Wöchentliche Marktberichte

Jan 17, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Trügerische Beruhigungsmittel

USD

EUR USD (1,2240)

Würde man den Kursverlauf des Euro während der vergangenen vier Handelstage mit einem Operndrama vergleichen, so wäre nicht nur dessen Handlung, sondern auch die Haltung des Publikums bemerkenswert. Denn den meisten Zuschauern dürfte ein euphorisches „Bravo!“ als Reaktion auf den rund dreiprozentigen Anstieg zwischen dem 11. Januar und gestern wohl im Halse stecken geblieben sein. So bekamen es manche Investoren bereits, als das Protokoll der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank aus dem vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, gehörig mit der Angst zu tun. Mit etwas Fantasie konnte man herauslesen, dass die EZB möglicherweise früher als gedacht ihr Anleihekaufprogramm zurückfahren könnte. Dieses Protokoll wurde vorgestern noch einmal getoppt, indem EZB-Ratsmitglied Ardo Hansson durchblicken ließ, die EZB könne, immer vorausgesetzt die ökonomischen Rahmenbedingungen würden dafür gegeben sein, womöglich im September das Anleihekaufprogramm entgegen ihrem Versprechen sogar auf einen Schlag zurückfahren. Interessanterweise hatte aber ausgerechnet dieses Statement dem Euro kaum mehr weiteren Schub nach oben verliehen.

Stattdessen hätte man, um im Bild einer Opernaufführung zu bleiben, gestern das laute Beifallklatschen des Publikums hören können, als der Euro endlich ein wenig korrigierte. Während der stake Aufstieg der Gemeinschaftswährung bis dato nicht immer leicht zu begründen war, waren Argumente für die Korrektur schnell ausgemacht. Sei es, dass der Präsident der Französischen Notenbank, François Villeroy de Gaulhau, in einem Zeitungsinterview die jüngste Aufwertung der Gemeinschaftswährung als Risiko für den erhofften Anstieg der Inflation in der Eurozone bewertete und voreiligen Festlegungen zur Zukunft der EZB-Anleihekäufe eine Absage erteilte. Oder die von der Nachrichtenagentur Reuters zitierten sogenannten „informierten Kreise“, die seltsamerweise immer dann zu Wort kommen, wenn der Euro nach Ansicht einer Mehrheit wieder einmal zu sehr zur Stärke tendiert. Jedenfalls war aus diesen Kreisen zu vernehmen, die EZB werde ihre Kommunikation bei ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag – in ihrer Logik eine Voraussetzung für die Änderung der quantitativen Lockerungsmaßnahmen – nicht ändern. Dabei hat allerdings gerade die Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass bei einem entsprechenden Währungstrend solche Beruhigungsmittel trügerisch sein können. Denn der Aufwärtstrend des Euro ist durch die gestrige Korrektur noch nicht einmal ansatzweise gestört worden. Vielmehr markierte er heute früh in Fernost temporär sogar ein neues Dreijahreshoch. Deswegen halten wir an einem Anstieg bis 1,2370/75 (leicht modifiziert) weiterhin fest – zumindest, solange 1,2060 nicht unterlaufen wird.

CHF

USD CHF (0,9625)

Wer auf eine Dollar-Erholung gesetzt hatte, musste sich auch gestern enttäuscht sehen. Von der zwischenzeitlichen leichten Korrektur – sie bewegte sich in etwa im Rahmen der bisherigen Reaktionen seit dem 10. Januar – war am Ende des Tages nichts übrig geblieben. Im Gegenteil: Unser Kursziel bei 0,9565 wurde ganz knapp verfehlt. Darunter kann es sogar noch etwas tiefer auf 0,9525 gehen. Der kurzfristige Stabilisierungspunkt liegt auf der anderen Seite ebenfalls tiefer bei 0,9700/05.

CHF

EUR CHF (1,1785)

Eigentlich hätte man es ahnen können, dass der Chef der SNB, Thomas Jordan, in seiner gestrigen Rede keinen Hinweis auf eine Änderung der Geldpolitik geben würde. Und so wurde das Währungspaar weitgehend von der gestrigen, leicht korrektiven Euro-Schwäche dominiert. Dabei bleibt der Weg in Richtung des früheren Interventionsniveaus der SNB von vor drei Jahren bei 1,20 weiterhin offen, mit Widerständen bei 1,1850 und 1,1945. In diesem Zusammenhang ist an der Unterseite 1,1740 für den Erhalt des Momentums das Maß der Dinge.

GBP

EUR GBP (0,8890)

Zwar gab es gestern eine Reihe von Inflationsdaten für Großbritannien, aus denen sich jedoch kein einheitlicher Trend herauslesen ließ. So war der Konsumentenpreis-Index im Dezember mit einem Plus von 3,0 Prozent im Jahresvergleich wie erwartet ausgefallen. Aber die Kernrate blieb indes hinter den Prognosen etwas zurück, und wenn man auch noch die Entwicklung der Einzelhandelspreise im Jahresvergleich betrachtet (+4,1 gegenüber erwarteten 3,9 Prozent), dann ergibt sich eigentlich ein gemischtes Bild. Und dies hat sich auch im Wechselkurs zum Euro gezeigt, der sich nun bereits seit einer Woche nicht so recht bewegen will. Somit bleibt am oberen Ende die Widerstandszone zwischen 0,8940 und 0,8965, auf deren Test wir immer noch setzen, solange die Unterstützung bei 0,8805 unverletzt bleibt.

PLN

EUR PLN (4,1760)

Das kurzzeitige gestrige Aufbäumen des Euro reichte nicht, um diesen aus der Gefahrenzone zu bringen. Vielleicht auch weil die Netto-Inflation in Polen wie erwartet ausgefallen war. Damit bewegt sich der Euro weiterhin auf recht schlüpfrigem Boden, womit nach Versagen der recht guten Unterstützung bei 4,1580 ein erneuter Anlauf auf das jüngste Tief bei 4,1405 angezeigt wäre. An der Oberseite bleibt die wichtigste Hürde für eine Stabilisierung bei 4,1960 bestehen.


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