Wöchentliche Marktberichte

Feb 05, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Reagiert der Zinsmarkt mit Verspätung?

USD

EUR USD (1,2450)

Der EUR/USD-Kursverlauf des vergangenen Freitags hatte Seltenheitswert. Nicht etwa, weil etwas besonders Spannendes oder gar Dramatisches passierte, sondern genau aus gegenteiligem Grund. Es passierte so gut wie gar nichts. Normalerweise sind Tage, an denen US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht werden, Garanten für einen bewegten, manchmal sogar ziemlich volatilen Dollar-Handel. Am Freitag kam das Währungspaar aber noch nicht einmal über seine Vortageshandelsspanne hinaus. Und das, obwohl die Job-Daten nicht auf allen Ebenen den Erwartungen der Marktteilnehmer entsprachen: Im Januar wurden mehr neue Stellen geschaffen als angenommen. Der Anstieg der Stundenlöhne hat einige Akteure ebenfalls überrascht. Diese Nachricht dürfte wohl den größten Einfluss auf den Handel gehabt haben. Denn steigenden Löhnen folgt in der Regel steigende Inflation. Kein Wunder, dass selbst Fed-Mitglied Neil Kashkari, der innerhalb der US-Notenbank als ausgemachte „Zinstaube“ gilt, am Freitag im CNBC-Interview auf die Zahlen nachdenklich reagierte. Obgleich er derzeit kein stimmberechtigtes Mitglied der Fed ist, wurden seine Reaktionen vom Finanzmarkt sofort dahingehend übersetzt, dass nun mindestens drei Zinsschritte im laufenden Jahr zu erwarten sind. Dieses Szenario unterstrich auch sein Kollege Robert Kaplan. Fed-Mitglied John Williams versuchte hingegen, die Wahrscheinlichkeit für Maßnahmen jenseits von drei Zinserhöhungen etwas herunterzuspielen. Davon ließen sich Händler aber nicht ablenken. Für die meisten waren die US-Daten ein sicheres Indiz für weitere Zinsschritte.
Sieht man vom Arbeitsmarktbericht ab, gab es am Freitag noch weitere Ereignisse, von denen sich Devisenhändler nicht beeindrucken ließen. Die deutlichen Korrekturen an den internationalen Aktienmärkten beispielsweise. US-Standardwerte erlitten mit rund minus vier Prozent den größten Rückschlag seit zwei Jahren. Europäischen Blue Chips erging es teils noch schlechter. Noch eindrucksvoller war aber der Anstieg der langfristigen Zinsen, was Williams von der Fed lapidar als „verspätete Reaktion“ auf die gute Konjunktur abtat. Heißt es nicht immer, Finanzmärkte würden vorwärtsgerichtet „denken“ und Szenarien vorwegnehmen? Am Freitag galt dies wohl nicht. Euro bzw. USD wirkten eher lethargisch. Der Euro bleibt aber in seiner vorteilhaften Position mit Kurs auf die 1,2620er Hürde, solange die 1,2330er Unterstützung hält.

USD

USD CHF (0,9310)

Auch wenn der US-Dollar am Freitag den Anschein erweckt haben könnte, dem Franken Paroli bieten zu können: Er schaffte es noch nicht einmal, aus der Vortageshandelsspanne auszubrechen. Dabei müsste mindestens der 0,9390er Widerstand fallen, damit kurzfristig wieder etwas Ruhe einkehren kann. Eine Stabilisierung erfordert hingegen Kurse jenseits der 0,9440er Hürde. Auf der Unterseite behalten wir die 0,9245er Marke im Visier, da sie den Auslöser für Verluste auf 0,9070 darstellt. 

GBP

EUR GBP (0,8815)

Diese Woche treffen sich Unterhändler der britischen Regierung und der Europäischen Union erstmals offiziell, um die künftigen Beziehungen zu besprechen. Den Anfang macht heute EU-Chefunterhändler Michel Barnier, der Brexit-Minister David Davis in London besuchen wird. Ab morgen werden dann Fachgremien tagen. Geplant ist, dass alle Gespräche spätestens am 22. März, dem Start des nächsten EU-Gipfels, abgeschlossen sein sollen. Nimmt man aber die lautstarken Äußerungen von Innenministerin Amber Rudd als Maßstab, die gestern im Vorfeld der Gespräche fallen ließ, die Briten „werden nicht vor der Schlacht aufgeben", dürften es wohl sehr zähe und langwierige Verhandlungen werden. Der Euro notiert derweil wieder in der Mitte seiner breiten Konsolidierung (0,8690 und 0,8925).

CHF

EUR CHF (1,1590)

Seit Mitte Januar wird der Franken wieder von Anlegern bevorzugt, die über die nächste mögliche Krise reden und dabei vermutlich einen Absturz der Aktienkurse, der Immobilienpreise oder des Bitcoins im Sinn haben. Vielleicht fürchten sie sich auch vor einem rapiden Zinsanstieg. Am Wochenende dürften sie sich, nach Betrachten der Finanzmärkte, in dieser Haltung bestärkt sehen. Tatsächlich erweckten besagte Märkte stellenweise so etwas wie Krisenstimmung. Der Euro konnte unterdessen seinen Stabilisierungsversuch nicht fortsetzen. Er blieb erneut bei 1,1635 hängen, muss aber ohnehin die 1,1670er Schwelle überwinden. Die kurzfristig wichtige Unterstützung an der Unterseite (1,1540) schützt ihn weiterhin vor Kursrückgängen in Richtung 1,1470. 

PLN

EUR PLN (4,1680)

Aus der am Freitagnachmittag veröffentlichten Reuters-Umfrage geht hervor, dass alle 17 befragten Analysten keine Veränderung des Leitzinses bei der nächsten Notenbanksitzung am 7. Februar erwarten. Der Euro zog am Freitag zwar deutlich an, bis zur Stabilisierung (jenseits von 4,1780/90) ist aber noch ordentliches Angebot beiseite zu räumen. Solange diese Marke nicht fällt, bleibt die Unterseite bis 4,1190 offen.


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