Wöchentliche Marktberichte

Dez 05, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Deal, no Deal

USD

EUR USD (1,1860)

Wer angesichts der vom US-Senat am vergangenen Samstag durchgewunkenen Steuerreform einen großen Run auf den Dollar erwartet hatte, wurde enttäuscht. Vielleicht wäre die Volatilität im Devisenhandel heftiger ausgefallen, wenn das Abstimmungsergebnis nicht erst nach Handelsschluss am vergangenen Wochenende zustande gekommen wäre. So hatten die Akteure zumindest genügend Zeit, sich intensiv mit den Kommentaren auseinanderzusetzen. Anscheinend stört es die Allerwenigsten, dass die beiden unterschiedlichen Gesetzentwürfe, über die der Senat und das Repräsentantenhaus abgestimmt haben, noch aneinander angepasst werden müssen. Manch einer erwartet sogar, dass ein Kompromiss noch vor Weihnachten gefunden wird und, unterschrieben von US-Präsident Donald Trump, bereits an Neujahr in Kraft treten könnte. Wenn dann auch noch die Gewinnschätzungen vieler Unternehmen deutlich erhöht werden müssten, fragt man sich, warum sich der Greenback nicht besserer Nachfrage erfreut.

Andererseits gibt es viele Stimmen, die sich nicht vorstellen können, dass die Steuerreform tatsächlich zu einem großen Wachstumsschub in den USA führen kann. Interessanterweise handelt es sich dabei oft um dieselben Stimmen, die nun die US-Notenbank im kommenden Jahr mit Leitzinserhöhungen gegensteuern sehen. Mancherorts rechnet man mittlerweile mit vier Zinsschritten in 2018 – eine Erhöhung in der kommenden Woche gilt außerdem bereits als ausgemacht.

Wenig wird indes von einem nicht unwichtigen Aspekt dieser Steuerreform gesprochen. So wies etwa das Wall Street Journal am vergangenen Wochenende darauf hin, dass eine geplante einmalige Steuererleichterung für im Ausland erzielte und dort gehaltene Unternehmensgewinne in einer Größenordnung von vermutlich mehr als 2,5 Billionen Dollar zu Repatriierungsströmen führen könne. Davon wären natürlich auch in Fremdwährung gehaltene liquide Mittel von US-Unternehmen betroffen. Fremdwährungen, die im Zweifel gegen US-Dollar verkauft werden müssten. Zwar sind diese Bedenken nicht neu und sind hier und da in der Vergangenheit bereits diskutiert worden. Da aber niemand so recht sagen kann, wie hoch die daraus resultierenden Kapitalströme sein könnten, scheint eine Diskussion darüber, weil zu komplex, von vielen Marktteilnehmern verdrängt zu werden. Denn normalerweise tendieren Märkte dazu, sich bereits im Vorfeld auf solche Kapitalströme, also auch mit Euroverkäufen, einzurichten.

Von alldem war gestern nichts zu spüren. Der Euro hat vielmehr nach wie vor seine Chance auf neue Jahreshochs gewahrt, wobei sich auf dem Weg dorthin mittlerweile zusätzlicher Widerstand (1,2060) an der Oberseite störend etabliert hat. An der Unterseite korrigieren wir unsere Schlüsselunterstützung für die bestehende Aufwärtsbewegung minimal nach unten, auf 1,1790.

GBP

EUR GBP (0,8800)

Fast hätte man gestern in Brüssel die Sektkorken knallen gehört, als ein Durchbruch, ein Deal in einem wesentlichen Punkt, bei den Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU kolportiert wurde. Das Problem einer harten Außengrenze zwischen Irland und Nordirland sei ausgeräumt, war zu vernehmen. Doch dann hieß es plötzlich doch „no Deal“. Denn der Partner der Minderheitsregierung der britischen Konservativen, die nordirische DUP, lehnt eine Anpassung an EU-Regeln ab – diese hätte das Problem einer harten Grenze zwischen beiden Teilen des Landes gelöst – und pocht auf Gleichbehandlung mit dem Rest des Vereinigten Königreichs. Dies ist insofern pikant für die britische Premierministerin Theresa May, als sie für eine Mehrheit im Unterhaus eben diese Stimmen der nordirischen DUP benötigt. Am Ende mussten Pfund-Optimisten einen Dämpfer hinnehmen. Das galt auch im Verhältnis zum Euro, der sich gestern zwar zunächst auf die Untergrenze seiner Konsolidierungszone, die zwischen 0,8720 und 0,9020 verläuft, zubewegte, sich dann aber wieder erholte. Dieser Test der Untergrenze ist weiterhin möglich, solange der 0,8860er Widerstand nicht überwunden wird.

CHF

EUR CHF (1,1690)

Ohne kursbeeinflussende Neuigkeiten bewegt sich der Euro im Verhältnis zum Franken nach wie vor innerhalb seiner nunmehr geringfügig angehobenen Konsolidierungszone, die zwischen 1,1560 und 1,1740 verläuft. Deren untere Begrenzung stellt gleichzeitig eine gute Unterstützung dar. 

PLN

EUR PLN (4,2070)

Obwohl sich der Euro derzeit gegenüber dem Zloty nur wenig bewegt, halten wir an unserem Abschwung-Szenario, das bis 4,1700 reicht, fest. Der Punkt für eine kurzfristige Stabilisierung muss indes für heute leicht modifiziert auf 4,2220 gesetzt werden.


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