Wöchentliche Marktberichte

Dez 14, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Die zwei Abweichler von der Fed

USD

EUR USD (1,1830)

Dass die US-Notenbank die Zielzone für die Fed Funds um 25 Basispunkte auf 1,25-1,50 Prozent anhob, stellte genauso wenig eine Überraschung dar wie die drei weiteren für das Jahr 2018 vorhergesagten Zinsschritte in Höhe von jeweils einem Viertelprozent. Der Durchschnitt der sogenannten „dot plots“, der Zinsprognosen, blieb für die kommenden beiden Jahre auf dem Niveau vom September. Dass der Devisenhandel dennoch taubenhaft mit Dollarabgaben reagierte, könnte man zum einen auf die zwei Gegenstimmen beim Beschluss im Offenmarktausschuss (FOMC) zurückführen. Die Präsidenten der Chicagoer Fed und der regionalen Notenbank von Minneapolis, Charles Evans und Neel Kashkari, hatten sich nämlich gegen die Zinserhöhung ausgesprochen. Gut möglich, dass die beiden genauso wenig wie offensichtlich mancher Marktteilnehmer an ein Anspringen der Inflation glauben. Denn die gestern veröffentlichten Konsumentenpreis-Indices lagen hinsichtlich der Kernrate sowohl im Monats- als auch im Jahresvergleich unter den Erwartungen der meisten Ökonomen. Zwar ist man sich innerhalb des FOMC nicht im Klaren darüber, welche Faktoren es sind, die die Inflation nicht anziehen lassen, aber die Mehrheit der Entscheider sieht dies dennoch als ein nur vorübergehendes Phänomen an. Und die Steuerreform? Es mag etwas untergegangen sein, dass sich Vertreter der Republikaner aus Repräsentantenhaus und Senat gestern auf eine abstimmungsreife Gesetzesvorlage der Steuerreform geeinigt haben, über die nun noch in beiden Häusern endgültig entschieden werden muss.

Am Ende hat sich der Euro zumindest insoweit erholen können, dass sein Abwärtsmomentum, wie bereits gestern von uns vermutet, mittlerweile zum Erliegen gekommen ist. Allerdings steht, während wir dies schreiben, für eine endgültige Stabilisierung noch die Marke von 1,1840 im Weg. Oberhalb davon wäre die Bahn zumindest bis 1,1995 relativ frei, doch dürfte danach 1,1690 nicht mehr unterschritten werden.

GBP

EUR GBP (0,8800)

Die britische Premierministerin Theresa May hat gestern Abend im Unterhaus ihre erste große Abstimmungsniederlage hinnehmen müssen. Denn pro-europäische Konservative hatten verlangt, dass vor Inkrafttreten eines Brexit-Abkommens das Parlament auf jeden Fall darüber abstimmen müsse. Obgleich sich die Regierung gegen ein solches Veto-Recht stellte, ergab sich unter Beteiligung der konservativen „Rebellen“ zusammen mit den meisten oppositionellen Mitgliedern von Labour, den Liberalen Demokraten und der Schottischen Nationalpartei eine Mehrheit von 309 zu 305 Stimmen. Allerdings hat sich diese Abstimmungsniederlage Theresa Mays nur temporär im Wechselkurs niedergeschlagen. Denn das beherrschende Thema bleibt die heutige Sitzung der Bank of England, von der zwar keine neuen Zins-Entscheidungen, aber möglicherweise ein verbaler Hinweis auf die zu starke Inflationsentwicklung erwartet wird. Wesentliches Problem: Zwar hat die Entwicklung der britischen Löhne, wie gestern publiziert, während der vergangenen drei Monate bis Ende November im Jahresvergleich etwas stärker als erwartet zugenommen, aber sie kann weiterhin nicht mit der Inflationsentwicklung mithalten. Die Folge: Fortgesetzte Reallohnverluste werden sich nicht positiv auf das Wachstum auswirken. Am Ende verlor der Euro sogar etwas an Boden, verbleibt aber innerhalb seiner ehemaligen Konsolidierungszone (0,8720-0,9020). Nach wie vor gilt, dass ein Überschreiten von 0,8885 einen Test der früheren Obergrenze bei 0,9020 zur Folge hätte.

CHF

EUR CHF (1,1650)

Wenig Neues vom Franken: Der Euro hält sich innerhalb seiner (geringfügig modifizierten) Konsolidierungszone zwischen 1,1570 und 1,1745 weiterhin recht wacker. Dies gilt zumindest, solange sich der Kurs oberhalb von 1,1590 bewegt.

CZK

EUR CZK (25,68)

Dass Tschechiens Regierung am 10. Januar im Parlament die Vertrauensfrage stellen will, so Premierminister Andrej Babis nach der gestrigen Vereidigung seines Kabinetts, mag zur schleichenden Schwächeneigung der Krone beigetragen haben. Zumal Babis‘ ANO, die erst im Oktober als stärkste Partei aus den Wahlen hervorging, offenbar keine Koalitionspartner findet. Im gleichen Zuge hat der Euro praktisch sein ganzes Abwärtsmomentum verloren und ist nun im Begriff, sogar seinen mittelfristigen Stabilitätsanker bei 25,77 in Angriff zu nehmen. Gute Unterstützung findet sich inzwischen bei 25,50.

PLN

EUR PLN (4,2180)

Zwar hat die polnische Notenbankerin Grażyna Ancyparowicz lediglich die Meinung von Zentralbankchef Adam Glapinski wiederholt, dass die Leitzinsen im kommenden Jahr wahrscheinlich nicht verändert würden. Aber der Hinweis, dass die jüngst stärker ausgefallene Inflation (bedingt durch steigende Nahrungsmittel- und höhere Ölpreise) nicht durch die Geldpolitik beeinflusst werden könne, hat möglicherweise dazu beigetragen, dass der Zloty gestern abermals unter Druck geriet. Damit steht der Euro erneut vor seinem Stabilisierungspunkt bei 4,2180, der allerdings bislang noch nicht nachhaltig überwunden werden konnte. Bis dahin bleibt das Abwärtsrisiko für den Euro bis 4,1700 bestehen.


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