Wöchentliche Marktberichte

Dez 04, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Hälfte der Briten will zweite Chance

USD

EUR USD (1,1860)

Noch ist unklar, wie die US-Steuerreform im Detail aussehen wird, da sich die Vorlagen der beiden genehmigenden Kongress-Kammern in einigen Punkten unterscheiden. Daher muss der jüngste Entwurf, der in der Nacht zum Samstag durch den Senat gewinkt wurde, erst noch mit der im November genehmigten Version des Repräsentantenhauses abgeglichen werden. Allein die jüngste Fassung umfasst angeblich zwischen 400 und 500 Seiten, und es wird gemunkelt, dass nicht jeder Abgeordnete die Vorlage überhaupt vollständig gelesen hat. Die aus beiden Vorlagen vereinheitlichte Fassung soll US-Präsident Trump vermutlich noch vor den Feiertagen zur Unterschrift vorgelegt werden. Kein Wunder also, dass sich nach der hektischen, holprigen Absegnungs-Aktion der Steuerreform einige Marktteilnehmer Gedanken um deren Auswirkungen machen. Wenn schon nicht die Entscheider alle Punkte genau kennen bzw. nicht wissen, wie die Endfassung aussehen wird, könnte es zu unangenehmen Überraschungen kommen. Daher mahnen einige Marktkommentatoren zur Vorsicht. Steuererleichterungen etwa, die als Anreiz zur Repatriierung von im Ausland erzielten Unternehmensgewinnen geplant sind – es ist die Rede von einer einmaligen Kürzung des Steuersatzes auf diese Gewinne –, könnten zu plötzlichen, massiven Umschichtungen und gegebenenfalls zu Verzerrungen an den Devisenmärkten führen. Abgesehen davon, machten aber noch andere Warnungen die Runde. Dabei ging es um die Gegenfinanzierung der Steuerreform, die sich allein durch höheres Wirtschaftswachstum selbst tragen soll. Daran glauben einige Akteure aber nicht und befürchten stattdessen einen eklatanten Anstieg des US-Haushaltsdefizits.

Die Märkte waren schon am Freitagnachmittag merklich in Aufruhr, was sicher auch an den Meldungen zum früheren Trump-Berater Michael Flynn lag, der sich in der Russlandaffäre schuldig bekannte. Renditen zehnjähriger Anleihen rauschten auf beiden Seiten des Atlantiks nach unten, und auch die Aktienmärkte tendierten deutlich schwächer, auch wenn sich die breiten US-Indices bis Handelsende vom größten Teil der Verluste wieder erholten. Der US-Dollar erlitt einen temporären Schwächeanfall, fing sich aber ebenfalls wieder. Trotzdem hat die aktuelle Entwicklung etwas Irritierendes. Der Euro wahrt unterdessen seine Chance auf neue Jahreshochs (Zwischenwiderstand bei 1,1975/80), jedenfalls solange unsere Unterstützung bei 1,1795/05 hält.

GBP

EUR GBP (0,8820)

Die Hälfte der Briten möchte ein zweites Referendum, da ihnen der Brexit offenbar zu teuer wird. Das ergab zumindest eine gestern von der Zeitung The Mail on Sunday veröffentlichte Umfrage. Heute berät das britische Unterhaus über das wichtige Brexit-Gesetz der Regierung. Es soll sämtliche EU-Vorschriften in nationales Recht übertragen. Tritt es in Kraft, würden EU-Regeln für Großbritannien zunächst auch nach dem Brexit gelten. Jedoch könnten diese Regeln nach und nach einseitig geändert werden. Ein Umstand, der insbesondere die Gemüter der Opposition erregt. Sie nennt das Gesetz einen "Blankoscheck", der für die Regierung unterzeichnet würde. Während in London gestritten wird, dürften die britische Premierministerin Theresa May und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel versuchen, neuen Schwung in die ins Stocken geratenen Verhandlungen zu bringen. Die Pfund-Stärke der Vorwoche hat den Euro nicht aus seiner Konsolidierungszone, die zwischen 0,8720 und 0,9020 verläuft, drücken können. Ein Test der Unterkante ist möglich, solange der 0,8880er Widerstand (tiefer) nicht neutralisiert wird.

CHF

EUR CHF (1,1660)

Der Schweizer Einkaufsmanagerindex (PMI), der am Freitag auf 65,1 Punkte stieg, zeigt eine hervorragende Stimmung der Industrie an. Zuletzt gab es derart hohe Werte 2011. Den Euro brachte diese Meldung zwar ein wenig unter Druck, doch dann entfaltete sich am Nachmittag ein handfester Mini-Ausverkauf, der die Einheitswährung sogar kurzeitig knapp unter die 1,16er Marke drückte. Die heftige Bewegung kam zwar überraschend, der Euro handelt aber nach wie vor innerhalb seiner Konsolidierungszone, die zwischen 1,1550 und 1,1730 verläuft. Die Unterkante dient gleichzeitig als gute Unterstützung.

PLN

EUR PLN (4,2070)

Auch in Polen stieg der Einkaufsmanagerindex (Markit) der verarbeitenden Industrie deutlich, auf 54,2 Punkte, dem höchsten Niveau seit 2010. Marktteilnehmer dürften sich wohl noch größere Hoffnungen gemacht haben, denn der Euro präsentierte sich freundlich und machte den dritten Tag in Folge Anstalten, die Richtung der vergangenen Wochen ändern zu wollen. Wir halten an unserem Abschwung-Szenario bis 4,1700 fest, sehen jedoch bei einer kurzfristigen Stabilisierung (>4,2200) keinen Sinn mehr, vorerst weiter auf Baisse zu setzen.


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