Wöchentliche Marktberichte

Feb 07, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Bullard und Bostic beruhigen (ein wenig)

USD

EUR USD (1,2390)

Die meisten Händler dürften sich gestern eher mit Aktien- als mit Devisenmärkten beschäftigt haben. Während man an Wall Street versucht war, die Scherben des Kurssturzes vom Vortag einzusammeln, stellte man sich anderenorts die Frage, wie es so weit hatte kommen können. Denn die Begründung, dass Inflationssorgen die Börsianer auf den Verkaufsknopf hätten drücken lassen, ist eigentlich nicht wirklich einleuchtend. Bereits gestern wiesen wir auf die überzogene Bewertung der Entwicklung der durchschnittlichen Stundenlöhne vom vergangenen Freitag hin. In dieses Horn stieß nun auch James Bullard, Chef von der Fed von St. Louis, der gestern mit Blick auf Freitag äußerte, die Entwicklung der nominalen Stundenlöhne sei als Inflationsindikator ungeeignet. Und wäre Bullard nicht eine ausgewiesene Zinstaube, hätten die Finanzmärkte diese Äußerung womöglich ernst genommen. Aber der Kurssturz im Aktienmarkt war ohnehin schon von einigen Akteuren seit Wochen und mancherorts sogar seit Monaten erwartet worden. Und so war auch klar, dass das ganze nur eine Korrektur im übergeordneten Aufwärtstrend war. Gestern Nacht meldete sich dann auch noch Raphael Bostic zu Wort, der sich ebenfalls leicht taubenhaft anhörte, so als beabsichtige er, der jüngsten Tendenz einiger Marktteilnehmer, in diesem Jahr sogar von vier Zinserhöhungen (statt wie vielerorts erwartet drei) der Fed auszugehen, eine Absage zu erteilen. Allerdings ist nicht sicher, ob diese beiden Mitglieder des Offenmarktausschusses tatsächlich besorgte Marktteilnehmer nachhaltig beruhigen können.
Seltsamerweise mussten trotz des Kurseinbruchs an den Aktienbörsen während der vergangenen Tage nicht einmal sichtbar Dollar in Richtung USA repatriiert werden, um etwaige Verluste am heimischen US-Markt auszugleichen. Mit der Folge, dass der Euro auch gestern über weite Strecken ausgesprochen stabil blieb. Es ist schon ein Phänomen, dass die Devisenmärkte auch von dem während der vergangenen Tage hochvolatilen Handel in US-Staatsanleihen nicht angesteckt wurden. Denn eigentlich hätte sich niemand wundern dürfen, wenn angesichts der Zinsfantasien der Dollar stärker nachgefragt worden wäre. Daher muss man sich fragen, wer sich aus dem Dollar- in den Euroraum bewegt, so dass die Gemeinschaftswährung gestern exakt an ihrer Trend-Unterstützung bei 1,2315 aufsetzte und sich von dort aus wieder eindrucksvoll abstieß. Tatsächlich bleibt dieses Niveau maßgeblich für den Erhalt unseres dynamischen Aufwärtstrends, nunmehr in Richtung 1,2645.

USD

USD CHF (0,9345)

Immerhin konnte der Dollar sein erstes Widerstandsniveau bei 0,9390 mit Ach und Krach überwinden. Und dies, obwohl die US-Handelsbilanz ein größeres Defizit als erwartet für Dezember aufwies. Dass der Dollar momentan auf ökonomische Daten nur wenig reagiert, zeigt auch die Zahl der neu geschaffenen Stellen in den USA (JOLTS), die zwar für November nach oben revidiert wurden, aber für Dezember dafür umso mehr enttäuschten. Unterdessen bleibt das wichtigste Niveau an der Oberseite bei 0,9440, das überwunden werden muss, um den Dollar zumindest kurzfristig zu stabilisieren. Ansonsten ist der Auslöser an der Unterseite für Kursrückgänge – nunmehr in Richtung 0,9040 – bei 0,9245 weiterhin wirksam. 

GBP

EUR GBP (0,8875)

Das Markt-Sentiment hat sich mittlerweile weiter gegen Pfund Sterling gewendet. Und so verursacht auch die am Donnerstag stattfindenden Sitzung der Bank von England Händlern keine Bauchschmerzen. Zumal ein Zinsschritt frühestens im Mai erwartet wird. Dennoch darf man auf den Inflationsbericht bei der kommenden Zusammenkunft des Geldpolitischen Komitees gespannt sein. Tatsächlich näherte sich der Euro gestern zeitweise der Obergrenze seiner derzeitigen Konsolidierung bei 0,8925 (Untergrenze 0,8690) bis auf 15 Stellen. Und sollte sich die Gemeinschaftswährung tatsächlich oberhalb von 0,8775 halten können, stünden die Chancen auf einen Ausbruch an der Oberseite des Feldes nicht schlecht.

CHF

EUR CHF (1,1570)

Das Schicksal des Schweizer Franken scheint derzeit eng mit den Aktienmärkten verknüpft zu sein. Und da sich diese gestern wie vielerorts erwartet von ihren Tiefstständen erholen konnten, kam auch der Franken wieder unter Druck. Dies dürfte sich in dem Moment ändern, wenn sich herausstellen sollte, dass die derzeitige Korrektur in den wichtigen globalen Aktienmärkten doch noch nicht beendet sein sollte. Der Euro hat unterdessen jedoch noch nicht sein Stabilitätsniveau überschreiten können, das wir minimal auf 1,1640 hoch setzen müssen. Ansonsten sieht sich die Gemeinschaftswährung erneut Kursrückgängen in Richtung 1,1455 ausgesetzt.

PLN

EUR PLN (4,1540)

Kapitalzuflüsse beim polnischen Anleihemarkt sollen dem Zloty nach Händlerangaben gestern etwas geholfen haben. Allerdings geriet der Euro nicht nachhaltig unter Druck. Indes: Das Szenario bleibt gegenüber dem Vortag unverändert. Entscheidend im leichten Abwärtstrend des Euro ist die Marke 4,1400, mit deren Fall die Unterseite in Richtung 4,1100 (und tiefer) geöffnet würde. Der Stabilisierungspunkt bleibt bei 4,1780/90.


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