Wöchentliche Marktberichte

Dez 18, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

US-Steuerreform erfreut nicht jeden

USD

EUR USD (1,1765)

Ganz gleich, ob Investoren derzeit über den Euro- oder den Dollarraum reden; meist sind es politische Themen, die aufs Tapet kommen. Was den Dollar angeht, steht kurz vor dem Jahresende die Steuerreform im Fokus. Zweifellos zog dieses Projekt – es handelt sich immerhin um die größte US-Steuerreform seit der Reagan-Ära – am vergangenen Wochenende die volle Aufmerksamkeit des Finanz­marktes auf sich. Einerseits, weil es den Konservativen tatsächlich gelungen ist, eine zirka 500 Seiten starke Entwurfsfassung, die unter anderem eine massive Senkung der Unternehmenssteuer enthält, vorzulegen. Andererseits, weil damit nun klar geworden ist, dass das Haushaltsdefizit in den nächsten Jahren wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit derjenigen Investoren rücken wird, die ihren Anlage­schwer­punkt in den USA haben. Der überparteiliche Steuerausschuss des Kongresses geht nämlich davon aus, dass der US-Schuldenberg rasant wachsen wird: Das Expertenkomitee erwartet im Laufe der nächsten zehn Jahre einen Anstieg des Defizits in Höhe von einer Billion US-Dollar. Verständlich, dass sich nicht alle Beteiligten auf die Gesetzesfreigabe durch Präsident Donald Trump freuen werden. Aber nicht nur Gläubiger aus aller Welt, die sich vor einer potenziellen Verschlechterung der US-Schuldensituation fürchten, schauen sorgenvoll auf die Entwicklung. Auch US-Bürger, die als Geringverdiener mitunter ein Dasein unter erschwerten Bedingungen führen, blicken mit Unmut auf das näher rückende Ende des Reformgenehmigungsprozesses. Die Vorlage enthält nämlich auch den Abschied von der Gesundheitsreform. Wird der Entwurf also tatsächlich unterschrieben, könnten künftig wieder rund 13 Millionen Menschen ohne Krankenversicherungsschutz dastehen. Zudem verlieren viele Gering- und Mittelverdiener die Möglichkeit, eine ganze Reihe an Ausgaben von der Steuer abzusetzen. Die Trump-Regierung wird diese Maßnahmen zwar ganz bestimmt als Kosteneinsparungserfolg feiern. Für die Vereinigten Staaten könnte sich die Reform indes langfristig als schädlich erweisen.

Der Euro schloss am Freitag nah an seinem Wochentief. Noch ist die Situation als neutral einzustufen, wobei die 1,1890er Marke eine Hürde darstellt. Unterhalb von 1,1690 werden indes einige weitere schwache Tage folgen.

GBP

EUR GBP (0,8815)

Immer mehr Briten scheint der nahende Austritt aus der Europäischen Union Kummer zu bereiten. Die Zeitung The Independent hat am Samstag aus einer neuen Studie des Meinungsforschungsinstituts BMG zitiert. Ihr zufolge ist der Vorsprung der EU-Befürworter, die mit 51 Prozent vor den Austritts-Anhängern (41 Prozent) liegen, auf das höchste Niveau seit dem Brexit-Referendum gestiegen. Ungeachtet des neuen Wunschdenkens britischer Bürger ringen EU und UK weiter um eine Lösung. Um Premierministerin Theresa May eine erneute Schlappe zu ersparen, scheint man sich – wie britische Medien am Wochenende meldeten – nun hinter den Kulissen auf einen Kompromiss geeinigt zu haben. Das umstrittene Austrittsdatum, der 29. März 2019, soll nun im geplanten EU-Austrittsgesetz verankert, darf aber noch geändert werden, falls sich die Brexit-Verhandlungen hinziehen sollten. Mit diesem Kompromiss dürften die meisten wohl gut leben können. Ob in Sterling dadurch Ruhe einkehren wird, bezweifeln wir. Der Euro bewegte sich am Freitag zwischen unserem ersten Nachfragepunkt bei 0,8740 und dem wichtigen 0,8885er Widerstand. Insbesondere das Überwinden letzterer Hürde dürfte für neue Volatilität sorgen.

CHF

EUR CHF (1,1645)

Kaum verändert zeigte sich der Euro zum Schweizer Franken. Er notierte in einer engen Handelsspanne und bleibt somit in der seit Oktober bestehenden, geringfügig nach oben tendierenden Konsolidierungszone, die zwischen 1,1570 und 1,1745 verläuft.

PLN

EUR PLN (4,2100)

Wie bereits erwähnt, dominieren derzeit politische Themen zahlreiche Märkte. Osteuropa macht hierbei keine Ausnahme. Am vergangenen Freitag beschloss das polnische Parlament eine einschneidende Änderung des Wahlrechts. Der Euro drehte am Freitagmorgen kurz vor unserer 4,2260er Auslösemarke und verlor danach kontinuierlich an Boden. In den letzten Minuten der Handelswoche zerrannen gut zwei Drittel der Gewinne, die er sich in den vier vorangegangenen Tagen mühsam erarbeitet hatte. Gute Nachfrage wartet wie gehabt erst bei 4,1970. Darunter würde die Situation wieder instabil werden.


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