Wöchentliche Marktberichte

Feb 27, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Unterschätzte Polit-Risiken

USD

EUR USD (1,2320)

Wie schon häufig zu Wochenbeginn verlief gestern das Handelsgeschehen mangels wichtiger ökonomischer Daten in relativ überschaubaren Bahnen. Zwar gab es eine Rede Mario Draghis vor dem Europäischen Parlament, aber diese enthielt praktisch keine neuen Erkenntnisse. Etwa darüber, dass das Wirtschaftswachstum in der Eurozone die Notenbanker überrascht hat, oder ein Hinweis darauf, ob es zuverlässige Anhaltspunkte dafür gebe, dass die Inflationsentwicklung sich überzeugend nach oben anpassen könnte. Letztlich schien der EZB-Chef sichtlich bemüht zu sein, hinsichtlich der kommenden Notenbanksitzung keine Erwartungshaltung aufzubauen. Und so konzentrierte sich das Interesse vieler Akteure stärker auf wichtige kommende Ereignisse in der laufenden Handelswoche.
Da ist zum einen die erste Anhörung des neuen Fed-Präsidenten Jerome Powell vor dem Kongress, das sogenannte Humphrey Hawkins Testimony, zu nennen; heute jedoch steht er zunächst dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses Rede und Antwort. Davon erhoffen sich einige Beobachter Rückschlüsse darauf, ob der so genannte neutrale Zins – der Zinssatz, der Wachstum weder bremst noch antreibt – aufgrund des gestiegenen globalen Wachstums oder der Effekte der Steuerreform möglicherweise angehoben werden müsste. Auch wenn es sich bei diesem neutralen Zins um ein schwer greifbares theoretisches Konzept handelt, das von ökonomischen Modellen abgeleitet wird, spielt er doch für geldpolitische Entscheidungen eine enorme Rolle. Dabei hat die Fed in den vergangenen Jahren aufgrund ihrer pessimistischen ökonomischen Einschätzung diesen langfristigen Zinssatz zurückgenommen. Und nun setzen Diskussionen darüber ein (vgl. etwa FT), ob dieser neutrale Zins möglicherweise nicht höher liegen sollte. Mit der Folge, dass der Leitzins stärker als ursprünglich gedacht angehoben werden könnte. Und so lassen sich auch die am Wochenende neu aufgeflammten Rezessionsdiskussionen einiger Notenbanker dahingehend interpretieren, dass die Fed für kommende Krisen ein größeres Polster an Zinserhöhungen anstrebt.
Wenn es um Risiken hierzulande geht, sollte man auch die in Italien am Sonntag anstehenden Wahlen im Auge behalten, deren Ergebnis hinsichtlich möglicher Koalitionsbildungen – derzeit wird kein klarer Gewinner gesehen – von vielen Marktteilnehmern möglicherweise unterschätzt wird. Genauso wie das SPD-Mitgliedervotum zur großen Koalition in Deutschland, dessen Ergebnis ebenfalls für den 4. März erwartet wird. Am Ende hat sich jedenfalls am Korrekturmodus des Euro, der sich noch bis auf 1,2215/20 ausdehnen kann, nichts geändert. Eine Korrektur, die auf der anderen Seite erst mit Überschreiten von 1,2440 (modifiziert) abgeschlossen wäre.

CHF

USD CHF (0,9375)

Auch wenn der Dollar derzeit zu einer Basisbildung tendiert und sogar recht ordentlich unterstützt aussieht, hat er bislang seinen kurzfristigen Stabilisierungspunkt bei 0,9415 immer noch nicht überwinden können. Damit kann sich die übergeordnete Abwärtsbewegung noch immer bis 0,9120 entfalten, obwohl sich die Situation der Unterstützungen (0,9305) deutlich gebessert hat und gestern größere Kursrückgängen vermieden wurden. Der übergeordnete Abwärtstrend liegt übrigens mit seiner Begrenzung heute bei 0,9460. 

GBP

EUR GBP (0,8830)

Das gestrige Aufbäumen von Pfund Sterling war nur von kurzer Dauer und wurde auf der einen Seite den altbekannten Erwartungen einer Zinserhöhung im Mai zugeschrieben. Auf der anderen Seite meldete sich überraschenderweise der oppositionelle Labour-Chef Jeremy Corbyn zu Wort, nachdem von ihm in Sachen Brexit in der jüngeren Vergangenheit nicht allzu viel zu hören gewesen war. Er wünsche sich, dass Großbritannien über eine neue Zollunion mit der EU verhandeln solle, äußerte er gestern und forderte damit gewissermaßen Premierministerin Theresa May heraus. Diese hatte es erst unlängst wieder rundweg abgelehnt, eine Zollunion mit der EU einzugehen. Am Ende beschloss der Euro den gestrigen Handelstag nach temporären Verlusten sogar mit einem Gewinn. Allerdings ohne einen neuen Impuls innerhalb der großen Konsolidierungszone zwischen 0,8690 und 0,8920/25 auszulösen.

CHF

EUR CHF (1,1555)

Dass die Zahl der neu geschaffenen Stellen für das vierte Quartal 2017 in der Schweiz wie erwartet ausgefallen war, dürfte wohl die Allerwenigsten interessiert haben. Per Saldo konnte am Ende der Euro etwas zulegen, ohne allerdings seine seit acht Handelstagen währende Trading Range (1,1495-1,1585) – von einem winzigen Ausrutscher an der Unterseite am Freitag abgesehen – zumindest kurzfristig richtungsweisend zu verlassen. Im großen Bild gilt ohnehin die breite Konsolidierungszone zwischen 1,1450 und 1,1640.

PLN

EUR PLN (4,1700)

Die Ambitionen des Euro, weiter in den oberen Bereich seiner Konsolidierung zwischen 4,1300 und 4,2030 vorzudringen, haben sich gestern nicht verwirklicht. Ohnehin kann der mittelfristige Abwärtstrend frühestens jenseits von 4,2210 beendet werden.


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