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Wöchentliche Marktberichte

Feb 02, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Vorgeschmack für Brexit-Fans

USD

EUR USD (1,2490)

Gestern erschien ein Name in den Schlagzeilen der Finanzmarktnachrichten, der eher selten dort anzutreffen ist: Frank-Walter Steinmeier. Der Bundespräsident äußerte sich auf einer Abendveranstaltung in Frankfurt zur Vorgehensweise der Europäischen Zentralbank und lobte ihr Engagement in Sachen Preisstabilität, die sie „ganz in der Tradition der Bundesbank“ erfülle. Indem er der EZB bescheinigte, ihren geldpolitischen Auftrag vertragsgerecht zu erfüllen, nahm er sie vor zahlreichen Kritikern in Schutz. Die Lobrede Steinmeiers enthielt an sich nichts Außergewöhnliches, nichts, das für Furore sorgen könnte. Er sagte ja lediglich, die EZB würde einen guten Job machen und trotz des extremen geldpolitischen Kurses ihrem Auftrag gerecht werden. Dennoch zogen seine Kommentare rasch Aufmerksamkeit auf sich. Dies lag vermutlich daran, dass sich nur ein paar Stunden zuvor EZB-Chefvolkswirt Peter Praet zu Wort gemeldet hatte und wissen ließ: Die Notenbank habe ihre „Mission noch nicht vollendet". Die EZB sei noch eine Wegstrecke davon entfernt, das eigens gesetzte Inflationsziel bzw. die dafür aufgestellten Kriterien zu erreichen, was die späteren Ausführungen Steinmeiers plötzlich ungewollt wie eine Gegenposition und äußerst wohlwollend erscheinen ließen.
Auf den ersten Blick schienen diese Kommentare dem Euro gut zu bekommen, denn er pirschte sich bis an seine jüngste Januarspitze heran. Dies dürfte aber eher an der Vielzahl von Daten gelegen haben, die im Laufe des Tages dies und jenseits des Atlantiks veröffentlicht wurden. Darunter der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Industrie für die Eurozone, der im Januar zwar leicht unter seinem Dezember-Rekordwert lag, alles in allem aber eine sehr hohe Wachstumsdynamik widerspiegelt. Der Hauptantrieb der Euro-Hausse ist jedoch bei den Marktteilnehmern selbst zu suchen. Und zwar bei denen, die den Aufwärtstrend unterschätzt, verpasst oder gar gegen ihn gewettet hatten. Ihre Eindeckungskäufe sind es, die den Euro derzeit in Richtung seiner nächsten Hürde bei 1,2620 (modifiziert) schieben. Um das kurzfristige Aufwärtsmomentum beizubehalten, darf nun die Unterstützung bei 1,2330 nicht mehr verletzt werden.

USD

USD CHF (0,9270)

Ein Sieben-Jahres-Hoch beim Schweizer Konsumklima, das in der Januar-Umfrage vom Staatssekretariat für Wirtschaft ermittelt wurde, war zwar sicherlich eine erfreuliche Nachricht für eidgenössische Einzelhändler. Es war aber bestimmt nicht der Grund für die starke Vorstellung, die der Franken gestern lieferte. Vielmehr handelte es sich um eine Fortsetzung des jüngsten USD-Abwärtstrends, der kurz vor dem Erreichen unserer 0,9245er Marke (Auslöser für Verluste auf 0,9070) steht. Das Abwärtsmomentum des Dollar kann derzeit nur ein Überwinden von 0,9390 abbremsen. Eine Stabilisierung erfordert indes Kurse jenseits der 0,9450er Hürde.

GBP

EUR GBP (0,8760)

Gleich zu Jahresbeginn hat sich die Stimmung in Großbritannien weiter eingetrübt. Dies ist ausnahmsweise nicht der Auftakt zu einer weiteren Schilderung der endlosen Verhandlungen rund um den Brexit oder eine Beschreibung der politischen Situation, sondern der ernüchternde Lagebericht, der im Januar bei Industrieunternehmen einzufangen war. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe erlitt einen überraschenden Rückschlag und fiel auf 55,3 Punkte, den niedrigsten Stand seit Juni 2017 zurück. Auch der Euro fiel zunächst in Richtung Unterkante seiner breiten Konsolidierung, die zwischen 0,8690 und 0,8925 verläuft, erholte sich im Tagesverlauf aber wieder. Damit wirkt die Einheitswährung nach wie vor kraft- und orientierungslos. Die seit Jahresauftakt anhaltende Volatilität scheint im Februar indes erhalten zu bleiben.

CHF

EUR CHF (1,1580)

Das Jahr ist noch sehr jung, doch die EU-Kommission spricht bereits vom Jahresende. Bis dahin möchte sie die mit der Schweiz ins Stocken geratenen Gespräche über engere Handelsbeziehungen abgeschlossen haben. Genauer gesagt dreht es sich um ein Rahmenabkommen mit der Brüsseler Behörde, das den Zugang der Alpenrepublik zum EU-Binnenmarkt neu regeln soll und dessen Verhandlungen sich bereits ins vierte Jahr ziehen. Dies könnte, mit scharfer Zunge gesprochen, einen kleinen Vorgeschmack für alle Brexit-Fans darstellen. Tatsächlich sollten sich die Briten vor Augen führen, wie lange es dauern kann, wenn ein Nicht-EU-Land sich um bilaterale Verträge der Europäischen Union bemüht. Der jüngste Euro-Erholungsversuch in Richtung 1,1635 scheiterte, aber eine Stabilisierung ist ohnehin erst oberhalb von 1,1670 zu erwarten. Ansonsten bleibt die wichtigste Unterstützung an der Unterseite die Marke von 1,1540, nach deren Versagen weitere Kursrückgänge des Euro in Richtung 1,1470 angezeigt wären.

PLN

EUR PLN (4,1550)

Aus polnischen Notenbank-Kreisen drang gestern durch, dass die Zinsen in den nächsten Quartalen vermutlich keine Anpassung benötigen. Der Euro bewegte sich so gut wie gar nicht und benötigt weiterhin Kurse oberhalb von 4,1780 zur Stabilisierung. Die Unterseite bleibt derweil bis 4,1190 offen.

CZK

EUR CZK (25,18)

Obgleich sie nicht unerwartet erfolgte, hat die gestrige Zinsanhebung der Tschechischen Nationalbank auf 0,75 Prozent den Euro auf ein Fünf-Jahres-Tief gedrückt. Weitere Verluste bis auf 25,02 sind wahrscheinlich. Um diese Gefahr abzuwenden, müsste die 25,38er Hürde geklärt werden.


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