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Wöchentliche Marktberichte

Mrz 09, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EZB: Geldpolitisches Manöver eingeleitet

USD

EUR USD (1,2315)

Gestern war ein Handelstag, der viele gute Gründe für Kursbewegungen lieferte. Dafür sorgten alleine die ökonomischen Daten, die zur Veröffentlichung anstanden. Beispielsweise die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die stärker als erwartet stiegen. Händler hätten also durchaus den Bedarf ableiten können, im Vorfeld der heutigen US-Arbeitsmarktdaten ihre Positionen anzupassen. Der ausufernde Handelsstreit mit den USA – gestern unterschrieb Präsident Trump die entsprechende Verordnung – oder die massiv gestiegenen Außenhandelszahlen aus China wären für Devisenhändler sicher ein genauso fruchtbarer Boden gewesen, Geschäfte zu tätigen. Es war aber ausgerechnet etwas, was nicht gesagt wurde, das gestern für reichlich Volatilität sorgte. Die Euro-Währungshüter hatten die Wortwahl für ihr geldpolitisches Statement angepasst und dabei den sogenannten „Easing Bias“ weggelassen, was einige Akteure offensichtlich überraschte. Das Unausgesprochene schickte den Euro zunächst auf sein Tageshoch – bis kurz vor unseren 1,2460/65er Widerstand –, denn es wurde als Anstoß zu einer kommenden Zinswende interpretiert. Als EZB-Chef Mario Draghi dann aber begann, die Entsorgung des besagten Passus in der Pressekonferenz herunterzuspielen, knüppelte der Handel umgehend auf die Gemeinschaftswährung ein, was eine Kluft von 1,2 Prozent zwischen Tageshoch und -tief hinterließ. Interessanterweise wies der Euro bei der vorangegangenen EZB-Sitzung Ende Januar ein ähnliches Handelsmuster auf. Auch das Kursniveau war fast das gleiche. Damals begründeten Akteure das Marktverhalten übrigens damit, dass „nichts Neues“ gesagt wurde.
Wie auch immer man die gestrige Reaktion des Euro auslegen möchte, eines scheint sicher: Die Zeichen der geldpolitischen Wende haben nun auch in der Eurozone sichtbar Gestalt angenommen. Dass die EZB-Führung bemüht ist, die Umsetzungsgeschwindigkeit ihres Manövers gering zu halten und den Markt mit einer Art Salamitaktik so langsam wie möglich an die neue Situation heranzuführen, sollte eigentlich niemanden überraschen. Genauso wenig dürfte es verwundern, wenn der Euro noch ein wenig länger in seiner großen Konsolidierungszone zwischen 1,2155 und 1,2555 verweilt.

USD

USD CHF (0,9515)

Gestern ließ der US-Dollar seinen Konsolidierungsbereich hinter sich, um der 0,9525er Marke auf den Leib zu rücken, die ihm bislang die Sicht auf 0,9615/25 versperrte. Überwunden wurde diese Hürde erst heute Früh. Der Weg ist nun frei. Auch die Nachfrage hat sich erneut verbessert: Während 0,9430 das Momentum der Erholung aufrecht hält, sorgt die 0,9380er Marke maßgeblich für den Erhalt der Stabilität.

GBP

EUR GBP (0,8915)

Diskrepanzen in Hinblick darauf, was wer, wie und gegenüber wem finanziell auszugleichen hat, gibt es zwischen der EU und Großbritannien derzeit zur Genüge. Seit gestern dürfte ein weiterer Punkt dazugekommen sein: Ein Vertragsverletzungsverfahren, garniert mit einer Forderung in Höhe von satten 2,7 Milliarden Euro seitens der EU! Dieser Betrag wird von der EU-Behörde wegen Zollbetrugs als entgangene Einnahme eingefordert. Dadurch dürfte sich die ohnehin angespannte Atmosphäre zwischen Brüssel und London noch weiter aufladen. In Kombination mit der Warnung, die EU-Ratspräsident Donald Tusk gestern aussprach, könnte das Wochenende aber besonders spannend werden. Tusk warnte vor einem Stillstand der Brexit-Gespräche und spielte dabei auf die Irland-Frage an, bei der es darum geht, Grenzkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland nach dem Brexit zu verhindern. Ein Thema, das für London ein rotes Tuch darstellt.
An Schwankungsfreude mangelte es dem Euro in den vergangenen Tagen nicht. Am nötigen Auftrieb, um den Weg in Richtung 0,9035/40 einzuschlagen, hingegen schon. Gestern gab er kurz vor unserer 0,8970er Hürde erneut klein bei. Oberhalb von 0,8875 wahrt er aber die Chance auf einen positiven Kursverlauf.

CHF

EUR CHF (1,1715)

Die Schweizer Arbeitslosenquote überraschte gestern im positiven Sinne, denn sie lag leicht unter den Schätzungen der meisten Ökonomen. Trotz dieses fundamentalen Rückhalts hat der Franken derzeit gegen den Euro das Nachsehen. Letzterer drängt gerade gezielt in Richtung 1,1760, um danach vielleicht sogar bis zum Jahreshoch bei 1,1830 vorzudringen. Nachfrage von Euro-Kaufnachzüglern erwarten wir nach wie vor bei 1,1620. Diese Marke darf zum Erhalt des kurzfristigen Trends nicht mehr unterlaufen werden.

USD

EUR PLN (4,2020)

Polens Zentralbankchef Adam Glapinski sieht keinen Grund, die Zinsen zu erhöhen. Wenn es nach ihm geht, gilt dies bis Ende 2020. Der Terminmarkt (FRAs) preist jedoch ein anderes Szenario ein. Er spiegelt die erste Zinserhöhung Mitte 2019 wider. Der Euro hat unterdessen, wie erwartet, seinen mittelfristigen Abwärtstrend bei 4,2150 erreicht. Nach einem intensiven Flirt ist er gestern von dort aber wieder bis auf 4,20 PLN zurückgedrängt worden. Ein Überschreiten des Schlüsselniveaus würde Kurssteigerungen bis 4,2295 auslösen. Die Kraft für einen erneuten Angriff bleibt gegeben, solange sich der Euro über 4,1855 halten kann.


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