Wöchentliche Marktberichte

Jan 19, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

US-BIP droht Zwangsurlaub

USD

EUR USD (1,2260)

Amerikaner mögen Show, lieben Inszenierungen – auch an den Finanzmärkten. Und tatsächlich: Fast immer, wenn es in den USA um den Haushalt, konkret um die Finanzierung der US-Bundesbehörden geht und ein sogenannter „Government shutdown“ – ein Stillstand der Regierungsgeschäfte – droht, werden die Verhandlungen, die einen ebensolchen verhindern sollen, in der Regel bis zur allerletzten Minute ausgereizt. Auch heute könnte sich dieses oft gesehene Schauspiel wiederholen. Gestern sah jedenfalls alles danach aus, dass sämtliche Versuche der regierenden Republikaner, kurz vor Toresschluss noch eine Übergangslösung zustande zu bekommen, äußerst fraglich erscheinen und möglicherweise scheitern werden. Zu Recht fragen sich Finanzmarktakteure: Was würde in den USA im Falle eines Stillstandes eigentlich passieren? Die Türen von Ämtern und Behörden blieben verschlossen, der Öffentliche Dienst käme teilweise zum Erliegen. In Nationalparks und anderen bundeseigenen Freizeiteinrichtungen würden „Closed“-Schilder an den Eingängen hängen. Letztendlich würde das Ganze einem Zwangsurlaub der US-Wirtschaft gleichkommen – natürlich einem unbezahlten.

Dass US-Präsident Donald Trump sich diesbezüglich per Twitter zu Wort meldete, dürfte niemanden überrascht haben. Was aber wohl nicht allen US-Bürgen bewusst zu sein scheint: Trump gehört zu den Mitverursachern der jüngsten Haushaltskrise. Mit dem hartnäckigen Festhalten an seiner Forderung, Milliarden von Dollar für den Bau einer Mauer an der mexikanischen Grenze bereitzuhalten, hat er dazu beigetragen, die Kompromissfindung mit den Demokraten deutlich zu erschweren.

Insofern schwächt Trump einmal mehr den US-Dollar. Ein Blick auf den Kursverlauf des Dollar-Index der vergangenen beiden Wochen zeigt, welche Spuren die jüngsten Haushaltsunstimmigkeiten bei den Marktteilnehmern hinterlassen haben. Der Euro ist nach dem Rückzug von seiner Drei-Jahres-Spitze am Mittwoch bereits wieder auf den Weg nach oben. Unser Kursziel liegt nach wie vor bei 1,2370/75. In diesem Zusammenhang darf die 1,2075/80er Unterstützung jedoch nicht mehr verletzt werden.

CHF

USD CHF (0,9570)

US-Dollar-Optimisten, die sich am Mittwoch über die positive Entwicklung und die Gegenwehr des Greenbacks freuten, fielen gestern in die Schockstarre der vergangenen Wochen zurück, in der die US-Valuta vom Franken förmlich überrannt wurde. Nun ist sie, innerhalb weniger Stunden, genau auf unser Kursziel bei 0,9565 (Auslöser für Verluste bis 0,9470) zurückgekehrt, was zeigt, in welcher strukturell schwachen Position sich der Dollar derzeit befindet. Eine kurzfristige Stabilisierung können wir uns nach wie vor frühestens jenseits der 0,9700/05 Hürde vorstellen.

CHF

EUR CHF (1,1735)

Nicht etwa den Schweizer Franken, sondern den Bitcoin nimmt die Schweizer Regierung derzeit unter die Lupe. Sie möchte mehr Rechtssicherheit im Umgang mit Kryptowährungen schaffen. Angst, dass diese irgendwann einmal zu einer ernsthaften Konkurrenz für den Franken werden könnten, haben die Schweizer aber nicht. Gestern hat der Euro gegenüber dem Franken weiter nachgegeben und dabei auch unsere 1,1740er Marke unterschritten. Das bedeutet allerdings nicht, dass er nun schwach geworden ist, sondern dass sich eine erneute Aufwärtsbewegung Richtung 1,1845 und 1,1950 verzögern wird. Kleinere Korrekturen bis 1,1710 oder schlimmstenfalls bis 1,1660 sind damit jedoch wahrscheinlicher geworden.

GBP

EUR GBP (0,8810)

Eine wichtige Meldung, die zur Wochenmitte durch die europäische Finanzpresse ging, lautete: Das britische Parlament habe die „EU Withdrawal Bill“, ein wichtiges Brexit-Gesetz, „verabschiedet“. Dies war aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn dies betraf nur das Unterhaus; dem mehrheitlich EU-freundlichen Oberhaus wird das Gesetz noch vorgelegt. Dort wird von zahlreichen Lords reichlich Gegenwind – in Form von Änderungsanträgen – zu erwarten sein. Gestern wurde der Euro kurz unter unsere 0,8805er Marke gedrückt, was bedeutet, dass wir unsere jüngste positive Haltung zunächst einmal zurücknehmen und die Lage neutral bewerten müssen. Vermutlich bedeutet dies auch eine neue Konsolidierung zwischen 0,8760 und 0,8925.

PLN

EUR PLN (4,1600)

Der Zloty-Handel verlief gestern in relativ ruhigen Bahnen. Genauso, wie der Blick auf den leeren ökonomischen Kalender es vermuten ließ. Mit erhöhter Aktivität bzw. Stärke der polnischen Währung ist erst zu rechnen, wenn der Euro unter die 4,1580er Unterstützung fallen sollte, was wahrscheinlich einen Test der 4,1405er Marke nach sich ziehen dürfte. Eine Stabilisierung ist hingegen bereits oberhalb von 4,1920 möglich.


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