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Feb 08, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Koalitionsvertrag hilft Euro nicht

USD

EUR USD (1,2270)

Was die Publikation wichtiger ökonomischer Daten betrifft, könnte man den gestrigen Handelstag als ziemlich ereignislos bezeichnen. Aber alles, das für den Euro hätte sprechen können, wurde ohnehin schlichtweg ignoriert. Natürlich kann man nicht erwarten, dass die Wachstumsprognosen der EU-Kommission, die gestern veröffentlicht und für die Jahre 2017 bis 2019 angehoben wurden, noch irgendjemanden überraschen. Aber eines der Hauptargumente, mit denen Händler die Euro-Schwäche begründen, ist auch nicht wirklich überzeugend. Zwar steht nun endlich ein Koalitionsvertrag samt Verteilung der Ministerposten für Deutschland fest. Die neue Groko hat allerdings noch eine Hürde zu nehmen: Die mehr als 463.000 SPD-Mitglieder müssen dieser Koalition noch zustimmen. Und dort hat eine geplante Neubesetzung offensichtlich unter den Akteuren für etwas Verwirrung gesorgt. Martin Schulz, den viele als neuen Finanzminister auf dem Zettel stehen hatten, wird wohl Außenminister werden. Stattdessen wird der Erste Bürgermeister Hamburgs, Olaf Scholz wohl das Finanzressort übernehmen. Eine Personalie, die irritieren könnte, weil Scholz international nicht so bekannt wie sein Parteikollege Schulz ist.
Aber wir haben gestern nicht nur eine leichte Euro-Schwäche zu sehen bekommen, sondern auch einen sich erholenden US-Dollar. Das ist umso interessanter, als sich die US-Börsen anfangs ebenfalls in Richtung Norden bewegten. Dabei hatte der Chef der Fed New York, William Dudley, gestern in einer Rede betont, der jüngste Kursrückgang der US-Aktien habe seine Ansicht über die Entwicklung der US-Ökonomie und auch seine geldpolitischen Ansichten nicht verändert. Dudleys Meinung dürfte wohl von allen gestern sich äußernden US-Notenbankvertretern immer noch mit am meisten Gewicht besitzen, denn er galt bis zum Abschied der Notenbankpräsidentin Janet Yellen als deren enger Vertrauter.
Am Ende ist der Euro nun doch noch unter seine wichtige Unterstützung bei 1,2315 gefallen, wodurch der Aufwärtstrend an Dynamik verloren hat. Gleichzeitig ist die Gemeinschaftswährung durch einen Korrekturmodus eingeschränkt, der (nicht zwingend) bis zur nächsten wichtigen Unterstützung bei 1,2190/95 reichen kann. Dies ist auch in etwa das Niveau, an dem nach einem modellhaften Ansatz aus der Behavioral Finance der Euro von mittelfristig orientierten Marktteilnehmern als fair bewertet wahrgenommen würde. Der Korrekturmodus wäre übrigens oberhalb von 1,2465 beendet.
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USD

USD CHF (0,9440)

Betrachtet man die Entwicklung des Franken gegenüber dem US-Dollar, wird deutlich, dass die Schweizer Währung gestern nicht wirklich gesucht war. Stattdessen hat sich der Greenback nach Tagen der Schwäche kurzfristig stabilisieren können. Damit befindet sich der US-Dollar zumindest auf dem Papier im Korrekturmodus, der sich bis 0,9480 bzw. 0,9555 ausdehnen kann, ohne den übergeordneten Abwärtstrend (0,9600) auch nur ansatzweise zu gefährden. Vielmehr droht bereits nach neuerlichem Unterschreiten von 0,9340 das Ende der Erholung und erneute Dollarschwäche.

GBP

EUR GBP (0,8825)

Pfund Sterling musste einen abermaligen temporären Rücksetzer hinnehmen, der aber gegenüber dem Euro bei 0,8900 zum Erliegen kam. Ursächlich dafür wurde die enttäuschende Entwicklung des Halifax-Hauspreis-Index genannt, der im Monatsvergleich sogar entgegen der Erwartung eines kleinen Anstiegs gefallen war. Und mit 2,2 Prozent ist der Dreimonatsdurchschnitt des Index gegenüber dem Vorjahr so langsam gestiegen, wie zuletzt im Juli vergangenen Jahres. Da der Euro jedoch am Ende des Tages ebenfalls zur Schwäche tendierte, kann man im Wettlauf mit dem Pfund den Euro zumindest für diesen Tag zum Verlierer erklären. Solange sich die Gemeinschaftswährung oberhalb von 0,8775 bewegt, bleiben die Chancen für einen Ausbruch an der Oberseite der breiten Konsolidierung, die zwischen 0,8690 und 0,8925 verläuft, geringfügig höher. 

CHF

EUR CHF (1,1570)

Es bleibt unklar, ob der Schweizer Franken am Ende des gestrigen Handelstages wegen erneuter „Flucht“ besorgter Börsianer  in den so genannten sicheren Hafen wieder zulegte oder ob der Euro nach festem Beginn zu eigener Schwäche tendierte – wir halten die zweite Variante für die wahrscheinlichere.  Am Ende wurde das Stabilitäts-Niveau bei 1,1640 nicht in Angriff genommen, so dass die Gemeinschaftswährung in ihrem leichten Abwärtstrend bleibt, der sich unterhalb von 1,1510 wieder in Richtung 1,1410 beschleunigen kann. 

PLN

EUR PLN (4,1690)

Wie erwartet hat die Polnische Nationalbank ihren Schlüsselzinssatz bei 1,5 Prozent belassen. Was allerdings den Inflationsausblick angeht, zeigte man sich trotz der jüngst gestiegenen Löhne eher zurückhaltend und rechnet damit, dass sich die Inflation auch im kommenden Jahr nahe an ihrem Ziel von 2,5 Prozent entwickeln wird. Am Ende hat der Zloty etwas Boden verloren, aber den Euro nicht in stabiles Terrain, oberhalb von 4,1780/90, hieven können. An der Unterseite bleibt die wichtigste Marke derzeit 4,1400, da darunter ein neuer Impuls in Richtung 4,1100 losgetreten würde.


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