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Dez 08, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Trumps Aktionen lassen US-Dollar kalt

USD

EUR USD (1,1765)

In den vergangenen Wochen war von manchen Analysten immer wieder erwähnt worden, der Euro würde aufgrund der politischen Unsicherheit in Deutschland schwächer tendieren. Gestern Abend, als die Meldung die Runde machte, die SPD sei zu Gesprächen zur Regierungsbildung mit der Union bereit, notierte der Euro an seinem Tagestief und hatte keinerlei Drang, sich von den Verlusten, die er seit Monatsbeginn erleiden musste, zu erholen. Damit dürften politisch motivierte Erklärungen für Bewegungen der Einheitswährung – sofern sie die deutsche Innenpolitik betreffen – erst einmal vom Tisch sein. Hingegen gewinnt der außenpolitische Kurs der USA immer mehr an Aufmerksamkeit. Insbesondere die jüngste, höchst umstrittene Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israel anzuerkennen, hat für gehöriges Durcheinander in der – im hohen Maße Dollar-investierten – arabischen Welt gesorgt. Viele Verantwortliche waren irritiert. Falls sich die Gemüter dort nicht schnell wieder beruhigen oder Trump eventuell sogar noch etwas mehr Öl ins Feuer gießt, könnte ein politischer Disput in absehbarer Zukunft auch die Finanzmärkte in Unruhe versetzen, auf jeden Fall aber weitreichende Folgen für den US-Dollar haben. Von der internationalen Presse wurde Trumps jüngster Coup bereits in der Luft zerrissen. Zahlreiche Journalisten wiesen auf die hohe Brisanz des Themas hin. Beispielsweise die dänische Tageszeitung Politiken, in der zu lesen war: „Trump trägt wieder zu einer instabileren Welt bei". Eine instabile politische Welt ist für Finanzmärkte abträglich, da Akteuren kaum etwas so zuwider ist, wie Unsicherheit ertragen zu müssen. In solch einem Szenario dürfte eigentlich auch der US-Dollar gefährdet sein. Im Frühjahr äußerste Trump in einem Interview gegenüber dem Wall Street Journal unverhohlen den Wunsch nach einem schwachen Greenback. Eine Dollar-Abwertungswelle käme ihm also ausgesprochen recht.

Von Schwäche ist beim Dollar aber derzeit nichts zu spüren. Der Euro fiel gestern sogar unter unsere 1,1785er Schlüsselunterstützung, was Kursrückgänge in Richtung 1,1710 und 1,1605 erwarten lässt. Neues Angebot hat sich bei 1,1850 gebildet. An eine Stabilisierung ist frühestens jenseits von 1,1910 zu denken.

GBP

EUR GBP (0,8735)

Nachdem der Euro bereits gestern am unteren Ende unserer Konsolidierungszone (0,8720-0,9020) schnupperte, drückten ihn Händler heute früh aus ihr heraus. Unterdessen wird in Brüssel weiter gestritten. Die EU und Irland wollen nach dem Brexit keine harte Grenze zu Nordirland hinnehmen. Premierministerin Theresa May und die sie unterstützende nordirische Partei DUP mögen wiederum nicht akzeptieren, dass dort weiter die Regeln des EU-Binnenmarkts gelten sollen. Harte Grenzen in Nordirland zu ziehen könnte für die Briten einen harten Brexit und für May noch härtere Zeiten bedeuten. Zwar läuft das Entscheidungs-Ultimatum bis Sonntag. Heute Morgen will EU-Ratspräsident Donald Tusk aber schon eine Erklärung in Sachen Brexit abgeben. Den Euro erwartet erste Unterstützung bei 0,8650, danach aber nicht mehr vor 0,8540. Mit Abgaben ist indes bei 0,8790, mit einer Beruhigung ist frühestens jenseits von 0,8875 zu rechnen.

CHF

EUR CHF (1,1715)

Der nächsten SNB-Sitzung am kommenden Donnerstag sehen Marktteilnehmer relativ gelassen entgegen. Diesen Eindruck vermittelt die gestern veröffentlichte Reuters-Umfrage unter 28 befragten Experten, die mehrheitlich keine Zinsänderungsaktivitäten seitens der Notenbank erwarten. Die jüngste Währungskursentwicklung lässt ebenfalls nichts anderes vermuten. Der Euro notiert nahe am jüngsten Zwei-Jahres-Hoch und bereitet anscheinend einen Ausbruch nach oben aus seiner Konsolidierungszone vor, die zwischen 1,1565 und 1,1740 verläuft. Gelingt ihm dies, winkt eine Jahresend-Rallye bis 1,1830.

PLN

EUR PLN (4,2070)

Auf die Meldung, dass der polnische Finanz- und Wirtschaftsminister Mateusz Morawiecki Beata Szydlo an der Spitze der Regierung ablösen soll, hat der Zloty praktisch nicht reagiert. Im Gegenteil, der gestrige Handelstag gehörte zu den ruhigsten des zweiten Halbjahres. Mit Morawiecki könnte sich die Partei nun stärker auf Wirtschaftspolitik konzentrieren, hieß es unter Politexperten. Der Devisenmarkt scheint diese Kompetenzen derzeit aber noch nicht honorieren zu wollen. Nichtsdestotrotz bleibt der Euro für Schwäche in Richtung 4,1700 anfällig. Jedenfalls solange er es nicht schafft, den Stabilitätspunkt bei 4,2170 zu überwinden.


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