der heutige US-Arbeitsmarktbericht könnte so ein Auslöser sein.

USD

USD CHF (0,9625)

Der Dollar konnte sich, wie schon in den Tagen zuvor, abermals gegen den Franken durchsetzen, ohne sich dabei von US-Daten ablenken zu lassen. Dabei hätten die gestern veröffentlichten, stärker als erwartet gestiegenen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an anderen Tagen vielleicht das Zeug dazu gehabt, den USD zu bremsen. Unser Aufwärtspotenzial bei 0,9630 wurde gestern erreicht und bis 0,9690 erweitert. Um es aufrechterhalten zu können, sollten Rücksetzer nun nicht mehr unter die 0,9550er Marke führen.

GBP

EUR GBP (0,8745)

Wenn Großbritannien die EU verlassen wird, dürften die Produktion und der Handel von Gütern sowie das Erbringen von Dienstleistungen mit und für UK in jedem Fall eines werden: deutlich aufwändiger und umständlicher. Dass dies auch für Industrie und Handwerk in einigen deutschen Regionen zu allerhand Problemen führen könnte, scheint vielen Akteuren noch gar nicht richtig bewusst gewesen zu sein. Jedenfalls geht dies aus einer Studie des Europäischen Ausschusses der Regionen hervor, über die gestern zunächst die Funke-Mediengruppe berichtete. Der Untersuchung zufolge zählen allerdings Regionen in Irland zu denjenigen, die am wohl härtesten vom EU-Ausstieg Großbritanniens betroffen sein dürften. Das Pfund scheint sich derzeit ein wenig auszupendeln. Der Euro verengt seine Handelsspanne zu Sterling jedenfalls seit 48 Stunden kontinuierlich. In Schwung dürfte er ohnehin erst unterhalb von 0,8635 geraten, um dann in Richtung 0,8480 abzudriften. Den Stabilisierungspunkt belassen wir wie gehabt bei 0,8825.

CHF

EUR CHF (1,1785)

"Der Druck auf den Franken ist noch immer da“, verkündete Andrea Maechler gestern bei einer Veranstaltung der Schweizerischen Nationalbank. Das SNB-Direktoriumsmitglied meinte sogar, die Lage bleibe für die Notenbank fragil, weil sie versuche, seit mehr als drei Jahren mit extremen Mitteln wie beispielsweise Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen die eigene exportorientierte Industrie vor der allseits bekannten Bedrohung zu schützen: der Frankenstärke. Letztere liegt laut Maechler am Status des „sicheren Hafens“, den die Schweizer Währung bei Investoren genießt. Ihre Botschaft könnte klarer nicht sein: Solange sich dies nicht ändert, gibt es für die SNB wohl auch keinen Grund, von ihrer Geldpolitik abzurücken. Für den Euro gilt nach wie vor die Zielmarke von 1,1850, die derzeit den Blick in Richtung 1,2035 versperrt. Der positive Ausblick erfordert, dass Rückschläge oberhalb der 1,1735er Marke abgefangen werden.

PLN

EUR PLN (4,1950)

Wenn es nach 16 von Reuters befragten Analysten geht, wird es bei der nächsten Sitzung der polnischen Notenbank am 11. April keine geldpolitische Veränderung geben. Was die Prognose einer Zinserhöhung angeht, hat sich diese sogar um drei Quartale nach hinten verschoben – bis auf Ende 2019. Zloty-Händler scheint das nicht überrascht zu haben. Der Euro notierte gestern kaum verändert. Ein Abrutschen bis 4,1850 oder 70 Stellen tiefer bleibt möglich, solange die 4,2230er Hürde bestand hat.


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