Wöchentliche Marktberichte

Feb 15, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wer hat Angst vor Inflation?

USD

EUR USD (1,2450)

Der gestrige Handelstag war geradezu ein Klassiker, wie schnell sich Marktteilnehmer an Prognosen gewöhnen können. Selbst wenn sie unangenehm ausfallen. Tatsächlich hatten sich während der vergangenen zehn Tage im Markt Inflationsängste für die USA in großem Ausmaß verbreitet. Umso mehr galt den gestrigen Inflationszahlen das besondere Interesse. Bereits zuvor konnte man feststellen, wie die Erwartungen an gestiegene Konsumentenpreise peu à peu anzogen. Und als dann gestern die US-Verbraucherpreise für Januar mit einem Plus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat veröffentlicht wurden, gab es sofort eine entsprechend heftige Reaktion. Denn die Ökonomen hatten im Mittel nur einen Zuwachs von 0,3 Prozent erwartet, und auch der Jahresvergleich mit einem Plus von 2,1 Prozent fiel höher als prognostiziert aus. Euro und Aktienmärkte gingen auch deswegen kurzzeitig in die Knie, weil die Kernraten ebenfalls höher als erwartet ausgefallen waren. Wer aber einen Blick auf die Stunden- und Wochenlöhne riskierte, die noch vor zehn Tagen als Auslöser aller Inflationsängste samt Kurseinbruch an den Aktienmärkten ausgemacht worden waren, konnte sogar recht entspannt reagieren. Denn sowohl die durchschnittlichen Wochen- als auch die Stundenlöhne zeigten im gestrigen Inflationsbericht keinen Trend nach oben. Im Gegenteil: Die realen durchschnittlichen saisonbereinigten Wochenlöhne fielen im Januar gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent und zeitigten im Jahresvergleich gerade einmal ein Plus von 0,4 Prozent. Das ist wahrlich nicht der Stoff, aus dem schwere Inflationssorgen gesponnen werden. Dennoch: Die implizite Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung der US-Notenbank im März ist laut CME FedWatch Tool nunmehr auf rund 83 Prozent gestiegen, und auch die Wahrscheinlichkeit für vier statt drei Zinserhöhungen in diesem Jahr berechnet sich nach diesem Instrument mit ca. 20 Prozent.
Dennoch zeigten sich bereits eine Stunde nach Veröffentlichung der Daten sowohl die Aktienmärkte als auch der Euro in wesentlich besserer Verfassung als zuvor. Letzterer hat mit Überschreiten von 1,2410 die Korrektur im Aufwärtstrend beendet. Dessen Potenzial reicht nun – abgesehen von einem stärkeren Widerstand bei 1,2560 – bis 1,2705. Für dieses positive Szenario darf allerdings die Trenduntergrenze bei 1,2255/60 nicht mehr unterschritten werden.

USD

USD CHF (0,9280)

Dass sich der US-Dollar gestern gegenüber dem Franken nicht noch deutlicher abgeschwächt hat, mag an den stärker als erwartet ausgefallenen US-Konsumentenpreisen gelegen haben. Denn was die Wachstumsaussichten jenseits des Atlantiks angeht, waren die als enttäuschend anzusehenden US-Einzelhandelsumsätze nicht dazu geeignet, einen in Euphorie verfallen zu lassen. Und in der Konsequenz hat es auch niemanden gewundert, dass die viel beachtete, aber dennoch volatile Wachstumsprognose der regionalen Fed von Atlanta (GDPNow) von zuletzt 4,0 für das erste Quartal 2018 auf 3,2 Prozent zurückgenommen wurde. Unter dem Strich wurde gestern die Situation des festen Franken gegenüber dem Greenback bestätigt, dessen Abwärtsrisiko ohnehin bis 0,9230 (darunter gegebenenfalls bis 0,9120) reicht. Der Punkt für eine kurzfristige Stabilisierung liegt nun tiefer bei 0,9480. 

GBP

EUR GBP (0,8890)

Die derzeitigen Brexit-Verhandlungen scheinen von den Investoren überraschenderweise zurzeit nicht als das größte Marktrisiko eingestuft zu werden. Vielmehr brachte eine Brexit-Umfrage (vgl. Barclays via Reuters) zutage, dass ein Rücktritt der britischen Premierministerin Theresa May als größeres Marktrisiko betrachtet wird, vor allen Dingen, wenn die Labour Party danach im Falle von Neuwahlen an die Regierung käme. Und es scheint sogar, als ob diese Ängste stärker wiegen als eine etwaige Zinserhöhung der Bank von England im Mai. Dennoch: Der Euro hat es auch gestern nicht geschafft, die Obergrenze seiner breiten Konsolidierung zwischen 0,8690 und 0,8920/25 zu überwinden – bislang hat es lediglich zu einem Test derselben gereicht.

CHF

EUR CHF (1,1560)

Nun hält sich der Euro bereits den dritten Tag in Folge gegenüber dem Franken relativ stabil. Und tatsächlich ist es Ersterem im späten New Yorker Handel gelungen, allerdings ohne größeres Momentum, seinen Stabilisierungspunkt bei 1,1570 zu überwinden. Damit ist an der Oberseite Spielraum bis 1,1640 entstanden, während die Unterseite nun besser unterstützt ist. Am Ende sieht es derzeit nach einer Seitwärtsentwicklung aus, ohne dass dabei eine klare Konsolidierungszone entstanden wäre. 

PLN

EUR PLN (4,1520)

Polens Bruttoinlandsprodukt ist im vierten Quartal gemäß einer ersten Schätzung mit einem Plus von 5,1 Prozent geringfügig hinter den Erwartungen der Ökonomen zurückgeblieben. Damit hatte dieses Datum keinen nachhaltigen Einfluss auf das Kursgeschehen. Nach einem kurzen Ausflug über 4,18 hat der Euro schließlich seine Unterstützung bei 4,1630 durchschlagen und ist in eine neuerliche Schwächephase eingetreten, die bis 4,1240 reicht. Allerdings kann man noch nicht von einem neuen Trend sprechen – der beste Widerstand an der Oberseite liegt bei 4,2050.


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