Wöchentliche Marktberichte

Dez 06, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Mit Verzögerung aufgewacht

USD

EUR USD (1,1840)

Die US-Steuerreform scheint vor allen Dingen die Fantasie von Analysten und Kommentatoren zu beflügeln. Vielleicht war es der Überraschungseffekt, der mit aller Gewalt und Schnelligkeit in der vergangenen Woche im Senat durchgepeitschte Entwurf der Steuerreform, der nun gerade Börsianer jenseits des Atlantiks mit einiger Verzögerung davon träumen lässt, dass US-Präsident Donald Trump bereits vor Weihnachten eine unterschriftsfähige Vorlage der Reform vorgelegt bekommen könnte. Mit einer bereits 2018 greifenden Senkung des Unternehmenssteuersatzes auf 20 Prozent müssten, so die logische Konsequenz, auch die Gewinneinschätzungen für viele Aktien des S&P 500 Index für das kommende Jahr drastisch angehoben werden. Egal, ob die von der Steuerreform besonders profitierenden Unternehmen und Konzerne die in Aussicht gestellten Steuervorteile investieren, an die Aktionäre weitergeben, einbehalten oder in Form von Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmer verwenden werden – die Gewinne werden nach Ansicht der Aktienanleger explodieren – und zwar wesentlich deutlicher als hierzulande. Was zwangsläufig auch Auswirkungen auf den Wechselkurs hätte.

Während wir gestern früh noch feststellen mussten, dass der US-Dollar erstaunlicherweise noch nicht von diesen Gedankenspielen profitiert hatte, verlief die gestrige Handelssitzung, als ob sich nun auch die Devisenhändler ganz langsam die Argumente der Kommentatoren durch den Kopf gehen lassen würden. Denn die gestern publizierten US-Wirtschaftsdaten für sich alleine genommen – etwa die US-Einkaufsmanager-Indices der Dienstleister bzw. die schwachen Handelsbilanzzahlen für Oktober –, oder die schlechter als erwartet ausgefallenen Einzelhandelsumsatzzahlen in der Eurozone, waren kaum dazu geeignet, das Wechselkursverhältnis wesentlich zu beeinflussen. Gut möglich, dass ein mit Ablauf des 8. Dezember drohender „government shutdown“ sogar verhindert hat, dass der Dollar stärker nachgefragt war. Allerdings kann ein solcher Regierungs-Stillstand, bei dem viele Bundesbehörden aus Geldmangel schließen müssten, durch einen entsprechenden Beschluss zunächst um zwei Wochen verschoben werden.

Dennoch geriet der Euro gestern vorübergehend recht deutlich unter Druck und bewegte sich in Richtung unserer Schlüssel-Unterstützung bei 1,1785/90 – ein Niveau, das gehalten werden muss, um die Chance auf neue Jahreshochs zu wahren. Ein Weg, der angesichts der Widerstände mitunter steinig verlaufen dürfte.

GBP

EUR GBP (0,8820)

Der gestrige Handelstag hat wieder einmal gezeigt, dass es auch bei diesem Währungspaar volatil zugeht. Natürlich standen auch gestern die Probleme der ins Stocken geratenen Verhandlungen zum Brexit zwischen der EU und Großbritannien im Mittelpunkt. Denn es ist nicht nur die nordirische DUP, die auf eine Gleichbehandlung von Nordirland und dem Vereinigten Königreich bei der Grenzproblematik mit der Republik Irland pocht. Tatsächlich wird die Haltung der DUP von mindestens 30 Abgeordneten der konservativen Partei unterstützt, die so der Premierministerin Theresa May gegenüber der EU keinen Verhandlungsspielraum lässt. Die einzige Lösung, Großbritannien in einer Zollunion mit der EU zu halten, würde wiederum einem „weichen“ Brexit gleichkommen und damit das Kabinett auseinanderdividieren. Insofern hat es fast ein wenig überrascht, dass die anfängliche Pfund-Schwäche teilweise wieder wettgemacht wurde. Am Ende hielt sich der Euro gerade noch an der unteren Seite des mittleren Drittels seiner breiten Konsolidierungszone zwischen 0,8720 und 0,9020. Zumal auch noch von ökonomischer Seite – der Einkaufsmanager-Index der Dienstleister (Markit/CIPS) war schlechter als erwartet ausgefallen – keine Unterstützung für Sterling zu erwarten gewesen wäre.

CHF

EUR CHF (1,1675)

Dass der Euro gestern gegenüber dem Franken etwas nachgegeben hat, dürfte nicht einer inneren Stärke des Franken zuzuschreiben sein. Tatsächlich befindet sich das Währungspaar in einem Zustand des Gleichgewichts oberhalb der Mitte seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1560 und 1,1740.

PLN

EUR PLN (4,2090)

Obwohl sich der Euro gestern gegenüber dem Zloty noch einmal graduell befestigt hat, halten wir an unserem bearishen Ausblick, der bis 4,1700 reicht, fest. Allerdings würde dieses Szenario mit Überschreiten von 4,2160 zumindest kurzfristig in Frage gestellt werden.


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