Wöchentliche Marktberichte

Feb 19, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Den Brexit kann man lernen

USD

EUR USD (1,2410)

Blickt man auf die Indexstände der weltweit wichtigsten Aktienmärkte, scheinen sich Finanzmarktteilnehmer von den Kursturbulenzen, die in der ersten Monatshälfte für reichlich Durcheinander gesorgt hatten, in den vergangenen Tagen wieder erholt zu haben. Kein Wunder, schließlich haben zahlreiche US-Indices mittlerweile wieder zwei Drittel der jüngsten Rückschläge aufgeholt. Zudem verweist die Mehrzahl der Analysten gebetsmühlenartig auf den soliden Zustand der US-Konjunktur. Letzteres gilt zwar auch für Europa, allerdings schnitten die europäischen Leitindizes im Vergleich der Erholungsbilanzen nicht ganz so gut ab wie ihre US-Pendants: Euro-Standardtitel machten im Schnitt nur ein Drittel ihrer vorangegangenen Verluste wett. Ein weiterer Punkt, der die scheinbare Schönwetterlage trübt, erfordert wiederum einen Vergleich mit Dividendentiteln, betrifft jedoch den Bondmarkt. Die Talfahrt langfristiger Anleihen dies- und jenseits des Atlantiks hat, im Gegensatz zum Aktienmarkt, bislang keine nennenswerte Gegenbewegung erfahren. Manchen Investoren bereitet dieser Umstand mehr Sorge, als die Aktienerholung sie zu beruhigen vermag.
Die Entwicklung der jüngsten Turbulenzen hat die Finanzgemeinde merklich gespalten: Die einen entwerfen seitdem unaufhörlich Schreckens- und Erholungsszenarien, während andere versuchen, einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen. Wieder andere betreiben Ursachenforschung, jedoch ohne wirklich überzeugende Gründe für den Abschwung liefern zu können. Wie auch immer, die Zuversicht, die Investoren noch zu Jahresbeginn ausstrahlten, ist dahin. Stattdessen herrscht bei vielen Rat- und Orientierungslosigkeit. Letzteres gilt auch für den Devisenhandel. Denn die klassische Regel „Bei plötzlichem Risikoanstieg Dollar kaufen“ hat sich diesmal nicht ausgezahlt. Insgesamt hat man das Gefühl, Devisenhändler wüssten nicht genau, was sie eigentlich aus der gegenwärtigen Situation ableiten bzw. wie und ob sie sich kurzfristig positionieren sollen. Wer sich zurückgehalten und tatsächlich nur zugeschaut hatte, musste am Freitag mitansehen, wie der Euro neue Höhen erklomm und am Wochenende mit seiner ungebrochenen Stärke weitere Fragezeichen in den Gesichtern vieler Devisenhändler hinterließ. Freitagmorgen notierte er zu den höchsten Kursen seit Dezember 2014. Bis zu unserer 1,2705er Marke ist es aber noch ein weiter Weg. Um sie zu erobern, dürfen Rückschläge nun nicht mehr unterhalb von 1,2275/85 führen.

USD

USD CHF (0,9285)

Auf ungefähr 250 Milliarden US-Dollar beläuft sich das Engagement der Schweiz in Staatsschulden der Vereinigten Staaten. Damit gehört der Alpenstaat zu den größten Gläubigern der USA. Dementsprechend könnte der fallende Greenback der Schweizer Notenbank langsam Sorgen bereiten. Tatsächlich nimmt der seit November 2017 währende Abwärtstrend immer deutlichere Konturen an. Kurzfristig ist Risiko bis 0,9120 angezeigt, solange an der Oberseite das Stabilitätsniveau bei 0,9430 besteht. 

GBP

EUR GBP (0,8850)

Die Umsetzung des Brexit stellt für alle Beteiligten eine Herausforderung dar, so viel lässt sich bereits sicher sagen. Wie genau der Ausstieg aussehen und was danach folgen wird, steht aber noch in den Sternen – oder in den Lehrunterlagen britischer Universitäten. Denn an einigen Fakultäten steht der Brexit seit neuestem als eigenes Modul auf den Lehrplänen. Im Kurs „The Politics of Brexit“ der University of Sussex in Brighton erfährt man beispielsweise, wie man mit dem Misstrauen von Politikern umgeht. Kritisch beäugt wurde die britische Premierministerin Theresa May am Wochenende, auf der Münchner Sicherheitskonferenz MSC. Dort stellte sie einmal mehr die Forderung, „auf jeden Fall besondere Freiheiten in europäischen Märkten" zu erhalten, was aus britischer Sicht natürlich nachvollziehbar ist. Dem Pfund wird diese Art von Rhetorik sicher nicht besonders nützen, allerdings wohl auch nicht schaden. Ohnehin bewegen sich Euro und Sterling in einer Konsolidierung zwischen 0,8690 und 0,8920/25, daran konnten auch die schwachen Einzelhandelsumsätze am Freitag nichts ändern. Innerhalb dieser Zone bleiben Angebots- und Nachfrageniveaus derzeit weiter unzuverlässig.

CHF

EUR CHF (1,1515)

Abgesehen von der Meldung, dass die Finanzmarktaufsicht FINMA eine Art Regelwerk für sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs), mit denen Kapital für unternehmerische Zwecke digital beschafft werden kann, veröffentlicht hat, gab es keine erwähnenswerte Wirtschaftsnachrichten. Kein Wunder also, dass der Euro nicht den Weg aus seiner Konsolidierungszone findet, die zwischen 1,1450 und 1,1640 verläuft.

PLN

EUR PLN (4,1560)

Am Freitag ließ Finanzministerin Teresa Czerwinska wissen, dass sie Polens Staatsdefizit 2017 in der Spanne zwischen 1,7 und 2,0 Prozent des BIP erwarte und es sogar näher an der unteren als der oberen Zahl sehe. Gegenüber dem Euro verhält sich der Zloty derzeit nahezu neutral und scheint sich weiter in der breiten Konsolidierungszone zwischen 4,1220 und 4,2060 bewegen zu wollen.


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