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Wöchentliche Marktberichte

Jan 12, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Protokollierte Kommunikationsanpassung

USD

EUR USD (1,2045)

Das Gerücht, China könnte womöglich keine US-Staatsanleihen mehr kaufen oder sich gar von Beständen trennen, war zwar kurzatmig, hat aber dennoch für Verwirrung und Bewegung an den Bond- und Devisenmärkten gesorgt. Eine bemerkenswert ruhige und sachliche Analyse dieser Behauptung sorgte jedoch dafür, dass Händler wieder schnell ihr Gleichgewicht fanden, da ihnen bald schon die Unstimmigkeiten in dieser Aussage aufgefallen waren. Doch kaum hatten sich die Gemüter wieder beruhigt, erzeugten andere Schlagzeilen neuen Unmut. Diesmal handelte es sich aber nicht um Gerüchte, sondern um harte Fakten – genauer um das veröffentlichte Protokoll der letzten EZB-Ratssitzung des vergangenen Jahres, die Mitte Dezember abgehalten wurde. Der Inhalt hat die meisten Akteure zweifelsohne konsterniert, was sich unschwer an der Reaktion des Euro ablesen ließ. Praktisch aus dem Stand schoss er fast von seinem Tagestief aus nach oben, um sich der „Doppelspitze“ bei 1,2090 USD bis auf 30 Stellen zu nähern. Nicht minder überrascht reagierte der Rentenmarkt: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg binnen kurzer Zeit auf das höchste Niveau seit dem 1. August 2017. Auslöser der ruppigen Kursbewegungen war, dass Notenbanker der EZB die Ansicht vertreten hatten, die Kommunikation müsse „angepasst werden“, wenn sich das Wirtschaftswachstum fortsetze und sich die Inflation weiter dem Zielbereich nähere. An Letzterem besteht, nach den gestern bekanntgegebenen Konjunkturdaten aus Deutschland, kaum Zweifel. Der steigende Ölpreis sowie die Diskussionen über notwendige Preiserhöhungen im Handwerk zur Finanzierung der Lohnattraktivität wirken Inflationszweifeln ebenfalls entgegen. Eine Anpassung der Kommunikation muss einer tatsächlichen Änderung der EZB-Geldpolitik jedoch vorausgehen. Akteure reagierten gestern jedoch ansatzweise so, als ob sie bereits den Schwenk der Notenbankpolitik vorwegnehmen würden.

Nicht die Richtung des gestrigen Euro-Spurts hat uns überrascht, sondern seine Geschwindigkeit. Dies gibt zu denken. Denn wenn sogar schon Euro-Optimisten von der Kursentwicklung verblüfft sind, wie sieht es dann erst bei den Euro-Bären aus? Wie es scheint, nicht besonders gut, da der Euro bis dato kaum etwas von seinen Gewinnen abgegeben hat. Wir rechnen daher schon bei leichten Rücksetzern mit solider Nachfrage und gehen von einem zügigen Angriff des zuvor erwähnten Doppelhochs, mit Ziel 1,2160, aus. Dazu darf das Jahrestief bei 1,1915 nun aber nicht mehr unterschritten werden.

CHF

USD CHF (0,9760)

Nachdem die Gerüchteküche über den potenziellen Ausfall chinesischer Käufe für US-Staatsanleihen dem US-Dollar bereits zugesetzt hatte, wurde ein weiterer Versuch, in höhere Gefilde zu streben, jäh vom EZB-Protokoll unterbrochen. Wir gingen ohnehin davon aus, dass es nur ein kurzfristiges Intermezzo sein würde. Daher überrascht uns nicht, dass der Dollar sich wieder in die bewährte Marschrichtung begeben hat und nun bis auf 0,9655 weitere Schwäche entfalten dürfte.

CHF

EUR CHF (1,1755)

Mangels anderer ökonomischer Höhepunkte beschäftigten sich gestern auch Franken-Händler fast ausschließlich mit der Interpretation des EZB-Protokolls. Der Euro sprang entsprechend an, trug aber den vierten Tag in Folge mehr oder weniger nur die gesamte Handelsspanne der laufenden Woche von unten nach oben ab. Somit legte er aufs Neue sein Konsolidierungsgebaren (1,1660 - 1,1780) an den Tag. Dabei bleibt es wahrscheinlich, dass er sich zuerst der Oberkante dieser Zone zuwenden wird.

GBP

EUR GBP (0,8890)

Zwar hat Premierministerin Theresa May gestern eine Rede gehalten. Um eine Vermeidung von Brexit-Kosten oder gar des Austritts selbst ging es darin aber nicht. Stattdessen verlangte die Regierungschefin eine drastische Reduzierung des britischen Plastikverbrauchs. Verständlich, dass Devisenhändler weniger Mays Worten folgten und sich stattdessen der EZB-Protokollveröffentlichung widmeten. Entsprechend war auch die Kursreaktion des Euro gegenüber Sterling wenig überraschend. Die Einheitswährung hat ihre Kontrolle wieder zurückerlangt und steuert nun eine Zone mit Widerständen bei 0,8940 und 0,8965 an. Auf der Unterseite findet sich hingegen bei 0,8850 neue kurzfristige Unterstützung.

PLN

EUR PLN (4,1660)

Jerzy Kwiecinski, seines Zeichens Entwicklungsminister, zeigte sich gestern optimistisch. Er glaubt, dass Polens Wirtschaft im vierten Quartal des vergangenen Jahres ähnlich stark gewachsen ist wie im vorangegangenen. Das Unterhaus hat daraufhin nicht lange gefackelt und für die Planung des 2018er Haushalts ein Wachstum von 3,8 Prozent veranschlagt. Bei der Inflation geht man hingegen von 2,3 Prozent aus. Für das Defizit wird ein Betrag von umgerechnet knapp 12 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Damit wären die nötigen Bausteine vorhanden, um sich den weiteren Verlauf des Wirtschaftsaufschwungs zu modellieren. Die Zahlen müssen allerdings noch vom Oberhaus und dem Präsidenten abgesegnet werden. Der Zloty hat die Hälfte der jüngsten Euro-Korrekturgewinne wieder zunichtegemacht. Solange die 4,1960er Hürde steht, droht erneute Schwäche, die den Euro unterhalb von 4,1610 auf sein jüngstes Tief (4,1405) drücken wird.


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