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Wöchentliche Marktberichte

Nov 20, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Gescheiterte Sondierung

USD

EUR USD (1,1735)

In der zurückliegenden Woche wurde die Verabschiedung des Entwurfs des Steuerpakets durch das US-Repräsentantenhaus zunächst als wichtiges Ereignis für die Finanzmärkte eingestuft. Tatsächlich aber hat zumindest der Devisenhandel auf die erste genommene Hürde dieses Gesetzgebungsverfahrens praktisch nicht reagiert. Gut möglich, dass sich viele Akteure an die vor noch nicht allzu langer Zeit gescheiterte Gesundheitsreform zurückerinnern, die zwar vom Repräsentantenhaus ohne Probleme durchgewunken wurde, dann aber im Senat scheiterte. Denn die Republikaner verfügen dort nur über eine knappe Mehrheit von zwei Stimmen. Und auch dieses Mal bleibt nicht viel Zeit, die Bedenken hinsichtlich der Steuerreform bei derzeit sechs republikanischen Senatoren auszuräumen. Nun könnte man natürlich einwenden, dass diese sich zurzeit nur pro forma zu Wehr setzen, dann aber am kommenden Freitag nach dem Thanksgiving-Feiertag bei der Abstimmung doch für die geplanten Steuersenkungen von netto 1,5 Billionen US-Dollar, verteilt über zehn Jahre, stimmen werden. Denn ein Teil der Senatoren muss sich im kommenden Jahr bei den so genannten „midterm elections“ zur Wiederwahl stellen. Dies gilt allerdings nicht für zwei der Kritiker des Steuerpakets, Bob Corker und Jeff Flake, die deswegen mehr Entscheidungsfreiheit besitzen. Aber selbst, wenn der Senat der Vorlage zustimmen würde, ist nicht mit einer schnellen Umsetzung der Reform zu rechnen, da sich die Gesetzesvorlagen für Repräsentantenhaus und Senat in einigen Punkten unterscheiden und in möglicherweise zähen Verhandlungen erst aufeinander abgestimmt werden müssen. Scheitert die Vorlage jedoch bereits im Senat, wäre dies nach gängiger Einschätzung für den US-Dollar negativ.

Völlig überraschend gescheitert sind gestern Nacht in Deutschland die Sondierungsgespräche über eine Regierungskoalition von CDU/CSU mit FDP und Grünen. Damit blieben nach dem Ausstieg der Liberalen als Alternativen entweder eine schwarz-grüne Minderheitsregierung, doch noch eine große Koalition oder sogar Neuwahlen. Infolgedessen musste der Euro heute Morgen in Fernost, nachdem er die Vorwoche noch mit dem höchsten Wochengewinn seit zweieinhalb Monaten beendet hatte, einen deutlichen Dämpfer hinnehmen. Die Stabilität der Gemeinschaftswährung ist indes gewährleistet, solange 1,1670 nicht verletzt wird – unterhalb davon wären aber weitere Rücksetzer in Richtung 1,1545 angezeigt.

GBP

EUR GBP (0,8880)

Zwar hat der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, jüngst den Druck auf Premierministerin Theresa May erhöht, in Sachen Brexit-Scheidung rechtzeitig zum EU-Gipfel am 14./15. Dezember – möglichst bereits zwei Wochen zuvor – mit einem neuen Verhandlungsvorschlag aufzuwarten. Aber diese Belastung für das britische Pfund wurde zuletzt durch jüngste Kommentare von leitenden Zentralbankern aus der Bank of England ausgeglichen. Denn sowohl deren Chef Mark Carney als auch dessen Stellvertreter Ben Broadbent ließen durchblicken, dass die Zinserhöhung von Anfang November mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die letzte gewesen sein dürfte. Dies steht im Gegensatz zur Annahme einiger Akteure, die davon ausgegangen waren, dass es sich bei jenem Zinsschritt nur um eine einmalige Korrektur der außergewöhnlichen Zinssenkung infolge der Brexit-Abstimmung gehandelt hatte. Damit bewegt sich der Euro, der zwar ein gutes Nachfrageniveau bei 0,8905 am Freitag erwartungsgemäß ohne Konsequenzen unterschritten hatte, weiterhin innerhalb seiner breiten Konsolidierungszone zwischen 0,8725 und 0,9020. 

CHF

EUR CHF (1,1600)

Der Euro markierte gegenüber dem Franken zwar ein neues 34-Monats-Hoch, aber die Händler schienen bereits am Freitag diesem jüngsten Mini-Aufwärtstrend nicht recht zu trauen. Denn (ökonomische) Neuigkeiten gab es für die Akteure trotz der späteren Euro-Schwäche nicht zu verdauen. Das dürfte sich heute früh mit dem Abbruch der deutschen Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Regierungskoalition geändert haben. Solange 1,1580 an der Unterseite unverletzt bleibt, kann der Mini-Aufwärtstrend noch einmal aufgenommen werden. Unterhalb davon bestünde hingegen zusätzliches Abwärtsrisiko bis 1,1520.

PLN

EUR PLN (4,2320)

Die polnischen Löhne haben im Oktober mit einem Plus von 7,4 Prozent im Jahresvergleich nicht nur die Erwartungen der Ökonomen deutlich übertroffen, sondern sind so stark gestiegen wie seit sechs Jahren nicht mehr. Gut möglich, dass der Euro deswegen leicht unter Druck geriet, aber letztlich in seiner Konsolidierungszone zwischen 4,2210 und 4,2650 verharrt. Der Auslöser für Abwärtsbewegungen in Richtung 4,1730 bleibt unterhalb dieses Feldes bei 4,2140.


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