Wöchentliche Marktberichte

Mrz 29, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Reserve-getriebene Euro-Nachfrage?

USD

EUR USD (1,2325)

Von dem gut 4,6-prozentigen Kursgewinn, den der Euro von Jahresbeginn bis Mitte Februar gegenüber dem US-Dollar ausbauen konnte, sind kurz vor Ende des ersten Quartals immerhin noch etwas weniger als 3 Prozent übrig. Die Gemeinschaftswährung scheint also nach dem erfolgreichen Jahr 2017 immer noch in guter Form zu sein – zumindest, wenn man die Performance des Euro im Verhältnis zum US-Dollar betrachtet. Vergleicht man ihn aber mit einem Korb aus mehreren Währungen, so hat er sich kaum bewegt. Folglich muss man sich zurecht fragen, warum sich der Euro gerade gegenüber dem US-Dollar so positiv entwickelt hat. Marktbeobachter hat dies dazu verführt, den Stift in die Hand zu nehmen und nachzurechnen. Eine Bloomberg-Analyse hat beispielsweise ergeben, dass das Gros der internationalen Währungsreserven in Höhe von etwa 11,3 Billionen USD zu zirka 64 Prozent in US-Dollar, jedoch lediglich zu 20 Prozent in Euro gehalten wird. Der Greenback ist und bleibt nach wie vor die Reservewährung. Das will ihm auch niemand absprechen. Einige US-Analysten weisen jedoch auf positive wirtschaftliche Aussichten für die Eurozone hin und loben das gestiegene politische Vertrauen. Sie erteilen sogar plötzlich wieder wohlwollende Testate und sprechen von Stabilität und Zuverlässigkeit der Staatengemeinschaft. Auf der anderen Seite sehen sie protektionistische Tendenzen aus den USA und blicken mit Unmut und Sorge auf den drohenden Handelskrieg. Dies alles könnte dem USD schaden, wenn die von den Strafzöllen betroffenen Staaten plötzlich beginnen würden, einen kleinen Teil ihrer Dollar-Währungsreserven in andere Valuten zu verschieben. Selbst sehr kleine prozentuale Umschichtungen von Dollar z. B. in Euro würden sich spürbar im Wechselkurs niederschlagen. Für einige mag es aus diesem Grund absolut sinnvoll erscheinen, dass die Gemeinschaftswährung – trotz unveränderter geldpolitischer Ausrichtung – ausgerechnet gegenüber dem Dollar zulegen konnte.
Selbstverständlich ist dies eine längerfristige Betrachtung ohne direkten Einfluss auf den gestrigen Handelstag, an dem der Euro deutlich Federn lassen musste. Vermutlich hat die finale Bekanntgabe des US-Wachstums im vierten Quartal 2017 einige Händler überrascht, da es mit 2,9 Prozent über den Erwartungen lag. Der gestrige Rückschlag hat die Situation nicht verändert: Der Euro notiert in seiner bekannten Konsolidierung, die wie gehabt zwischen 1,2155 und 1,2555 verläuft. Dauerhafte Impulse sind erst deutlich außerhalb dieser Grenzen zu erwarten.

USD

USD CHF (0,9560)

Der Dollar konnte sich gestern nicht nur gegen den Euro, sondern auch auf breiter Front durchsetzen. Durch die überraschend guten Wachstumszahlen gestärkt, zeigte er statt der von uns erwarteten leichten Korrekturen unerwarteten Schwung nach oben, was eine sofortige Stabilisierung ermöglichte und ihm sogar Aufwärtspotenzial bis 0,9620 verschafft hat. Etwas Zwischenwiderstand wartet zuvor bei 0,9585.

GBP

EUR GBP (0,8750)

Geht es nach dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), sollte sich die Europäische Union nach dem Brexit auf keinen Fall vom Vereinigten Königreich abwenden, sondern eher versuchen, die enge Bindung zu Großbritannien dauerhaft zu erhalten. Es gäbe derzeit zu viele „außen- und sicherheitspolitische Herausforderungen“, so dass eine intensive Zusammenarbeit zwischen EU und UK nötig sei. Dieser Wunsch klingt äußerst harmonisch und entgegenkommend. Genauso wie der Appell des BDI, ein Abkommen über eine möglichst enge Partnerschaft am besten sofort zu verhandeln. Das lautstrake Begehren ist nachvollziehbar: Der BDI möchte, dass seine Unternehmen schnell Planungssicherheit erlangen. Die Zeit dränge, daher müsse unbedingt bis Oktober Klarheit geschaffen werden, so der Verband. Diese Klarheit hätten Investoren und Unternehmen, die unter den Brexit-bedingten Wechselkursschwankungen leiden, bestimmt auch gerne. Wechselkurstechnisch bleibt alles beim Alten: Der Stabilisierungspunkt bei 0,8825 hat nach wie vor Bestand, genauso wie die wichtige Unterstützung, die nun bei 0,8620 liegt und nach deren Unterlaufen ein Test von 0,8480 angezeigt wäre.

CHF

EUR CHF (1,1780)

Bloß nicht zu schnell vom geldpolitischen Kurs abkehren bzw. zu früh mit Interventionen aufhören. Dies war der eindeutige Tenor eines am Mittwoch vorab veröffentlichten Interviews, das SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maechler der “Handelszeitung” gab. Sie fürchtet, eine verfrühte Zinsanhebung könne der Wirtschafts- und Inflationsentwicklung abträglich sein. Insbesondere, was die Inflation angeht, sieht Maechler „auch für nächstes Jahr wenig Schwung“. Dem Euro haben diese Kommentare indes zum nötigen Schwung verholfen, sich weiter in Richtung unserer 1,1850er Zielmarke (Auslöser für weitere Stärke bis auf 1,2035) zu bewegen. Die bullishe Ausrichtung erfordert, dass Rückschläge nun nicht mehr unter die 1,1715er Marke führen.

PLN

EUR PLN (4,2040)

Das polnische Finanzministerium hat gestern laut darüber nachgedacht, im zweiten Quartal eventuell Anleihen auf Dollar-Basis auszugeben. Ob es dazu kommen wird, hängt aber stark von den erreichbaren Marktkonditionen ab. Fest stehe lediglich, dass man weniger Schulden machen möchte als im laufenden Quartal. Der Euro geriet gestern unter Druck und fiel durch unsere 4,2025er Marke. Dadurch hat sich die Gefahr erhöht, in die ehemalige Konsolidierung abzurutschen, in der gute Nachfrage erst bei 4,1860 wartet.


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