Wöchentliche Marktberichte

Dez 21, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Eine Steuerreform, endlich

USD

EUR USD (1,1890)

Eigentlich hätte man schon etwas mehr Dollarstärke sehen können, nachdem das Steuerpaket das Repräsentantenhaus endlich ein weiteres Mal passiert hatte. Aber wie das eben manchmal so ist, sorgt die Gewöhnung dafür, dass manche erhofften Effekte am Ende doch nicht eintreten. Und genau für diese Gewöhnung steht der Begriff „endlich“. Andere verwiesen gestern auf die typische Börsenweisheit „buy the rumour, sell the fact“. Aber im Grunde hatte kaum jemand eine plausible Begründung für die nun bereits drei Tage anhaltende, leichte Dollar-Schwäche, die sich auch im entsprechenden Index gegenüber mehreren Valuten niederschlägt. Der Euro indes hat ebenfalls gegenüber mehreren Valuten drei Tage respektabler Stärke hinter sich. Ganz nebenbei, salopp ausgedrückt, wird in Katalonien heute gewählt, aber das scheint den Handel nicht wirklich zu interessieren. Auch ist es nicht sicher, dass, wie vielerorts angeführt, etwa ein Anstieg der deutschen Anleiherenditen am langen Ende für Euro-Nachfrage gesorgt hat. Genauso wenig wie die taubenhafte Kommentare von Neel Kashkari, dem Chef der regionalen Fed von Minneapolis, die angeblich für den schwachen Unterton beim Dollar gesorgt haben könnten. Bei der Sitzung der US-Notenbank in der vergangenen Woche hatte Kashkari gegen die Zinserhöhung, genauso wie sein Kollege Charles Evans, Chef des Chicagoer Ablegers der Fed. Dabei wird vermutlich übersehen, dass beide Abweichler im kommenden Jahr turnusmäßig nicht mehr zu den stimmberechtigten Mitgliedern im Offenmarktausschuss der Notenbank gehören werden. Stattdessen werden in 2018 etwa mit Loretta Mester (Cleveland Fed) und John Williams (San Francisco Fed) zwei veritable Zinsfalken stimmberechtigt sein. Außerdem muss US-Präsident Donald Trump noch vier Mitglieder des Direktoriums, darunter auch die Position des stellvertretenden Fed-Präsidenten, nominieren. Mit anderen Worten: Selbst wenn sich der künftige Fed-Präsident Jerome Powell als Garant für die Fortsetzung der bisherigen Notenbankpolitik erweisen sollte, könnte die Besetzung des Offenmarktausschusses zwar noch für viel Diskussionsstoff, aber auch für weniger taubenhafte Entscheidungen sorgen. Und somit auch für einen stärkeren US-Dollar.

Gestern galt jedoch das Interesse am Ende dem Euro, der sogar die Obergrenze seiner neutralen Zone leicht überschritt und damit zumindest das Tor für Kurssteigerungen in Richtung 1,2010 aufstieß. Dennoch fällt es schwer, derzeit von einem richtigen Aufwärtstrend zu sprechen, da bereits mit Unterschreiten von 1,1765 das alte Gleichgewicht wiederhergestellt würde.

GBP

EUR GBP (0,8880)

Der Rücktritt des britischen Vizepremiers und Kabinettchefs Damian Green, einem engen Vertrauten Theresa Mays, wegen Belästigungsvorwürfen hat wahrscheinlich kaum zur gestrigen Pfund-Schwäche beigetragen. Genauso wenig wie das etwas schlechter ausgefallene britische Verbrauchervertrauen, das gestern Nacht kommuniziert wurde. Vielmehr dürfte es die Euro-Stärke gewesen sein, die sich auch gestern gegenüber dem Pfund manifestierte und dafür sorgte, dass unser wichtiger Widerstand bei 0,8885 getestet wurde. Jenseits von diesem Niveau rechnen wir nach wie vor mit weiterer Eurostärke in Richtung 0,8935 und letztlich auch 0,9020. Die beste Unterstützung an der Unterseite bleibt nach wie vor bei 0,8760.

CHF

EUR CHF (1,1700)

Auch gegenüber dem Schweizer Franken zeigte sich der Euro gestern von seiner freundlichen Seite und strebt in Richtung der Obergrenze seiner Konsolidierungszone, die zwischen 1,1570 und 1,1745 verläuft. Und dies, obwohl neue ökonomische Erkenntnisse gestern Mangelware waren.

PLN

EUR PLN (4,2020)

Dass die EU gegen Polen ein Sanktionsverfahren wegen der umstrittenen Justizreform der Nationalkonservativen Regierungspartei beantragt hat – eine Maßnahme, die sie in ihrer bisherigen Geschichte noch nie zuvor ergriffen hatte –, hinterließ bislang keine Spuren im Wechselkurs. Stattdessen dümpelt der Euro um die 4,20er Marke, bleibt aber anfällig für weitere Schwäche (4,1725). Auf der anderen Seite bleibt der Stabilisierungspunkt bei 4,2245 erhalten.


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