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Wöchentliche Marktberichte

Mrz 23, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EU-Etappensieg ist kein Grund zum Feiern

USD

EUR USD (1,2340)

Es ist interessant zu beobachten, wie intensiv die Zinssitzung der Fed – die weder große Überraschungen barg, noch zu außergewöhnlichen Kursbewegungen führte – gestern von Finanzmarktakteuren „nachbearbeitet“ wurde. Bildlich gesprochen könnte man den Eindruck gewinnen, als würden die Investoren nur noch darüber diskutieren, wie hoch der Druck auf das Gaspedal eines geldpolitischen Fahrzeugs sei. Dass der Wagen schon seit längerem in eine ganz andere Richtung fährt, scheint man hingegen gar nicht mehr als besonders wichtig zu erachten. Investoren sollten mittel- bis langfristig aber eigentlich eher interessieren, wohin die Reise geht, und weniger, wie schnell das Gefährt ist, mit dem die Verantwortlichen unterwegs sind.
Eines lässt sich nach den jüngsten Sitzungen von EZB und Fed auf jeden Fall feststellen: Beide Notenbanken sind dabei, ihre geldpolitischen Expansionsschwerlaster aus dem Verkehr zu ziehen. Die Fed ist bereits mit kleinerem Gefährt in der Gegenrichtung unterwegs, während die EZB immer noch dabei ist, ein passendes Bremsmanöver einzuleiten.
Gestern wurde im Laufe des Tages aber immer intensiver über ein ganz anderes Thema diskutiert: die US-Strafzölle. Auch hierbei war ein erstaunliches Phänomen zu beobachten. Devisenhändler nehmen die jüngste Ankündigung, die EU (vorerst) vom jüngsten US-Strafzollerlass auszunehmen, relativ gelassen hin. Aktienhändler scheinen das angesichts der Kursverluste dies- und jenseits des Atlantiks ein wenig anders zu sehen. Ihr Verhalten reflektiert die Gefahr, die aus der US-Entscheidung – pro EU, contra China – resultieren könnte, wesentlich besser. Dass nur die Chinesen zur Kasse gebeten werden, schafft Unmut in Asien. Zudem ist alles andere als sicher, dass die gegenüber der EU gemachten Zugeständnisse der USA wirklich einen Grund zum Feiern darstellen. Immerhin wirken die jüngsten Beschlüsse der US-Regierung zum Teil sehr sprunghaft. Weniger agil zeigt sich indes der Euro, der weiter in seiner Konsolidierung zwischen 1,2155 und 1,2555 gefangen zu sein scheint.

USD

USD CHF (0,9455)

Einerseits wussten die gestern veröffentlichten US-Konjunkturdaten nicht in allen Punkten zu überzeugen. Andererseits waren Marktteilnehmer verunsichert, welche Konsequenzen die jüngsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen der US-Regierung haben könnten, insbesondere aber, wie Chinas Reaktion auf den jüngsten einseitigen Strafzollerlass ausfallen wird. Der USD gab seit Mittwoch zwar ein wenig nach, hält sich aber noch über der 0,9435er Marke (für heute leicht angepasst), sodass ein erneuter Anlauf in Richtung 0,9625 möglich bleibt.

GBP

EUR GBP (0,8735)

Das selbstbewusste Auftreten, das sich einige Marktteilnehmer von der Bank von England (BoE) bei der gestrigen Zinssitzung versprachen, schienen die britischen Währungshüter auf den ersten Blick tatsächlich zu bestätigen – sie ließen den Leitzins unverändert. Allerdings votierten Ian McCafferty und Michael Saunders überraschend für eine sofortige Anhebung des Schlüsselzinses. Zahlreiche Akteure werteten dies sofort dahingehend, dass spätestens im Mai innerhalb der BoE eine Mehrheit für eine Straffung der geldpolitischen Zügel zustande kommen wird. Zu dieser Annahme hat die BoE übrigens selbst ihren Teil beigetragen, da sie berichtete, eine "kontinuierliche Straffung" der Geldpolitik sei nötig. Als Konsequenz geriet der Euro gestern zunächst deutlich unter Druck. Nachfrage, die sich aber zwischen der von uns anvisierten Untergrenze seiner früheren Konsolidierungszone (0,8685) und der darunter befindlichen 0,8640er Unterstützung auftat, wuchtete ihn wieder auf sein gestriges Ausgangsniveau zurück. Ein Bruch letztgenannter Marke würde die Unterseite bis 0,8480 öffnen. Der Stabilitätspunkt bleibt hingegen ein gutes Stück entfernt, bei 0,8820.

CHF

EUR CHF (1,1660)

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat gestern bestätigt, was im Markt bereits insgeheim vermutet wurde: Sie hat den Aufwand zur Schwächung des Frankens im vergangenen Jahr erneut verringert. Die Grafik der Devisenkäufe, die sich aus den Zahlen des gestern veröffentlichten Geschäftsberichts erstellen lässt, sieht stufenförmig aus – wie eine Treppe, die nach unten führt. 2015 summierten sich die Devisenkäufe der SNB noch auf satte 86,1 Milliarden Franken. Ein Jahr später fielen sie auf 67,1 Milliarden zurück. 2017 kaufte sie nur noch Fremdwährungen in Höhe von umgerechnet 48,2 Milliarden Franken an. Nach unten rutschte gestern auch der Euro und beschädigte dabei auch sein stützendes 1,1665er Niveau. Die Nachfragepunkte, die ihn auffangen könnten, liegen nun bei 1,1635 und 1,1605. Verkäufer dürften sich indes verstärkt bei 1,1705 tummeln.

PLN

EUR PLN (4,2210)

Auch wenn derzeit keine Notwendigkeit dafür bestehe, wollte Notenbanker Jerzy Zyzynski eine Zinssenkung als nächsten geldpolitischen Schritt nicht ausschließen. Diese Aussage schien einige Akteure zu irritieren, weil sie ganz im Gegensatz zu einem Statement seines Kollegen Eugeniusz Gatnar steht, der erst kürzlich (am 20.3.) über die Möglichkeit einer Zinserhöhung (!) in der zweiten Jahreshälfte sinnierte. Das brachte den Euro kurz vor unserer 4,2460er Zielmarke ein wenig vom Kurs ab. Wir bleiben allerdings positiv ausgerichtet, solange die Unterstützung bei 4,2025 nicht unterschritten wird.


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