Wöchentliche Marktberichte

Jan 18, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Nicht der Euro ist das Problem

USD

EUR USD (1,2200)

Beinahe könnte man von einem déjà vu-Erlebnis sprechen. Denn nachdem der Euro gestern noch in aller Frühe bei 1,2320 ein neues Dreijahreshoch markierte, fiel er anschließend wieder recht deutlich in die Handelsspanne des Vortages zurück. Während Euro-Bullen bestenfalls etwas enttäuscht gewesen sein mögen, weil sie wieder einmal eine gute Verkaufsgelegenheit verpasst hatten, fühlten sich Pessimisten bestätigt. In ihrer Wahrnehmung hatte die Gemeinschaftswährung gegenüber den beiden Handelstagen zuvor kein wesentlich bedeutsameres Hoch markiert. Und als wir gestern über Beruhigungsmittel für diejenigen sprachen, die sich mit dem festen Euro nicht recht wohl fühlen, gab es von offizieller Seite noch einmal Schützenhilfe. So zeigte sich EZB-Vizepräsident Vitor Constâncio um den zu festen Wechselkurs genauso besorgt wie sein Kollege im EZB-Rat, der Präsident der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny. Oder, was möglicherweise in Zeiten der Angst vor einem früher als gedacht vollzogenen Ende der EZB-Anleihekäufe viel wichtiger ist: Beruhigende Statements zur Geldpolitik seitens Constâncios, auch wenn dieser als Zinstaube bekannt ist.

Wer die Entwicklung der vergangenen Tage jedoch etwas genauer unter die Lupe nimmt, wird schnell zu der Erkenntnis gelangen, dass nicht etwa ein fester Euro, sondern vielmehr ein schwacher US-Dollar das Problem ist. Denn dieser hat gegenüber einem Korb verschiedener Währungen in Gestalt des Dollar-Index seit dem 11. Januar, als das „besorgniserregende“ EZB-Protokoll die Initialzündung für den in der Spitze rund 3-prozentigen Euro-Anstieg gab, deutlicher an Wert verloren als die Gemeinschaftswährung. Dabei wäre es gerade angesichts der Entwicklung am US-Aktienmarkt, die man dortzulande möglicherweise mit einem gewissen Argwohn betrachtet, gar nicht so ungewöhnlich, wenn Kapitalströme in Richtung Aktienmärkte in der Eurozone geflossen wären, die gerade aus Sicht internationaler Investoren noch Nachholbedarf haben könnten. Gleichzeitig hat die jüngste BofA Merrill Lynch Umfrage unter internationalen Fondsmanagern Interessantes zutage gebracht: Nämlich, dass die Vermögensverwalter den Zeitpunkt für einen großen Wendepunkt der Aktienhausse, der vor Monatsfrist noch im zweiten Quartal 2018 gesehen wurde, schlechterdings ins Jahr 2019 oder auf einen noch späteren Zeitpunkt verschoben haben.

Und so rechnen wir weiterhin mit einem Anstieg des Euro in Richtung 1,2370/75, wobei dieses Niveau nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten muss. In diesem Zusammenhang sollte 1,2075/80 allerdings nicht unterlaufen werden.

CHF

USD CHF (0,9640)

Keine Entwarnung für den US-Dollar gegenüber dem Franken, der nun nach dem fünften Verlusttag in Folge gestern endlich einmal positiv abschloss. Zuvor hätte er fast auch noch das nächste Kursziel bei 0,9565 erreicht. Gerade diese Entwicklung steht im Kontext von EUR/CHF exemplarisch dafür, dass nicht der Franken eine große relative Stärke zeigt, sondern der Greenback sich derzeit in schwacher Position befindet. Seine kurzfristige Stabilisierung ist nach wie vor erst oberhalb von 0,9700/05 denkbar. 

CHF

EUR CHF (1,1765)

Eine Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen hält eine Zinsanhebung in der Schweiz frühestens im vierten Quartal 2019 für möglich und dann überhaupt nur, wenn die Europäische Zentralbank bereits zuvor einen Zinserhöhungszyklus gestartet hätte. Dies dürfte jedoch nicht der Grund dafür sein, dass der Euro gestern gegenüber dem Franken noch einmal etwas an Boden verlor. Allerdings muss für einen Erhalt des bestehenden Aufwärtsmomentums in Richtung 1,1845 und 1,1950 die Marke bei 1,1740 gehalten werden.

GBP

EUR GBP (0,8825)

Es ist nicht gesichert, ob der gestrige plötzliche Aufschwung von Pfund Sterling einer Rede Michael Saunders, einem als Zinsfalken bekannten Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank von England, oder Theresa Mays Statement über die Unumkehrbarkeit („It is absolutely clear we are leaving the EU“) des Brexit geschuldet ist. Denn beide haben eigentlich nichts verlauten lassen, was nicht ohnehin bekannt gewesen wäre. Insofern geriet auch der Euro (aber nicht wegen großer innerer Schwäche) unter Druck und testete um ein Haar sogar seiner Unterstützung bei 0,8805. Fiele dieses Niveau, würde der Euro zwar nicht direkt in einen Abwärtstrend münden, aber etwaige positive Ambitionen müssten dann zunächst einmal verschoben werden.

PLN

EUR PLN (4,1640)

Die polnischen Löhne sind im Dezember stärker als erwartet gestiegen. Dennoch ist ein Statement von Eugeniusz Gatnar, Mitglied des geldpolitischen Rates der Polnischen Zentralbank, zumindest von Händlern nicht wirklich wahrgenommen worden. Gatnar, der sich ursprünglich als Zinsfalke gezeigt und als Befürworter einer Erhöhung der Leitzinsen im ersten Quartal 2018 aufgetreten war, ist nämlich angesichts der niedrigeren Inflation im Dezember zurückgerudert und möchte erst einmal abwarten. Für den Euro bleibt unterdessen alles wie gehabt: Falls 4,1580 fallen sollte, wäre ein Test von 4,1405 angezeigt. Eine Stabilisierung ist nun bereits oberhalb von 4,1940 möglich.


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