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Dez 01, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ein plötzliches Euro-Comeback

USD

EUR USD (1,1910)

Fürwahr, es war ein hektischer Handelstag gestern. Mit zwei verschiedenen Abschnitten während der europäischen Handelssitzung. Dass der Euro zunächst unter Druck geriet, schien niemanden zu überraschen. Denn die Verbraucherpreise in der Eurozone blieben im November gegenüber dem Vormonat hinter den Erwartungen der Ökonomen zurück. Damit wurde einmal mehr deutlich, dass die Europäische Zentralbank mit der Inflationsentwicklung nicht zufrieden sein kann. Darüber täuschte auch nicht hinweg, dass mit EZB-Chefvolkswirt Praet ein weiteres Ratsmitglied auf die gute Wachstumsentwicklung in der Eurozone hinwies. Vielleicht schwächelte der Euro auch, weil die deutschen Einzelhandelsumsätze im Oktober im Vergleich zum Vormonat preisbereinigt mit einem Minus von 1,2 Prozent unerwartet niedrig ausgefallen waren. Und auch die später publizierten ökonomischen Daten aus den USA wären geeignet gewesen, den Euro weiter unter Druck zu setzen: Sei es der besser als erwartet ausgefallene Chicagoer Einkaufsmanager-Index oder die Preisentwicklung der privaten Ausgaben.

Tatsächlich gab es kaum gute Begründungen, warum sich der Euro ab der Mittagszeit bis zum europäischen Handelsschluss so eindrucksvoll von seiner anfänglichen Schwäche erholen konnte. Denn es ist nicht anzunehmen, dass etwa die von Medien kolportierte Nachricht, US-Außenminister Rex Tillerson solle demnächst abgelöst werden, Dollar-Verkäufe ausgelöst haben soll. War es womöglich die jüngste Wachstums-Schätzung des Fed-Ablegers in Atlanta, die für das laufende Quartal von 3,4 Prozent auf 2,7 Prozent zurückgenommen wurde? Und als die für gestern Nacht von vielen Akteuren erwartete Abstimmung über die Steuerreform im Senat auf unbestimmte Zeit vertagt wurde, hatte sich der Dollar schon längst auf dem Rückzug befunden. Dennoch: Weil für einen wichtigen Aspekt der Reform, die für manchen Republikaner zu hohe Staatsverschuldung, bislang kein Kompromiss gefunden wurde, könnte sich die Abstimmung noch hinziehen und als Belastungsfaktor für den Greenback erweisen.        

Letztlich hat der Euro fast schon bilderbuchmäßig seine wichtige Schlüsselmarke für den Fortbestand des Aufwärtstrends bei 1,1795/05 um Haaresbreite getestet und kann nun gestärkt seinen Anlauf auf neue Jahreshochs (Zwischenwiderstand ist bei 1,1975/80 zu erwarten) fortsetzen. Für diesen Fall sei noch einmal auf unsere mittelfristige Perspektive bei 1,2460 hingewiesen.

GBP

EUR GBP (0,8810)           

Pfund-Händler scheinen derzeit auszublenden, dass es in Großbritannien nicht nur Befürworter des jüngst bekannt gewordenen britischen Angebots in Sachen Brexit-Scheidung gibt. Ein Kommentator sprach angesichts des jüngsten Kompromissvorschlags sogar von einer schrittweisen Kapitulation Großbritanniens vor den Forderungen der EU. Obgleich sich die Gemeinschaftswährung etwa gegenüber dem US-Dollar gestern Abend in guter Verfassung präsentierte, gilt dies nicht im Verhältnis zu Pfund Sterling. Denn der Euro bewegt sich zwar nach wie vor in seiner Konsolidierungszone zwischen 0,8720/25 und 0,9020, bleibt aber unter Druck, solange 0,8900 nicht überwunden wird.

CHF

EUR CHF (1,1720)

Recht unterschiedliche ökonomische Einflussfaktoren gab es gestern beim Franken. Nach einer erwartungsgemäß ausgefallenen Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts überraschte das KOF-Konjunkturbarometer auf der positiven Seite, während die Einzelhandelsumsätze mit einem realen Minus von 3,0 Prozent im Jahresvergleich für manchen Beobachter fast schon so etwas wie eine kalte Dusche bedeutete. Am Ende blieb der Euro auch gestern in guter Verfassung, zumal die wichtige Unterstützung bei (nunmehr) 1,1650 nicht einmal ansatzweise in Angriff genommen wurde, und steht nun kurz vor der Obergrenze seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1550 und 1,1730. Nach Überwinden der Obergrenze sind weitere Kurssteigerungen in Richtung 1,1810 denkbar, wobei auf dem Weg dorthin mit 1,1765 ein guter Widerstand angezeigt ist.

PLN

EUR PLN (4,2000)

Sowohl die polnische Inflationsrate, die mit 2,5 Prozent im Jahresvergleich auf ein neues Fünf-Jahres-Hoch gestiegen war, als auch die positive Revision des Wirtschaftswachstums haben erneut für Zinsphantasien gesorgt und den Euro wiederum unter Druck gesetzt. Dieser bleibt im Abwärtstrend in Richtung 4,1700 (darunter ist auch eine weitere Beschleunigung denkbar). Das Niveau für eine kurzfristige Stabilisierung liegt mit 4,2200 noch einmal tiefer.


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